Credit Suisse: Die Hinterlassenschaft von Robert Shafir und Bob Jain

Robert Shafir, Robert «Bob» Jain

In der Bilanz der Credit Suisse schlummern hohe Risiken. Darunter gewisse Goodwill-Positionen – auch was das Asset Management angeht. Es gibt Zweifel an der Werthaltigkeit.

«Viel Luft in der Bilanz»: Wer sich auf dem Zürcher Finanzplatz umtut, kriegt diesen Satz über die Credit Suisse (CS) oft zu hören. Gemeint sind Positionen, die von einer Wertberichtigung oder einem Abschreiber bedroht sein könnten. Dazu gehören nicht nur die risikogewichteten Aktiven, deren Abbau die CS zurzeit forciert.

Es gehört auch nach wie vor Goodwill dazu, den die CS seit der Übernahme der Investmentbank Donaldson Lufkin & Jenrette (DLJ) vor sich hergetragen hat. Bis Ende 2015, als die CS rund 3,8 Milliarden Franken davon abschrieb.

1,5 Milliarden Franken im Asset Management

Gemäss der CS-Bilanz verbleiben aus der DLJ-Akquisition noch rund 2,6 Milliarden Franken Goodwill. Nimmt man den Aktienkurs als Massinstrument, scheint es klar: Investoren erwarten weitere Abschreiber. Denn die Aktie notiert nach ihrem Sturz unter die 10-Franken-Marke auf der Hälfte des Buchwertes. Das ist ein Indiz dafür, dass Investoren Positionen in der Bilanz als nicht werthaltig erachten.

Was dabei zu wenig beachtet wird: Von den insgesamt 4,8 Milliarden Franken Goodwill in der CS-Bilanz liegen rund 1,5 Milliarden Franken im Asset Management der Grossbank.

Fokus auf Hedgefonds

Dieser Betrag fällt vor allem auf die brasilianische Tochter Hedging Griffo. Diese bildet den Kern des von der CS verfolgten Boutiquen-Ansatzes im Asset Management, seit sie 2009 das «Brot-und-Butter»-Geschäft dieses Bereiches an die schottische Aberdeen Asset Management verkauft hatte.

Fortan konzentrierte sich die CS auf die «interessanteren» Alternativen Anlagen. Interessanter deshalb, weil mit Hedgefonds höhere Gebühren zu holen sind und Kunden ein Angebot erhalten, welches auch in schwierigen Marktverhältnissen Renditen verspricht.

Robert Shafir lenkte die Strategie

Die Hedging-Griffo-Übernahme geht auf Robert Shafir zurück. Shafir, ein Investmentbanker durch und durch, stiess 2007 von Lehman Brothers zur CS und hat als CEO Americas und CEO Asset Management den Kauf vollzogen. Die CS zahlte 2007 zunächst 420 Millionen Franken für 50 Prozent des brasilianischen Investmenthauses. 2012 folgte dann die volle Übernahme.

Inzwischen hatte Shafir die Leitung des globalen Asset Managements an Robert «Bob» Jain übergeben, auch er ein Investmentbanker. Der New Yorker leitete in der CS-Investmentbank das Aktiengeschäft, er war im Eigenhandel der Bank und als Derivate-Spezialist auch bei der UBS und bei Barclays tätig gewesen.

Eine Anzahl von Übernahmen

Shafir und Jain trieben die Hedgefonds-Strategie im Asset Management der CS voran. Zu den weiteren Übernahmen zählte beispielsweise York Capital Management, ein Hedgefonds, der von ehemaligen Managern der 2000 übernommenen DLJ-Investmentbank betrieben wird.

Die CS bezahlte zunächst für einen Minderheitenanteil rund 425 Millionen Dollar. Vereinbart waren je nach Entwicklung weitere Zahlungen. Ebenfalls ins Jahr 2010 fiel der Kauf des Hedgefonds-Verwalter Prime Fund Services der niederländischen Bank Fortis.

Erwartungen erfüllt?

Wie werthaltig diese Übernahmen waren, ist fraglich – CS-Beobachter behaupten, das unter Shafir und Jain zusammegekaufte Hedgefonds-Imperium habe die Erwartungen nicht erfüllt – darum drohe wohl auch hier, auf der Position von rund 1,5 Milliarden Franken, demnächst ein Abschreiber.

Die CS kommentierte dies auf Anfrage von finews.ch nicht. Shafir hat die CS Ende Juni verlassen, Jain heuerte bereits letzten Frühling beim Hedgefonds-Riesen Millenium von Izzy Englander an.

Veränderte Umstände und Ereignisse

Die Regeln bezüglich Goodwill sind aber klar: Unter den Buchhaltungsstandards US GAAP ist die CS verpflichtet, den Goodwill auf seine Werthaltigkeit zu überprüfen, falls Ereignisse oder veränderte Umstände auf eine mögliche Wertminderung hindeuten. Veränderte Umstände haben im Zuge der Umstrukturierung der CS im vierten Quartal 2015 zum Abschreiber des DLJ-Goodwills geführt.

Das Asset Management – es wurde in der Division International Wealth Management angesiedelt – blieb davon verschont.

Schlecht laufende Geschäfte in Brasilien

Doch ist es kein Geheimnis, dass gerade Hedgefonds in den letzten Jahren Mühe bekundeten, ihre Renditeversprechen zu erfüllen. Zudem war die CS zuletzt auch gezwungen, in Brasilien zu restrukturieren und Banker zu entlassen; auch eine Folge der anhaltenden Rezession im grössten Land Lateinamerikas.

Ob dies Ereignisse sind, welche den Hedging-Griffo Goodwill tangieren, entscheiden schlussendlich auch externe Auditoren der CS.

Viel Luft?

Angesichts der bezahlten Preise für ihre Hedgefonds-Töchter ist die Höhe des Goodwills von über 1,5 Milliarden Franken doch erstaunlich. Offensichtlich waren die Zukunftsprojektionen in diesem Geschäft sehr optimistisch gewesen. Nun könnte sich zeigen, dass halt doch «sehr viel Luft» drin steckt.

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