Swiss Life: Der Milliardenmann geht

Martin Signer

Der Bauherr des Immobilienimperiums von Swiss Life verlässt das Unternehmen, wie Recherchen von finews.ch ergeben haben. Offenbar herrschten Meinungsdifferenzen mit dem Anlagechef des Versicherers.

Ein Wohn- und Geschäftshauskomplex in Neuenburg: Wert über eine halbe Milliarde Franken. In St.Gallen eine Immobilie mit Wohnungen und Büros im Wert von 571 Millionen Franken. In Frankfurt eine Geschäftsliegenschaft, in Dortmund das Traditionsgebäude «Hansakontor», in München der 54 Meter hohe Hotelturm «White Tower» – die Swiss Life im Immobilienkaufrausch?

Angesichts des Tempos, das die Swiss Life vorlegt, könnte man es meinen: In der Schweiz ist der Wert des Immobilienportfolios seit 2014 um knapp 10 Milliarden auf 24,2 Milliarden Franken explodiert.

Martin Signer: Beruflich neu orientieren

Der Wert des gesamten Imperiums – darin ist auch die Verwaltung für Dritte enthalten – liegt bei deutlich über 60 Milliarden Franken – und dank des einträglichen Immobilienfondsgeschäfts boomt die Sparte Asset Management.

Martin Signer, der Bauherr des Imperiums hat nun aber Swiss Life verlassen, wie das Unternehmen Recherchen von finews.ch bestätigte.

Schlüsselfigur im Anlagegeschäft

Signer orientiere sich beruflich neu und übergebe die operative Leitung für das Immobiliengeschäft Schweiz an Swiss Life Asset Managers. Bis Ende 2016 werde er noch als Berater und für Spezialaufgaben für Swiss Life Asset Managers tätig sein, so ein Sprecher des Unternehmens weiter.

Signers Abgang ist ein herber Verlust, denn er war als Chef von Swiss Life Property Management nicht nur ein langjähriges Kadermitglied, er war auch eine Schlüsselfigur im wichtigen Anlagegeschäft des Versicherers.

Immobilien wegen Anlagenotstand

Swiss Life Asset Managers ist ein zunehmend ernst zu nehmender Vermögensverwalter. Insbesondere die Verwaltung von Immobilienvermögen – auch für Dritte – ist in den letzten Jahren als Teil einer Diversifikationsstrategie zunehmend forciert worden.

Denn die Swiss Life befindet sich in einem Anlagenotstand. Als Lebenversicherer muss das Unternehmen seinen Kunden auf lange Sicht Renditen garantieren können, was mit herkömmlichen Anlagen in Aktien und Obligationen sehr schwierig geworden ist. Immobilien sind anders: Ihre Renditen lassen sich über Mieterträge einigermassen steuern.

Preis spielt keine Rolle

Der Kaufpreis spielt nur eine sekundäre Rolle. Die Swiss Life verfügt – auch wegen regulatorischer Vorgaben – über eine äusserst solide Kapitalausstattung und muss diese gewinnbringend anlegen.

Signer war bei der Swiss Life der Mann an der Front. Er war für die Auswahl der Kaufobjekte verantwortlich und führte die Akquisitionen durch. In der Schweiz stellte sich Signer auch vor Fernsehkameras, wenn es darum ging, Mietpreiserhöhungen, wie jene des Manor-Gebäudes an der Bahnhofstrasse, zu rechtfertigen.

Anlagechef Stefan Mächler als Treiber

Die eigentlichen Lenker der Immobilienstrategie bei Swiss Life sind jedoch CEO Patrick Frost und Chief Investment Officer Stefan Mächler. Der 56-jährige Mächler war 2014 in die Fussstapfen von Frost getreten, als Frost vom Anlage- zum Konzernchef der Swiss Life aufstieg.

Mächler, ehemaliger Credit-Suisse-Banker und Chef der Privatbank Rüd, Blass & Cie. ist ein Immobilienprofi. Er war an der Gründung des Immobilienunternehmens Swiss Prime Site (SPS) beteiligt und jahrelang dessen Verwaltungsratspräsident.

Swiss Life bietet oft am meisten

Swiss-Life-intern gilt Mächler als «offensiv»: Der Anlagechef gab die Anordnung für die Einkaufstournee der Swiss Life im Schweizer Immobilienmarkt und Signer führte sie aus – und bezahlte regelmässig Höchstpreise. In Branchenkreisen hiess es oft, wenn die Swiss Life um ein Objekt mitbiete, sei die Sache bereits gelaufen.

Unter Mächler hat die Swiss Life das Schweizer Immobilienportfolio um rund 10 Milliarden Franken aufgestockt.

Auch unter verschlechterten Marktbedingungen zugekauft

Gekauft hat die Swiss Life auch, als in den Städten die Leerstandsquoten in Bürogebäuden stiegen und die Mieten tendenziell sanken. In Genf beispielsweise kaufte die Swiss Life unter Signer das UBS-Hauptgebäude für den Rekordpreis von 535 Millionen Franken – während die Rhonestadt als Private-Banking-Standort und im Zuge der Frankenstärke laufend an Attraktivität verliert.

Dem Vernehmen nach war es insbesondere Signer, der seinen Anlagechef Mächler zu mehr Vorsicht und einer zurückhaltenderen Kaufpolitik angehalten haben soll. Offenbar vergeblich: Noch im Juli meldete die Swiss Life den Kauf einer Liegenschaft im Wert von 588 Millionen Franken. Es war Signers letzter Deal.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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