«Private Banking lebt von rechtschaffenen Kunden»

Die Konsolidierung auf dem Bankenplatz lasse vergessen, dass sich auch das Asset Management und die Fondsindustrie änderten, sagt Alfonso Papa von ING AM.

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Alfonso Papa ist CEO von ING Investment Management Schweiz

Herr Papa, mehrere Ableger ausländischer Finanzkonzerne ziehen sich aus der Schweiz zurück. Ist ING Investment Management (ING AM) der nächste Fall?

Nein. Als ich 2008 die Möglichkeit erhielt, für ING Investment Management eine Schweizer Vertretung aufzubauen, war allen Beteiligten klar – es wird ein langfristiges und anspruchsvolles Projekt. Inzwischen kennt unser Team die Marktstrukturen, ist mit den lokalen Gegebenheiten bestens vertraut und stellt einen Kundenservice sicher, der Schweizer Qualitätsansprüchen gerecht wird. Sich aus der Schweiz zurückzuziehen, würde gegen unsere Grundprinzipien und unsere Überzeugung verstossen.

Inwiefern spüren Sie die Konsolidierung in der Branche?

Die Konsolidierung auf dem Bankenplatz lässt schnell vergessen, dass sich auch das Asset Management und die Fondsindustrie ändern. Der Kostendruck, die hohe Risikoaversion der Anleger und die vorherrschende Unsicherheiten an den Kapitalmärkten, aber auch das sich verändernde regulatorische Umfeld bringen tiefgreifende Konsequenzen für die Branche mit sich.


«Manche Asset Manager haben sich von ihren Stärken entfernt»


Asset Manager müssen effizienter werden, sprich ihre Prozesse schlank und transparent halten. Gleichzeitig ist Effizienz gefragt und Konzentration auf die Kernkompetenzen. Oftmals haben Asset Manager zu viele Anlagestrategien und Produkte entwickelt und sich von ihren Stärken entfernt. Die Konsolidierung findet innerhalb der Unternehmen statt, indem das Dienstleistungs- und Produktangebot grundlegend überdacht wird.

Was genau macht ING Investment Management in der Schweiz?

Als Vertreter unserer Anlagefonds erfüllen wir die regulatorischen Pflichten und bieten unseren Vertriebspartnern und Kunden lokale Informationsdienstleistungen an. Gemessen am Marktanteil von unter 1 Prozent am Schweizer Fondsmarkt mögen wir ein verhältnismässig kleiner Anbieter sein. Unsere Kapazitäten entsprechen aber globalen Asset Managern.

Unsere Kooperationen mit den grössten Banken und Vermögensverwaltern in der Schweiz üben auch internationalen Einfluss aus. Wir unterschätzen aber nicht die Bedeutung der mittelständigen und kleineren Institute, die oft flexibel und direkt auf Kundenbedürfnisse eingehen können.


«Wir sind auch in Spezialthemen führend»


Wir führen jährlich an die 200 Manager-Interviews durch. Dabei setzen wir uns mit Analysten und Vertriebsverantwortlichen unserer Partner sowie mit Portfolio-Managern unserer institutionellen Investoren zusammen und diskutieren jüngste Ereignisse, getroffene Massnahmen und wichtige Portfolio-Positionierungen.

Zur Hauptsache vertreiben wir unsere Anlagefonds in den Anlageklassen dividendenträchtige Aktien, Anleihen aus Schwellenländern sowie Unternehmensanleihen – insbesondere im Non-Investment-Grade. Wir sind aber auch in Spezialthemen wie Alternative Beta oder Senior Loans führend.

An den Finanzmärkten herrscht Lethargie und Verunsicherung. Gibt es noch innovative Anlageideen?

Ja. Nehmen wir das Beispiel der festverzinslichen Anlageklassen. Der rasante Wandel der Bonitätsbeurteilungen (Ratings) und die strukturellen Ungleichgewichte in den Portfolios der Anleger führen letztlich zu Opportunitäten. So werden Qualitäten der Schwellenländer und der ansässigen Unternehmen nach wie vor unterschätzt.


«Die Fragen sind kritisch»


Zugegeben, nicht jeder Investor kann in beliebigem Ausmass an Anleihenmärkten für Emerging Market Debt teilnehmen. Manche Investoren werden auf Grund der Marktgrösse auch ihre Mühe haben, für sie signifikante Allokationen zu sprechen. Nach wie vor sind aber viele Investoren immer noch zu stark untergewichtet.

Das Bedürfnis nach kostengünstigen und attraktiven Anlagestrategien sowie die Risikoaversion vieler Investoren sind ein durchaus fruchtbarer Nährboden für Innovationen.

Der Schweizer Finanzplatz steht derzeit extrem unter Beschuss und verliert an Reputation. Führt das zu kritischen Fragen aus Ihrer Konzernzentrale in Holland?

Jeden Tag. Die Fragen sind kritisch, aber nicht negativ. Unser Unternehmen schätzt und versteht die Qualitäten der Schweizer Finanzindustrie. Diese steht nach wie vor für operationelle Effizient, einen hohen Grad an internationaler Verflechtung, professionelle Dienstleistungen und Stabilität.


«Die offene Architektur muss gezielter ausgerichtet werden»


Wir wollen verstehen, wie es unseren Kunden und Partnern ergeht und welche Dienstleistungen wir im Asset Management an vorderster Front stellen müssen. Lassen Sie mich betonen, die Reputation der Schweiz ist in bei unserem Unternehmen in Holland sehr gut.

Wie wird sich der Schweizer Finanzplatz auffangen können?

Durch Besinnung auf die Qualität und Stabilität unserer Dienstleistungen. Wichtig ist, den Ausbildungsstandard weiter hoch zu halten und gleichzeitig in der Praxis auf den Wandel zu reagieren. Ein Beispiel aus der Fondswelt zeigt, dass die offene Fondsarchitektur nicht etwa der Vergangenheit angehört, wie einige behaupten wollen. Sie muss ich einfach viel gezielter auf den Anleger ausrichten.


«Lassen Sie einmal den politischen Streit beiseite»


Die Auswahl der Produkte wird viel konzentrierter werden. Die Aufgaben der Fondsanalysten und der Vertriebseinheiten richten sich stärker auf die Beratung aus. Mehrwert wird für den Kunden nur dann geschaffen, wenn auf seine Bedürfnisse abgestimmte Produkte und Dienstleistungen angeboten werden.

Das fängt bei der Auswahl der Anlagestrategien an, verlangt aber nach Transparenz und Kosteneffizienz. Wir vergessen immer wieder, welche Qualitäten unser Bankensystem und unser Finanzplatz bieten. Lassen Sie mal den politischen Streit über Steuern und Steuersünder bei Seite. Das Schweizer Private Banking lebt von rechtschaffenen Kunden, welche Professionalität, Qualität und Kosteneffizienz wollen. Auf diese Werte müssen wir setzen.

Was sind Ihre nächsten Ziele mit ING AM in der Schweiz?

Wir wollen unsere Partnerschaften in der Schweiz weiter vertiefen. Das ist unser oberstes Ziel. Ausserdem wollen wir unsere Marktpräsenz weiter steigern und insbesondere auch das Vertrauen der lokalen Vorsorgeinstitute auf breiter Basis gewinnen. In der Vertriebstätigkeit wollen wir die Geschäftsmodelle unserer Partner weiter unterstützen und die höchsten Qualitätszeugnisse erlangen.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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