Die UBS liest Wünsche von den Lippen – dank Lausanner Tüftlern

Gesichtsanalyse (Bild: Nviso)

Gesichtsanalyse (Bild: Nviso)

Künstliche Intelligenz – kurz KI – gilt als der letzte Schrei im Banking. So auch bei UBS: Deren oberster Investmentchef Mark Haefele kündigte kürzlich diverse Pilotversuche mit «denkender» Software an – alle mit dem Ziel, den Kunden der UBS-Kernsparte Wealth Management besser zu beraten.

Besonders stolz ist Haefele auf ein Programm, das in Gesichtern liest.

Im Pilotversuch geht das so: Die Software beobachtet das Mienenspiel der Kundschaft, während diese ein Video über Finanzplanung anschauen. «Das hilft uns, unterschwellige Wünsche zu erkennen», berichtete Haefele. Etwa, wenn jemand angibt, langfristig investieren zu wollen, aber dann bei kurzfristigen Trading-Ideen ganz aus dem Häuschen gerät, so der UBS-Mann weiter.

Die geheimen Wünsche der Millionäre

Das ist offenbar so vielversprechend, dass sich die UBS überlegt, die Software – intern als «Emotionadvisor» bekannt – künftig konzernweit zu verwenden.

Ganz aus dem Häuschen dürfte man nach Haefeles Ankündigung auch beim Lausanner Startup nViso sein. Die bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) angesiedelte Jungfirma entwickelte nämlich die Technologie, mit der die UBS nun die verborgenen Wünsche der Millionäre zu erraten sucht.

Potenzial am Wettbewerb entdeckt

Die Wege von UBS und nViso, die gemäss eigenen Angaben nicht nur fürs Banking produziert, sondern sich auch an Kunden aus Marketing und Kommunikation richtet, kreuzten sich letztes Jahr. Das Startup nahm an der noch vom ehemaligen Chief Innovation Officer Oliver Bussmann ausgerichteten Future of Finance Challenge der UBS teil, die im Dezember ihren Abschluss fand.

Doch damit war die Show für die Lausanner noch nicht zu Ende. Wie es im Umfeld der UBS heisst, wurde David Bruno, der in Zürich angesiedelte Head Innovation des Wealth Management und Mitgründer der digitalen Bewertungsplattform Ynome, auf nViso aufmerksam.

Pilot ist Online

Zusammen entwickelten sie den Gesichtserkennungs-Piloten, mit dem sich nun Investmentchef Haefele brüsten darf.

Mittlerweile ist der Emotionadvisor auch Online geschaltet worden. Wie zu vernehmen war, handelt es sich um einen «Versuchsballon». Die UBS habe keinen Zugriff auf irgendwelche Daten aus dem Testlauf, wird beteuert.

Auf ganz ähnliche Weise stellte die UBS bereits ein Chatbot-Programm dem breiteren Publikum vor, wie auch finews.ch berichtete. Und es dürfte nicht der letzte Ballon gewesen sein, welche die Schweizer Grossbank in Sachen KI steigen lässt.

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