«Scoach senkt Gebühren um bis zu 35 Prozent»

Christian Katz, CEO der SIX Swiss Exchange, im Interview mit finews.ch über seine Schritte nach der Auflösung des Scoach-Joint-Venture mit der Deutschen Börse.

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Herr Katz, unlängst hat die SIX das Joint-Venture Scoach mit der Deutschen Börse aufgekündigt. Bei der Bekanntgabe stellten Sie diverse Massnahmen in Aussicht. Lassen Sie diesen Worten auch bald Taten folgen?

Ja sicher. Wir beabsichtigen, die Listing-Gebühren für alle strukturierten Produkte hierzulande um 35 Prozent zu senken.

Ab wann gilt das?

Sobald der Scoach-Kooperationsvertrag mit der Deutschen Börse aufgelöst ist und unsere internen Gremien zugestimmt haben. Zieltermin ist Anfang Juli. Und damit unsere Emittenten schon in ihren diesjährigen Budgets eine spürbare Entlastung erfahren, werden wir die Preissenkung auch auf alle Produkte ausdehnen, die bereits im 2. Quartal 2013 ausgegeben wurden.

Das sieht nach einer Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz im Handel mit strukturierten Produkten aus.

Im Gegenteil! Ziel ist, uns als erstklassig regulierte Börse für strukturierte Produkte noch besser und kundennäher zu positionieren – dies im Gegensatz zu anderen, eher intransparenten OTC-Plattformen hierzulande, die einem funktionierenden Anlegerschutz entgegen stehen.


«Nur eine regulierte Börse garantiert Anlegerschutz»


Waren Sie nicht ganz einfach gezwungen, etwas zu tun, um der Berner Börse und Swiss DOTS den Wind aus den Segeln zu nehmen?

Die Fragmentierung des Marktes für strukturierte Produkte in der Schweiz macht einfach keinen Sinn. Je mehr wir ihn aufteilen und auf unregulierte OTC-Plattformen verlagern, desto mehr schwächt dies die Qualität.

Das müssen Sie genauer erklären.

Alternative OTC-Plattformen bieten keine verbindlichen Handelspreise und auch kein Listing mit Prospektprüfungen. Nur bei einer regulierten Börse wie Scoach ist dieser Anlegerschutz gegeben. Die Finma, also die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, wie auch die gesamte Öffentlichkeit streben mehr Transparenz und mehr Anlegerschutz an. Wir bei der Börse auch.


«Wir geben substanzielle Einsparungen weiter»


In Bezug auf die Transparenz offeriert Scoach als Börse verschiedene Tools, die zum Beispiel Preisvergleiche zulassen oder über die Qualität der Market Maker Auskunft geben. Dazu geben wir mit dem Marktreport einen detaillierten Einblick in Handel und Trends im Markt.

Trotzdem, bis zu 35 Prozent tiefere Gebühren sind enorm. Wie können Sie sich plötzlich solche Dumping-Preise leisten?

Wir sind jetzt in der Lage, substanzielle Einsparungen, die wir unlängst durch verschiedene Massnahmen erzielen konnten, an unsere Kunden weiterzugeben. Zu erwähnen ist hierbei unser Connexor-Service, mit dem wir den Listing-Prozess weiter automatisieren und einen so genannten «Straight-Through-Process» bis zu den Banken anbieten. Ebenfalls herauszustreichen ist die neu eingeführte elektronische Archivierung der Listing-Prospekte. Beide Massnahmen haben unsere interne Effizienz massiv gesteigert.


«Wir erlangen mehr Freiheit»


Warum waren tiefere Tarife nicht schon vorher im Scoach-Joint-Venture mit der Deutschen Börse möglich?

Die Deutsche Börse hat als börsenkotiertes Unternehmen eine stärkere Orientierung an der Gewinnmaximierung zu Gunsten ihrer Aktionäre. Im Gegensatz dazu ist die SIX eine ertragsorientierte Organisation, die ihre Effizienzgewinne regelmässig den Kunden und Eigentümern weitergibt.

Was sind Ihre weiteren Pläne mit Scoach, sobald das Joint-Venture mit der Deutschen Börse aufgelöst ist?

Mit der Entbündelung erlangen wir mehr Freiheit, um konsequenter auf die Bedürfnisse der Emittenten und des gesamten Schweizer Markts für strukturierte Produkte einzugehen. Nun können wir den Markt mit geeigneten Massnahmen fördern. Die Reduktion der Listing-Gebühren ist ein erster Schritt, weitere werden folgen.


Christian_Katz_180_2Christian Katz leitet innerhalb der SIX Gruppe den Geschäftsbereich Swiss Exchange. Dieser betreibt die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange sowie Scoach, die spezialisierte Börsenorganisation für strukturierte Produkte. Zudem verantwortet er den Indexanbieter STOXX sowie die Swiss Fund Data.

Vor seinem Eintritt Anfang 2009 führte der 45-jährige Christian Katz das Representative Office von Goldman Sachs in der Schweiz, wo er sich auf das institutionelle Aktien- und Aktienderivatgeschäft fokussierte. Zuvor war er acht Jahre für J.P. Morgan Chase tätig.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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