Eugen Haltiner: «Noch gibt es viele fähige Köpfe»

Der frühere Präsident Finma-Präsident, Eugen Haltiner, will die Kompetenz der Verwaltungsräte in den Banken verbessern, wie er im Interview mit finews.ch erklärt.

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Die Fachschule für Bankwirtschaft (FSB), wo sich Eugen Haltiner (Bild) als Co-Leiter der Projektgruppe ‹Bank-VR-Wissen› engagiert, hat ein neuartiges Ausbildungsangebot lanciert, wie auch finews.ch berichtete. Es zielt darauf ab, die Kompetenz von Bank-Verwaltungsräten in Sachen Risikomanagement zu steigern.

Im Interview mit finews.ch präzisiert der frühere Präsident der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) diese Absicht und folgert: «Je grösser die Unsicherheit, desto mehr sollte sich der Verwaltungsrat mit Szenarien auseinandersetzen.»

Herr Haltiner, der frühere UBS-Konzernchef Oswald Grübel sagte unlängst, in der Schweiz würden Verwaltungsräte massiv überschätzt. Man gebe ihn zu viel Verantwortung, angesichts des geringen Wissens, das sie hätten. Ist das tatsächlich der Fall?

Tatsächlich stimmen die Verantwortung und das vorhandene Wissen nicht immer überein. Ein Verwaltungsrat ist aber nicht von seiner Verantwortung zu entbinden. Erklärt er sich zur Übernahme eines Mandates bereit, sollte er über ein Mindestmass an Fachwissen verfügen oder aber sich dieses aneignen.


«Die Komplexität wächst»


Die Bankbranche macht seit einigen Jahren einen fundamentalen Wandel durch. Inwiefern ändert sich dadurch das Anforderungsprofil an einen Bank-Verwaltungsrat?

Das Umfeld für Banken verändert sich laufend. Zu erwähnen sind etwa die sich wandelnden Kundenbedürfnisse, der Wettbewerbs- und Margendruck oder die regulatorischen Anpassungen. Ein Verwaltungsrat muss alle diese Entwicklungen verstehen und mit gezielten Fragen die Geschäftsleitung herausfordern können. Dafür braucht er genügend verfügbare Zeit und ein minimales Wissen.

Mit welchen neuen Themen muss sich ein Bank-Verwaltungsrat heute und in nächster Zeit befassen?

In vielen Bereichen ist eine wachsende Komplexität festzustellen. Neue Produkte und geforderte Dienstleistungen, neue Vertriebsformen oder neue Vorschriften mit Auswirkungen auf die Organisation und Arbeitsprozesse tragen dazu bei.


«Ausländische Gesetze sind zu beachten»


Hinzu kommt die Unsicherheit über die Auswirkungen der anhaltend tiefen Zinsen. Je grösser die Unsicherheit, desto mehr sollte sich der Verwaltungsrat mit Szenarien auseinandersetzen und dafür vorbehaltene Entschlüsse erarbeiten.

In der Bankbranche hat besonders in den letzten Jahren der rechtliche Einfluss aus den USA massiv zugenommen. Was sind die Konsequenzen?

Das Bankgeschäft hat viele grenzüberschreitende Bezüge. Selbst eine Anbieterin ohne Filialen oder Tochterbanken im Ausland hat ausländische Gesetze zu beachten, wenn sie eine internationale Kundschaft bedient. Je nach Ausprägung des Geschäftes ist eine Durchmischung mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Ausland oder zumindest mit Auslanderfahrung aber angezeigt. Noch gibt es in der Schweiz viele fähige Köpfe. Fehlt es an der Fachkompetenz, so lässt sich diese erarbeiten. Dafür gibt es ein genügend breites Schulungs- und Weiterbildungsangebot.

Worum geht es bei ihrem neuen Ausbildungsangebot?

Banken arbeiten mit Risiken. Das Eingehen sowie das Bewirtschaften von Risiken sind von zentraler Bedeutung und somit ein Merkmal der Geschäftsmodelle von Banken. Sie unterscheiden sich darin von Unternehmen anderer Sektoren.


«Risikomanagement erfordert zusätzliche Kenntnisse»


Ein Verwaltungsrat muss insbesondere im Bereich Risikomanagement über zusätzliche Kenntnisse verfügen, um seiner Aufgabe gewachsen zu sein.

Was können Sie mit Ihrem neuen Ausbildungsangebot den Teilnehmern anbieten, das sie nicht schon wissen (müssten)?

Unser Ausbildungsangebot ist auf Verwaltungsräte ausgerichtet, die schwergewichtig ihre Berufspraxis ausserhalb des Bankensektors erworben haben, und vermittelt ein stufengerechtes Wissen.

Ihr Angebot ist «institutsbezogen» konzipiert. Was heisst das konkret?

Die Vermittlung beruht auf den institutsspezifischen Gegebenheiten und ist kein abstrakter Lehrgang. So bauen die Präsentationen auf den internen Berichten an den Verwaltungsrat auf und berücksichtigen das jeweilige Geschäftsmodell.


«Bei Wissenslücken ist auch Einzelcoaching möglich»


Dem Lehrgang geht eine «individuelle Facheinschätzung» voraus. Was muss man sich darunter vorstellen?

Unter Wahrung der Vertraulichkeit kann jeder Verwaltungsrat für sich sein Wissen testen und auch bewerten. Stellt er Lücken fest, können diese im Rahmen einer internen Ausbildung mit Teilen des Verwaltungsrats, mit dem gesamten Gremium oder im Rahmen eines Einzelcoachings geschlossen werden.

Wie ist die Idee für diesen Lehrgang geboren?

Meine früheren Erfahrungen bei der Bankenaufsicht waren der Anstoss zu diesem Angebot. In vielen Gesprächen mit Verwaltungsräten stellte ich das Bedürfnis fest, insbesondere im Bereich des Risikomanagements über mehr Wissen zu verfügen.


«Keine abschreckenden Tarife»


Und, nicht unwichtig in Zeiten anhaltender Sparprogramme bei den Banken: Was kostet ein solcher Kurs?

Der Bezug der Unterlagen für die individuelle Einschätzung ist sehr kostengünstig – keine abschreckenden Tarife. Wird eine Fortsetzung in Form eines Ausbildungsangebots gewünscht, wird dieses massgeschneidert und separat offeriert.

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NEWS GANZ KURZ

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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