PK: Deutschschweizer wollen das Kapital – Romands die Rente

Der Trend in der 2. Säule ist klar: Die Versicherten beziehen ihr Altersguthaben bei der Pensionierung vermehrt als Kapital. Wie die Schweizer Pensionskassenstudie 2026 zeigt, übertrafen die Auszahlungen in Kapitalform im vergangenen Jahr erstmals die Summe der Rentenleistungen. 

Die wachsende Beliebtheit dieser Wahlmöglichkeit ist belegt – unter anderem durch die Neurentenstatistik des Bundesamts für Statistik (BFS). Allerdings wurden die zunehmenden Kapitalbezüge bislang stets als schweizweites Phänomen betrachtet. Der Blick auf die regionale Verteilung der Leistungsbezüge zeigt laut Mitteilung von Swisscanto vom Mittwoch «jedoch ein unerwartet heterogenes Bild.»

Eine neue Spezialauswertung liefert Hinweise auf die Gründe – und zeigt, dass Steuern eine deutlich grössere Rolle spielen als bislang sichtbar war. Die Regionalanalyse basiert auf Daten von 523 Pensionskassen, davon 428 aus der Deutschschweiz und 95 aus der französischen Schweiz. 

Der neue Röstigraben

Kapital oder lebenslange Rente? Diese Frage beantworten Deutschschweizer und Westschweizer offensichtlich sehr unterschiedlich. In der Deutschschweiz beziehen 45 Prozent der Neurentnerinnen und Neurentner ihr Pensionskassenguthaben vollständig als Kapital. In der französischsprachigen Schweiz sind es lediglich 29 Prozent.

Bei der klassischen Rente dreht sich das Bild: In der Westschweiz entscheiden sich 40 Prozent dafür, in der Deutschschweiz «nur» 33 Prozent. Auch die Kombination aus Kapital und Rente ist in der Romandie mit 31 Prozent deutlich verbreiteter als in der Deutschschweiz mit 22 Prozent. 

Steuern machen einen überraschend grossen Unterschied

Eine mögliche Erklärung liefern die unterschiedlichen Umwandlungssätze. Diese sind laut Swisscanto in der Westschweiz im Schnitt deutlich höher und machen damit die Rente attraktiver. Noch deutlicher fällt allerdings der Unterschied bei den Steuern aus. In der Deutschschweiz sind steuerliche Überlegungen für 31 Prozent ein Argument für den Kapitalbezug. In der Westschweiz gilt dies laut der Umfrage offenbar nur für 8 Prozent.

Besonders in steuergünstigen Deutschschweizer Kantonen und bei hohen Altersguthaben beeinflussen die steuerlichen Vorteile eines Kapitalbezugs die Entscheidung, heisst es dazu.

Frühere Umfrage zeigte andere Hauptmotive

Damit erhält eine frühere Untersuchung von Swisscanto eine neue Facette. Im Frühjahr wurden nicht die Pensionskassen, sondern 1'014 Versicherte selbst nach ihren Motiven gefragt. 

Dabei zeigte sich zunächst ein anderes Bild: 43 Prozent nannten grössere finanzielle Flexibilität als Grund für einen Kapitalbezug. Je 36 Prozent wollten ihr Geld selbst anlegen beziehungsweise besser vererben können. Steuerliche Gründe folgten mit 25 Prozent erst dahinter. 

Lediglich 17 Prozent gaben damals laut Swisscanto einen tiefen Umwandlungssatz als Grund für den Kapitalbezug an. Bereits in der Pensionskassenstudie 2025 hatte die ZKB-Tochter keinen signifikanten Zusammenhang zwischen tiefen Umwandlungssätzen und höheren Kapitalbezugsquoten festgestellt. 

Sehr viele kennen ihren Umwandlungssatz gar nicht

Eine mögliche Erklärung liefert die jüngste Befragung: In der Westschweiz kennen 79 Prozent die Höhe ihres Umwandlungssatzes nicht, in der Deutschschweiz sind es offenbar immer noch 64 Prozent. Selbst bei den 60- bis 69-Jährigen, die sich aufgrund der anstehenden Pensionierung wohl aktiver mit der Thematik auseinandersetzen, ist nur etwas mehr als die Hälfte über den Umwandlungssatz informiert.

Gleichzeitig sind sich die meisten der Risiken eines Kapitalbezugs durchaus bewusst. 82 Prozent wissen, dass die eigenständige Verwaltung des Vorsorgevermögens Finanzwissen voraussetzt. Rund drei Viertel kennen sowohl das Kapitalmarkt- als auch das Langlebigkeitsrisiko. 

Die Gründe für die Rente

Für die Finanzbranche ist der Trend relevant. Wer sein Pensionskassenguthaben als Kapital bezieht, muss dieses anschliessend selbst verwalten oder verwalten lassen. Bereits in der Versichertenbefragung sagten 36 Prozent der Kapitalbezüger, dass die Möglichkeit, das Geld selbst anzulegen, ein Motiv für ihre Entscheidung sei. 

Umgekehrt entscheiden sich viele für die Rente, gerade weil sie sich im Alter nicht mit Geldanlagen beschäftigen möchten (42 Prozent) oder über zu wenig Finanzwissen verfügen (20 Prozent).

Gleichzeitig überschätzen viele offenbar die Kosten der Pensionskassen: 55 Prozent glauben, dass deren Vermögensverwaltung pro Kopf teurer sei als eine eigene Geldanlage. Swisscanto hält dem entgegen, dass Pensionskassen aufgrund ihrer Grösse und standardisierten Prozesse in der Regel kostengünstiger investieren können.

Ganz andere Kompetenz

Grosse regionale Unterschiede zeigen sich auch beim Vertrauen in die eigene Anlegekompetenz. In der Deutschschweiz schätzen die Kapitalbezüger ihre Fähigkeiten deutlich höher ein. So glauben 21 Prozent der Personen über 50 Jahren mit geplantem oder bereits getätigtem Kapitalbezug, eine höhere Rendite als die eigene Pensionskasse erzielen zu können.

In der Westschweiz trauen sich dies hingegen nur 5 Prozent zu.