Die unsichere Welt der Blockchain

Virtuell und doch unsicher (Bild: Shutterstock)

Die Blockchain soll die Finanzwelt sicherer machen, heisst es. Nun zeigen zwei Vorfälle die unsichere Seite der Technologie. Betroffen sind zwei Fintech-Wunderkinder, die in Zug arbeiten.

In der virtuellen und weitgehend unkontrollierten Bitcoin-Welt sind Hacks und Diebstähle zwar nichts Ungewöhnliches. Doch zwei Fälle sorgen nun auch bei hartgesottenen Verfechtern der virtuellen Währungen und Transaktionen für Nervosität.

Denn sie betreffen zwei Lichtgestalten der Szene, deren Unternehmen weltweiten Status geniessen: Shapeshift von Erik Voorhees und Ethereum von Vitalik Buterin.

Schnell, sicher, Star

Der Amerikaner Voorhees und der Russe Buterin zählen zu den einflussreichsten Personen und Botschaftern in Sachen Bitcoin und Blockchain. Und sie treiben ihre Unternehmen und Technologien in der Schweiz voran, in der Bitcoin-Cluster-Region Zug.

Voorhees gründete Shapeshift im Jahr 2014. Das Unternehmen preist sich als schnellste und sicherste Tauschplattform für Krypto-Währungen an.

Buterin ist der Star der Blockchain-Szene. Mit Ethereum betreibt er eine Plattform, auf der Nutzer mittels Blockchaintechnologie und virtuellem Geld Transaktionen ausführen können.

Dem 22-Jährigen wird als Programmiergenie zugetraut, die Finanzwelt zu revolutionieren.

50 Millionen Dollar weg

Doch hat er im Moment ganz andere Probleme: Er versucht, 50 Millionen Dollar zurückzubekommen, die ihm gestohlen wurden. Es ist einer der grössten virtuellen Raubzüge in der noch jungen, aber recht abwechslungsreichen Geschichte der «Kryptowährungen» – und er trifft ausgerechnet das Wunderkind der Szene.

Und noch schlimmer: Der Diebstahl geschah im Rahmen eines Projektes namens «Dao», ein virtuelles Anlagevehikel, das ebenso virtuell von Investoren eingesammeltes – reales und umgewandeltes – Geld in Unternehmen steckt. Alles auf Basis der Blockchain-Technologie, welche als absolut sicher gilt.

Blockchain manipulieren

Der Dieb fand eine Lücke im Programm und zweigte während mehreren Tagen im vergangenen Juni 50 der eingesammelten 160 Millionen Dollar ab. «Attacker» nennt sich der Dieb und meldete sich auf Buterins-Blog, er habe nichts Unrechtes getan, kein Programm gehackt, bloss das Geld umgeleitet. Der von Buterins Team programmierte Code habe dies zugelassen.

Die Pointe an der Geschichte ist: Es wäre für Buterin ein Leichtes, das Geld wieder zurückzuholen; er müsste nur das Programm zurücksetzen. Doch das geht nicht, weil er dann den Beweis liefern würde, dass die nicht manipulierbare Blockchain-Technologie eben doch manipulierbar ist.

Ein Insider-Job

Um eine deutlich weniger hohe Summe geht es im Fall von Shapeshift, nämlich rund 230'000 Dollar. Doch der Diebstahl, dessen Umstände von Voorhees auf dem Shapeshift-Blog bis ins kleinste Detail beschrieben worden sind, hat für ähnlich viel digitales Rauschen in der Bitcoin-Szene gesorgt. Denn es war ein sogenannter «Inside-Job».

Ein Angestellter stahl zunächst rund 130'000 Dollar, verkaufte dann die Informationen zur Sicherheitslücke an einen Hacker, der weitere 100'000 Dollar in Kryptowährungen klaute.

Ungenügendes Sicherheitsdispositiv

Die Bedeutung dieses Falles ist nicht zu unterschätzen. Denn er hat gezeigt, dass entgegen allen bisherigen Behauptungen weder Programme noch die Technologie dahinter «sicher» sind. Die Shapeshift-Software, auf der öffentlich Währungen getauscht werden können, war mit Insiderwissen geknackt worden, was Lücken im Sicherheitsdispositiv von Shapeshift offenbarte.

Und der Dao-Fall zeigt, dass auch ein Blockchain-Mastermind wie Buterin Fehler einprogrammiert und diese übersieht.

Anfälliges digitales Finanzsystem

Wie er sich aus der Affäre zieht, ist noch ungewiss. Sein Team hat noch knapp eine Woche Zeit, eine Lösung auszuarbeiten, dann löst das Programm die Deblockade der 50 Millionen Dollar aus und der Dieb kann damit verschwinden.

Für Veerhoos war die Lösung klar, er baute eine neue Shapeshift-Plattform. Oft werden sich die Protagonisten der revolutionierten Finanzwelt solche Fehltritte aber nicht mehr leisten können. Sie sind angetreten, das alte und anfällige Finanzsystem zu überholen. Nun sind sie Beispiele dafür, wie anfällig ein vollkommen digitales Finanzsystem ist.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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