Zentralbanker: Kriegsgurgeln an der Geldpresse

Soldat mit Bazooka (Bild: Youtube)

Soldat mit Bazooka (Bild: Youtube)

Von der Dicken Bertha bis zur Bazooka mobilisieren die mächtigen Zentralbanker alles, um ihrer Geldpolitik mehr Durchschlagskraft zu verleihen. Doch die derbe Kriegsrethorik hat einen Haken.

Vorbei sind die Zeiten, als die Zinsen einfach «erhöht» oder «gesenkt» wurden. Heute strotzt das Vokabular der Notenbanker nur so von martialischen Lehnwörtern – und die Finanzgemeinde plappert sie munter nach.

So allgegenwärtig sind die «Bazookas» und «Dicken Berthas» mittlerweile, dass dies nun erste Warner auf den Plan ruft, wie das amerikanische «Wall Street Journal» (Artikel bezahlpflichtig) berichtet. Denn nicht zufälligerweise ist das Kriegsvokabular erst mit der Finanzkrise aufgekommen.

Inflationäres Jargon

Das «Journal» wollte es genau wissen und durchstöberte Zeitungsberichte über Geldpolitik nach martialischen Schlagwörtern. Während die Notenbanker noch gegen die Deflation ankämpfen, ist die Verwendung von Kriegsjargon inflationär angestiegen. Lehnwörter aus dem Umfeld der Artillerie etwa wurden 2010 noch 4'600 Mal verwendet; 2015 hatte sich der Gebrauch auf 7'300 gesteigert.

Und in diesem Jahr wurde das Wort «Feuerkraft» bisher fast 1'500 Mal verwendet (siehe Grafik unten).

Bazooka Grafik 500

Schweres Geschütz

Die Falken der verbalen Aufrüstung sitzen dabei in den westlichen Notebanken. Im Jahr 2008 prahlte Ben Bernanke, der ehemalige Präsident der amerikanischen Zentralbank (Federal Reserve, Fed), mit seiner «Bazooka». Damit meinte er nicht die Panzerabwehr-Rakete, sondern Swap-Geschäfte, mit denen andere Notenbanken ihm im Notfall zu Hilfe eilen könnten.

Vier Jahre später, mitten in der Eurokrise, fuhr Mario Draghi in einem Interview mit der Deutschen «Frankfurter Allgemeinen Zeitung, FAZ» schweres Geschütz auf. «Vielleicht hätte ich den Dreijahres-Tender als ‹Dicke Bertha› angkündigen sollen, dann hätten alle zugehört», sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) damals.

Dies in Anspielung an den 42-cm-Mörser, mit dem das deutsche Kaiserreich im Ersten Weltkrieg die Allierten in Angst und Schrecken versetzte (Bild unten).

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Kraft durch Masse

Zu grobem Gerät wird auch heute noch gegriffen. Etwa, wenn der für seine Metaphern berühmte Chefökonom der Bank of England, Andrew Haldane, mit dem Vorschlaghammer («Sledgehammer») Geldpolitik betreiben will.

Hämmer, Geschütze, Feuerkraft: All diesen Wörtern liegt dieselbe Problematik zugrunde. Sie alle stehen für «Kraft durch Masse» und lassen vermuten, dass die Notenbanker jederzeit mit einem potenten Arsenal gegen eine Krise ankämpfen.

Das gefällt nicht allen. So warnt Kallum Pickering, Ökonom bei der deutschen Berenberg Bank: «Mein Problem mit den Metaphern ist, dass sie den Eindruck vermitteln, die Notenbanken könnten etwas gegen die missliche Lage tun, in der wir uns befinden.»

Neutrale SNB

Wohltuend friedlich geben sich diesbezüglich die Notenbanker in den neutralen Schweiz. Zwar publiziert die Schweizerische Nationalbank (SNB) auch regelmässig dem Militärsprech entlehnte «Lageberichte». Doch deren Inhalt ist wohltuend wenig martialisch – nicht von ungefähr war Ex-SNB-Präsident Philipp Hildebrand Co-Autor eines Buchs zur Notenbank-Kommunikation.

Höchstens zeigen Schweizer Währungshüter Qualitäten, die ans Weltkriegs-Réduit erinnern: Anlässlich der Aufhebung der Euro-Abindung 2015 konterte SNB-Präsident Thomas Jordan Journalisten-Fragen jeweils mit der immer gleichen Antwort: «Der Franken ist überbewertet.»

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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