Stefan Walter widmet sich der Vermögensverwaltung und setzt neuen Akzent
Der Direktor der Finma begründet, weshalb sich die Aufsicht intensiv mit dem Vermögensverwaltungsgeschäft beschäftigt und erklärt, welchen Ansatz sie dabei verfolgt. Auffällig ist, dass Stefan Walter die Bedeutung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz gleich mehrfach betont.
Das Verhältnis der Aufsicht zu den Beaufsichtigen kann, wenn beide Seiten ihre eigenen Interessen vertreten, naturgemäss nie ganz spannungsfrei sein. Das trifft auch auf die Finma und ihre Beziehung zu den Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltern zu.
Entsprechend gespannt durfte man auf die Ausführungen von Finma-Direktor Stefan Walter sein, der am Donnerstag im Centro Studi Villa Negroni in Vezia (nahe Lugano) ein Referat vor Vertretern des Tessiner Finanzplatzes hielt. Walter erwies diesem Reverenz, indem er gleich eingangs die grosse Bedeutung des Geschäfts mit der Verwaltung in- und ausländischer Vermögen für den Schweizer Finanzplatz und insbesondere den Standort Lugano hervorhob.
Die Risiken fest im Blick
Dann widmete er sich der Frage, weshalb sich die Finma «intensiv mit der Vermögensverwaltung beschäftigt» und welchen Ansatz sie dabei verfolgt – und servierte zuerst einige Zahlen.
«Uns interessiert nicht allein, unter welcher Bewilligungskategorie eine Tätigkeit ausgeübt wird. Uns interessiert, welche Tätigkeit ausgeübt wird und welche Risiken damit verbunden sind. Deshalb erheben wir seit zwei Jahren branchenübergreifend Daten zur Vermögensverwaltung.» Die hierzulande betreuten Vermögensverwaltungsmandate bzw. verwalteten Fondsvermögen hielten sich ungefähr die Waage und beliefen sich insgesamt auf 4'222 Milliarden Franken.
«Wollen das Geschäft nicht erschweren»
Mit Blick auf die Lizenzkategorie betreuten Verwalter von Kollektivvermögen mit 38 Prozent den grössten Anteil dieser Vermögen, gefolgt von den Banken und Wertpapierhäuser mit 32 Prozent. Bei diesen dominiert gemäss Walter mit zwei Dritteln das individuelle Mandatsgeschäft.
Die Aufsichtsbehörde schaue genau hin, «nicht weil wir dieses Geschäft erschweren wollen – im Gegenteil: Weil seine Bedeutung für Kundinnen und Kunden sowie für den Schweizer Finanzplatz entsprechend gross ist.» Damit gingen auch erhebliche Risiken einher, insbesondere der Verlust von Kundengeldern und ein möglicher Reputationsschaden für die gesamte Branche, gab Walter zu bedenken.
«Grosse Chance für den Finanzplatz»
Doch der Finma-Direktor sprach diesmal nicht nur von Risiken, sondern auch von Chancen für den Finanzplatz Schweiz, nicht zuletzt angesichts des unsicheren internationalen Umfelds. «Für den Finanzplatz Schweiz ist dies eine grosse Chance. Das Schweizer Gütesiegel im globalen Wettbewerb ist die Stabilität der Politik, Wirtschaft und Währung», sagte Walter und klang damit schon beinahe wie ein Vertreter der Schweizerischen Bankiervereinigung. Er betonte allerdings auch die Bedeutung der «prinzipienbasierte Regulierung, der risikobasierten und wirksamen Finanzmarktaufsicht sowie einer proportionale Umsetzung der Aufsicht».
«Diese Stärken bilden das Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz», hielt Walter fest. Für den guten Ruf des Finanzplatzes sei es aber auch wichtig, «hohe Standards bei der Umsetzung nationaler und internationaler Sanktionsvorschriften, bei der wirksamen Bekämpfung der Geldwäscherei und beim Anlegerschutz» zu erfüllen.
Mehr Fälle: «Es wäre falsch, daraus ein Urteil über die Branche zu fällen»
In der Folge widmete sich Walter der Thematik des Kundenschutzes und erinnerte an die Aufsichtsmitteilung zu Risiken beim Einsatz von Produkten in der individuellen Vermögensverwaltung, welche die Finma im Juni publiziert hatte. Hintergrund ist der, dass die Zahl der von der Finma eröffneten Aufsichtsfälle (die von den Aufsichtsorganisationen der Vermögensverwalter oder von anderen Quellen an die Finma eskaliert wurden) deutlich gestiegen ist. 2023 waren es 7 Aufsichtsfälle, zwei Jahre später bereits 60. «Es wäre falsch, daraus ein generelles Urteil über eine ganze Branche abzuleiten», nahm Walter die Vermögensverwalter in Schutz, um gleich auf «wichtige wiederkehrende Risikomuster» hinzuweisen.
Ein Beispiel dafür ist der Einsatz komplexer, risikoreicher oder illiquider Produkte in Kundenportfolios, ohne dass ihre Eignung ausreichend geprüft wurde, oder eine mangelhafte Berücksichtigung der Risikofähigkeit und Risikobereitschaft der Kunden.
«Die entscheidende Frage lautet: Passt das Produkt zur Kundin oder zum Kunden? Das ist der Kern der Eignungsprüfung», hielt Walter fest.
«Nicht überall mehr Aufsicht»
Ein zweites Muster betreffe Interessenkonflikte und sei für Banken besonders relevant, weil diese gleichzeitig als Vermögensverwalter, Produktanbieter, Vertriebsträger oder Depotbank fungierten.
Und wie reagiert die Finma auf diese (und weitere) Risiken im Vermögensverwaltungsgeschäft? «Unsere Antwort lautet nicht: überall mehr Aufsicht», versicherte Walter und verwies erneut auf den «risikobasierten und proportionalen Ansatz».
«Prävention macht weitere Aufsichtsmassnahmen überflüssig»
Entscheidend sei es zudem, Probleme möglichst früh erkennen. Das beginne bereits bei der Bewilligung der Vermögensverwalter. In der laufenden Aufsicht setze die Finma auf Datenanalysen und Frühwarnindikatoren, auf Aufsichtsgespräche, Deep Dives und Vor-Ort-Kontrollen.
Walters Credo: «Indem wir wiederkehrende Muster erkennen, wollen wir diese Erkenntnisse transparent machen, damit Institute ihre eigenen Geschäftsmodelle und Kontrollen kritisch überprüfen können und somit präventive Massnahmen ergreifen können, so dass weitere Aufsichtsmassnahmen überflüssig werden».
«Wettbewerbsfähiger und zukunftsfähiger Finanzplatz»
Ein effektives Risikomanagement und eine wirksame Aufsicht hälfen gleichermassen, Kunden und Anleger zu schützen und stärkten die Funktionsfähigkeit und Integrität des Finanzmarktes. «Dies wiederum trägt zu einem wettbewerbsfähigen und zukunftsfähigen Finanzplatz Schweiz bei.»
Ist es nur ein Bauchgefühl, dass der Finma-Direktor der Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes in seinem Referat diesmal deutlich mehr Bedeutung zugemessen hat als bei seinen früheren Auftritten?
Finma-Direktor Stefan Walter nutzt einen Auftritt im Tessin dazu, altbekannte Botschaften mit einem neuen Akzent zu platzieren. (Bild: zVg)
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