Mai
17
2012
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Ist der Trend gebrochen? Die Gold-Experten streiten sich heftig darüber, wie es mit dem Preis für das gelbe Edelmetall weitergeht.

«Der Schwung ist raus. Es sieht ganz danach aus, dass die grossen Investoren – in erster Linie ETFs, ETCs und Hedge Fonds – ihre Positionen bezogen haben und mit ihren Beständen zufrieden sind», kommt das ETF-Finanzportal «YouQuant.com» zum Schluss.

Es gebe kurzfristig auch keine Anzeichen, weder von der Angebots- noch von der Nachfrageseite, dass sich an dieser Ausgangslage etwas ändere, heisst es weiter. Somit würden die besten Zeiten für Goldanleger erst einmal vorüber sein.

Charttechnisch im grünen Bereich

Langfristig jedoch stimme der Trend für Gold weiter, schreit «YouQuant.com». Chartechnisch sei alles im grünen Bereich. Zu diesem Schluss kommt auch die Saxo Bank. Der Grund: Der in der Chartanalyse wichtige 200-Day-Moving-Average hielt dem Niveau von 1‘150 Dollar je Unze stand, was als wichtiges Indiz für Stabilität gewertet werden kann (vgl. Chart).

Gold-200-Days

(Quelle: Saxo Bank)

Eine neuerliche Dollar-Schwäche, das baldige Ende des Ramadans sowie die anstehende Heirats-Saison in Indien seien weitere Faktoren dafür, dass der Goldpreis sogar in nächster Zeit wieder deutlich zulegen werde, schreibt die Saxo Bank weiter.

Immer wieder China im Fokus

Zudem habe die chinesische Regierung diese Woche erklärt, die Gesetze für den Handel mit Gold zu lockern. Schliesslich hat die angespannte wirtschaftliche Lage in den USA dazu geführt, dass die amerikanische Notenbank ihre lockere Geldpolitik fortführt.

Gold_Maske_1Interessant ist auch, dass die Besitzer von Gold-ETFs ihren Anlagen mehrheitlich treu geblieben sind, trotz der Korrektur von rund 100 Dollar beim Preis für das gelbe Edelmetall.

Als wichtige Marke gelten nun 1‘200 Dollar je Unze. Dieses Niveau, einmal gefestigt, könnte der Ausgangspunkt für neuerliche Avancen gelten, schreibt die Saxo Bank.

BofA-Kursziel: 1‘500 Dollar

Noch konkreter geben sich die Experten bei der Bank of America (BofA)/Merrill Lynch. Sie rechnen damit, dass der Goldpreis im Verlauf der nächsten 18 Monate die Marke von 1‘500 Dollar erreichen wird, wie ist in einer neuen Studie heisst.

Die Gründe dafür seien ein zu erwartender zyklischer Aufschwung bei den Energie- und sonstigen Rohstoffpreisen sowie die anhaltend laxe Geld- und Fiskalpolitik in zahlreichen Ländern der Welt.

Allerdings weisen die BofA-Experten auch auf die Risiken und Unwägbarkeiten hin. So sei beispielsweise die positive Entwicklung des Golds im Juni dadurch gestoppt worden, dass verschiedene Staaten Teile ihrer Goldbestände in Dollar- oder Euro-denominierte Obligationen umgewandelt hätten.

Weiter volatil

Sollte sich zudem das Wirtschaftswachstum in den USA rascher erholen als erwartet oder eine klare Absicht der Regierung durchsetzen, das Budgetdefizit zu reduzieren, könnte der Goldpreis ebenfalls unter Druck geraten.

Doch wie lange sollen Anleger noch ihr Gold halten? Für die BofA-Experten bleiben die hohen Staatsdefizite, die Inflationsbefürchtungen und die wirtschaftliche Schwäche die wichtigsten Treiber, dass der Preis in den nächsten 18 Monaten bis auf 1‘500 Dollar steigt. Allerdings werde dies sehr volatil verlaufen, heisst es weiter.

Parallelen zu den achtziger Jahren?

Konkret sollten Investoren bereit sein, in einem Umfeld hoher Realzinsen ihr Gold zu verkaufen, weil dann das gelbe Edelmetall seine Anziehungskraft rasch verlieren könnte, wie dies in den frühen achtziger Jahren der Fall war, als Paul Volcker die Leitung der amerikanischen Notenbank übernahm.

Allerdings schätzt die BofA dieses Szenario vorläufig noch immer als eher unwahrscheinlich ein.

Hervorragende Studie der UBS

Ebenfalls ein Kursziel von 1'500 Dollar die Unze erwartet die UBS in den nächsten zwölf Monaten. Sie hat für ihre Prognose unlängst eine Studie mit dem Titel «Gold – die ultimative Währung» publiziert. Die 32-seitige Broschüre ist äusserst lesenswert. Mehr dazu unter diesem Link.

Zum Thema Gold existieren auch noch zwei hörenswerte Broadcasts sowie ein Video; Dokumente, die uns ein treuer Leser von finews.ch zugestellt hat. Wir möchten sie den übrigen Usern nicht vorenthalten.

Interessante Ton- und Bilddokumente

  1. Ein Radio-Interview mit der lebenden Minen-Legende Pierre Lassonde, früher einmal Präsident der Newmont Mining Corporation, unter diesem Link.
  2. Ein Radio-Interview mit John C. Hathaway, der mit fast vier Jahrzehnten an Markterfahrung als einer der angesehensten Gold-Experten gilt, unter diesem Link.
  3. Ein Video mit Aram Shishmanian, dem CEO des World Council, über die Rolle Chinas im Goldmarkt und die Nachfrage aus Indien, unter diesem Link.

 

 

Kommentare 

 
#3 Gast 2010-08-12 22:58
Die aktuelle Fedpolitk haben wir schon erlebt. Für mehr siehe Wikipedia "1951 Accord"....

In April 1942, after the entry of the United States into World War II, the Fed publicly committed itself to maintaining an interest rate of 3/8 percent on Treasury bills. In practice, it also established an upper limit to the term structure of interest rates on government debt. The ceiling for long-term government bonds was 2 1/2 percent. In summer 1947, the Fed raised the peg on the Treasury bill rate.2 However, the Treasury adamantly insisted that the Fed continue to place a floor under the price of government debt by placing a ceiling on its yield.
After World War II, the predominant concern of public policy was to preventareturnoftheGreatDepres sionandhighunemployment.3 However, the primary postwar problem turned out to be inflation rather than economic depression. Over the 12-month periods ending June 1947 and June 1948, respectively, CPI inflation was 17.6 and 9.5 percent.
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#2 Gast 2010-08-12 12:45
@Peter Pan: Langfristige Zinsen richten sich nicht nach den Wünschen zahlungsunfähiger Schuldner. Sondern nach der Risikowahrnehmung der Gläubiger. Immer mehr können sich Europa und die USA nur noch über den Gläubiger "Zentralbank" neu verschulden. Die Chinesen leihen netto mittlerweile den USA kein Geld mehr und die FED pumpt daher Geld in Geschäftsbanken, die im Gegenzug die Anleihen zeichnen. Das muss unweigerlich zur Hyperinflation führen - sonst hätte man ja das Perpetum Mobile des Geldwesens gefunden. Man wird versuchen, mit Inflation aus der Schuldenfalle zu kommen und gleichzeitig dank geschönter Inflationszahlen ("hedonische Berechnung" etc) die Löhne unten zu halten. So leicht wird das aber nicht werden; mE sind Zahlungsausfälle der Staaten im Westen und Bankenkrachs nur nuch eine Frage weniger Jahre.
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#1 Gast 2010-08-12 09:39
Das Szenario eines zweistelligen Zinssatzes wie in den frühen 80ern ist nicht nur unwahrscheinlich, sondern auch komplett unrealistisch. Würden die Leitzinsen derartig stark angehoben, dann könnten diverse Schuldner ihre Zinsverpflichtungen nicht mehr bedienen. Die Folge wären diverse Bankrotte. Zu diesen Schuldnern zählen fast alle westlichen Staaten. Insbesondere die USA.
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