Hypothekarkredite: Die grosse Wette mit dem tiefen Zins

Hypotheken, Bild Shutterstock

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Banken vergeben Hypotheken nicht nur so günstig wie nie – sie zahlen den Kunden auch die Anbindung der Zinsen für die Zukunft. Dahinter steckt eine Wette, die das Retailbanking entzweit.

Sogar auf dem Kurznachrichten-Dienst Twitter sind die Retailbanker der UBS unterwegs. «Fixieren Sie Ihren Hypothekarzins jetzt. Kostenlos. Und bis auf ein Jahr im voraus», werben sie (siehe unten). Und können sich der «Retweets» sicher sein.

Tatsächlich ist das ein verlockendes Angebot. Denn die Zinsen sind gerade für zehnjährige Festhypotheken nochmals gesunken. Mit etwas Geschick liessen sich bei diesen Laufzeiten Zinsen von 1 Prozent aushandeln, schreibt der Vergleichsdienst Comparis.

Das ist ein neues Rekordtief.

Der Greif-Reflex

Entsprechend geht der Reflex der Hypothekarschuldner: Zugreifen, so lange die Sätze noch so tief sind. Oder: Sich den Zins fürs nächste Jahr zusichern lassen, wenn eine noch laufende Hypothek abgelöst werden muss. Das verspricht die UBS – gratis.

Die Aktion lässt sich die Nummer eins des Schweizer Retailbanking etwas kosten. Denn um den Zins zu sichern, muss sie ein Termingeschäft abschliessen. Dieser «Forward»-Kontrakt ist nicht umsonst, er «kostet» bei einer zehnjährigen Festhypothek derzeit 9 Basispunkte, bei einer fünfjährigen Hypothek 8 Basispunkte.

Das ist gleichsam der «Rabatt», den die UBS ihren potenziellen Kunden auf deren nächsten Abschluss offeriert.

Gegenwette der Banken

Dies kann je nach Volumen ganz schön ins Geld gehen. Besonders, wenn die Zinsen bald steigen sollten. Das nimmt die UBS in Kauf, wie viele andere hiesige Institute übrigens auch – Zinsen-Forwards sind am Hypothekarmarkt gängig. Doch warum nur?

Wohl deshalb, weil zahlreiche Schweizer Retailbanken derzeit ganz anders wetten als ihre Kundschaft. Das bestätigt Stefan Mühlemann, Partner bei der Zürcher Finanzierungs-Spezialistin Pro Ressource Finanzierungsoptima. «Das Angebot von gratis-Forward-Sätzen ist ein Hinweis darauf, dass die Banken mit noch verschärfteren Negativzinsen rechnen», erklärt der unabhängige Hypotheken-Experte.

Doch das ist noch nicht die ganze Wette. Interessanterweise haben die Geldhäuser genau wir ihre Kunden den Drang, die heutigen Bedingungen für die Zukunft festzuhalten.

Doppelte Marge trotz Nationalbank-Entscheid

Denn anders als intuitiv erwartet werden könnte, sind Hypotheken im Negativzinsumfeld für das Swiss Banking bisher kein schlechtes Geschäft gewesen. So sind die Margen der Banken nach dem Nationalbank-Entscheid vom Januar 2015 noch deutlich gestiegen.

«Trotz rekordtiefem Zins von 1 Prozent für eine 10-jährige Festhypothek erwirtschaften die Banken gegenüber dem Marktzins von -0,4 Prozent immer noch eine Marge von 1,4 Prozent», erklärt Mühlemann. Dies bedeute im Vergleich zu anderthalb Jahren zuvor eine Verdoppelung der Marge.

Indes, die trotz Negativzinsen erträglichen Zeiten müssen für die Banken nicht anhalten.

Muss der Refinanzierungssatz weichen?

So erwartet Pro-Ressource-Partner Mühlemann, dass die Margen unter Druck geraten. «Insbesondere könnte der von den Banken schweizweit und recht willkürlich eingezogene Refinanzierungssatz mit einer Untergrenze von 0 Prozent in den negativen Bereich geschoben werden», gibt er zu bedenken. Dies könnte etwa geschehen, wenn die Kunden nochmals günstigere Konditionen von den Banken fordern.

Das zeigt: Vom Zinsumfeld profitieren, das wollen alle Teilnehmer am Schweizer Retail-Banking. Doch jede Wette kennt nur einen Gewinner. Die Zeit wird zeigen, wer.

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Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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