Executives and Entrepreneurs – die Neureichen

In einer neunteiligen Serie auf finews.ch zeigen Bankexperten, welche Veränderungen auf Grund der neuen, steuertransparenten Wealth-Management-Welt für die einzelnen Kundengruppen zu erwarten ist. (Teil 3)

Von David Fankhauser, Christoph Kley und Robert Fehr*

Das in den vergangenen Jahren vielgescholtene Segment der Executives, also Geschäftsführer von kleinen und mittelgrossen Unternehmen und Geschäftsleitungsmitglieder oder oberstes Kader von Grossunternehmen, zeichnet sich in der Tat durch hohes Einkommen aus und ist deshalb für Privatbanken ein interessantes Segment.

Nicht nur weil die Akteure anspruchsvoll sind und ein hohes Vermögenspotential aufweisen, sondern auch weil sie noch aktiv im Berufsleben stehen und deshalb auch ein attraktives Netzwerk von ähnlichen «Prospects» mitbringen. Potential deshalb, weil diese Alterskategorie (35 bis 65 Jahre) mehrheitlich noch vom hohen Einkommen lebt und demzufolge eine mittlere Vermögensgrösse aufweist.

Konzentrierte Schwarzgeld-Potenziale

Dieses ist in der Regel in (selbstbewohnten) Immobilien investiert, nebst Finanzinvestments und vielleicht einer Lebensversicherung. Häufig ist ein beträchtlicher Teil des Vermögens in Aktien- und Optionsprogrammen der entsprechenden Arbeitgeber gebunden und als investierbare Grösse erst in einigen Jahren verfügbar.

Der Nachwuchs von Executives ist häufig schon aus dem Haus, Freizeit und Luxus bekommen einen höheren Stellenwert und die Altersvorsorge rückt langsam ins Blickfeld. Bei international tätigen Executives konzentrieren sich die Schwarzgeld-Potentiale, die sich aus Bonuszahlungen mit komplexen steuerlichen Auswirkungen ergeben können.

Vermögensaufbau über die eigene Firma

Entrepreneurs teilen als Privatbanken-Segment viele Merkmale, die auch Executives auszeichnen, wie zum Beispiel Altersgruppe, Lebens-Cashflow, Incentive-Programme, Bindung ans Unternehmen, und andere. Entrepreneurs sind im Gegensatz zu Executives von Anfang an und mit vollem Risiko in ihr eigenes Startup investiert und darin zu 100 Prozent engagiert.

Der Vermögensaufbau erfolgt hier durch die Wertvermehrung des eigenen Startups; ähnlich wie beim Executive, nur dass dieser sein Geld in einem etablierten Unternehmen vermehrt und sich im Kontrast zum Entrepreneur nicht persönlich verschulden muss. Liquide Finanzvermögen hält der erfolgreiche Entrepreneur nur als Reserve und um sich den strategischen Handlungsspielraum für sein Unternehmen zu sichern.

Internationale Strukturen im Einsatz

Die Altersvorsorge erfolgt über Lebensversicherungen und/oder – je nach erreichter Grösse des Startups – über eigene Stiftungen. Etwas komplexer gestaltet sich die Nachfolgeregelung in diesem Segment: es gilt, die Existenz des Unternehmens nach jahrzehntelangem Aufbau langfristig zu sichern, gegebenenfalls eigene Kinder im Unternehmen zu positionieren, die Geschäftsführung und die Erbschaft sauber zu regeln.

Auch hier kommen oft internationale Strukturen (Stiftungen und Trusts zur Steueroptimierung) zum Einsatz, wofür Privatbanken internationale Finanzplaner einsetzen. Überflüssig zu erwähnen, dass bei Entrepreneurs ein hohes Schwarzgeldpotential besteht, bedingt durch internationale Unternehmensstrukturen, Transfer-Pricing-Themen und aggressives Tax-Planning. Eine umfangreiche schweizerische Weissgeldstrategie würde in diesem Segment voraussichtlich tiefe Spuren hinterlassen.

Sinnvolle Verbindung zwischen Privatbank und Investmentbank

Das Segment Executives und Entrepreneurs ist bei vielen Banken mit angegliederter Investmentbank häufig die einzig sinnvolle Verbindung zwischen Privatbank und Investmentbank.

Einerseits können Privatkunden aus dem Segment Entrepreneurs Kapitalmarktgeschäfte (etwa Börsengänge, Anleihen) generieren, für die die Investmentbank gerne das Mandat übernimmt. Anderseits arbeitet die Investmentbank bei Kapitalmarktgeschäften häufig eng mit dem obersten Management einer Firma zusammen, welches bei einem «Cash-Event» zum bevorzugten Wealth-Management-Target und von der Investmentbank (gegen entsprechende Revenue-Anrechnung) an die Privatbank vermittelt wird.

Am Rand des Radarschirms

Wie wichtig dieses Segment für Privatbanken ist, zeigt das Beispiel der Raiffeisentochter Notenstein: Diese hat im Juni 2013 ein 10-köpfiges-Team der UBS Zürich übernommen, das auf Executives & Entrepreneurs spezialisiert war. Selbst das «Wall Street Journal» berichtete darüber.

Erst auf dem Rand des Radarschirmes von Privatbanken tauchen die Professionals auf: junge, gut ausgebildete, ehrgeizige, einsatzfreudige, erfolgreiche und gut verdienende White-Collar-Worker. Die Vermögen sind in diesem Segment trotz hohen Einkommen und häufig vorkommenden Doppelverdienern noch bescheiden. Der Cashflow dient dem Lebensunterhalt und wird anfänglich in selbstbewohntes Wohneigentum investiert, bevor der Aufbau des Finanzvermögens beginnt.


* David Fankhauser verfügt über weitreichende Erfahrung im internationalen Wealth Management. Er war in London, Hongkong, Frankfurt, Berlin sowie in der Schweiz tätig und hat langjährige Führungserfahrung. Dr. Christoph Kley ist Dozent für Banking & Finance sowie Projektleiter am Zentrum für Banking und Finance der ZHAW School of Management and Law. Robert Fehr ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am selben Zentrum.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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