Nachfolge: Nur zwei Prozent der reichen Unternehmerfamilien sind gut vorbereitet

Die Weitergabe des Vermögens an die nächste Generation beschäftigt die reichsten Familien der Welt weiterhin stark. Doch zwischen dem Bewusstsein für die Bedeutung der Nachfolge und der tatsächlichen Vorbereitung klafft eine erhebliche Lücke.

Gemäss dem am Dienstag veröffentlichten «Family Barometer 2026» von Julius Bär sind lediglich 2,3 Prozent der befragten sehr vermögenden Unternehmerfamilien umfassend auf einen Unternehmensverkauf oder eine Übergabe vorbereitet. Weitere 29,5 Prozent gelten als überhaupt nicht vorbereitet, während 56,3 Prozent lediglich teilweise vorgesorgt haben.

Der Family Barometer erscheint zum sechsten Mal, erstmals in Zusammenarbeit mit Ernst & Young (EY). Die Studie basiert laut Mitteilung auf Daten aus einer Umfrage unter mehr als 700 Finanzfachpersonen, darunter vorab Expertinnen und Experten von Julius Bär und EY sowie unabhängige externe Fachleute. Bei der Ausgabe vor einem Jahr arbeitete die Bank noch mit PwC, dabei waren noch rund 2'500 interne und externe Experten befragt worden.

Familienstreit als grösstes Hindernis

Die wichtigste Hürde für einen Verkauf ist demnach nicht die Finanzierung oder eine fehlende rechtliche Struktur. Vielmehr nennen 80 Prozent der Befragten mangelnde Einigkeit innerhalb der Familie als Hindernis für eine erfolgreiche Vorbereitung der Unternehmensnachfolge. Steuerliche Überlegungen folgen mit 55,4 Prozent.

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Wenn es konkret um einen Verkauf geht, spielt zudem die emotionale Bindung an das Unternehmen eine entscheidende Rolle. Für 60,6 Prozent ist sie die häufigste Ursache unterschiedlicher Vorstellungen innerhalb der Familie. Hinzu kommen abweichende Erwartungen hinsichtlich der Unternehmensbewertung und der künftigen Ausrichtung.

Nur wenige Nachfolger ausreichend vorbereitet

Probleme zeigen sich auch bei der Einbindung der nächsten Generation. Lediglich 22,6 Prozent der potenziellen Nachfolger gelten laut der Untersuchung als bereit und ausreichend qualifiziert, um das Familienunternehmen zu übernehmen.

Zwar beziehen 45,6 Prozent der Familien die nächste Generation in Überlegungen zu einem möglichen Verkauf ein, allerdings ohne ihr ein Mitspracherecht bei der Entscheidung einzuräumen. Nur 18,5 Prozent beteiligen die Nachfolger aktiv und gleichberechtigt an den entsprechenden Diskussionen.

Damit wird deutlich, dass die Übergabe eines Unternehmens nicht allein eine finanzielle oder steuerliche Frage ist. Ebenso wichtig sind die familiären Entscheidungsstrukturen und die Vorbereitung der künftigen Eigentümer.

Nach dem Verkauf steht der Vermögenserhalt im Mittelpunkt

Auch nach einem erfolgreichen Unternehmensverkauf bleibt die Vermögensplanung eine Herausforderung. Für 79,4 Prozent der befragten Familien hat der Erhalt des gemeinsamen Familienvermögens oberste Priorität. Dazu gibt es diverse Instrumente, wie die Grafik zeigt.

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Damit verbunden ist häufig ein grundlegender Wechsel: Aus einem Vermögen, das bislang hauptsächlich in einem operativen Unternehmen gebunden war, entsteht ein liquides und breiter diversifiziertes Anlagevermögen.

Laut Studie steigt in dieser Phase insbesondere der Bedarf an Beratung in der Vermögens- und Nachfolgeplanung. Als mögliche Lösungen werden unter anderem spezielle Anlagevehikel und Single Family Offices in Betracht gezogen.

Dabei zeigen sich regionale Unterschiede. In Europa und Lateinamerika steht vor allem der Vermögenserhalt im Vordergrund. Familien in Asien und im Nahen Osten gewichten das langfristige Kapitalwachstum und die weitere Vermögensentwicklung stärker.

Von Private Markets zur geografischen Diversifikation

Bereits im «Family Barometer 2025» hatte Julius Bär die Nachfolgeplanung und den langfristigen Vermögenserhalt als zentrale Themen identifiziert.

Damals standen insbesondere Investitionen in Immobilien und Private Markets, grenzüberschreitende Steuerfragen sowie der zunehmende Einsatz von Family Offices im Vordergrund.

Die diesjährige Untersuchung setzt einen anderen Schwerpunkt: die konkrete Vorbereitung auf einen Unternehmensverkauf und die anschliessende Vermögensverwaltung.

Als wichtigste Anlagepriorität wird 2026 die geografische Diversifikation genannt, noch vor dem Schutz vor Inflation und Immobilienanlagen. Gleichzeitig bleiben Nachfolgeplanung und die Schaffung eines langfristigen familiären Vermächtnisses die übergeordneten Anliegen.