Schweizer Vermögende wollen KI, aber keinen Roboter als Anlageberater
Laut dem neuen «Avaloq Wealth Insights 2026 Report» bevorzugen 48 Prozent der befragten vermögenden Schweizer Anleger eine Kombination aus KI-Unterstützung und persönlicher Beratung. Lediglich 14 Prozent können sich eine vollständig automatisierte Anlageberatung vorstellen. Weitere 39 Prozent möchten bei der Beratung ganz auf KI verzichten.
Etwas grösser ist die Offenheit bei der Portfolioanalyse. Hier bevorzugen 49 Prozent die Kombination aus künstlicher Intelligenz und menschlicher Beratung, während 21 Prozent auch einer vollständig automatisierten Auswertung vertrauen würden.
Datenschutz als grösste Hürde
Insgesamt fühlen sich 45 Prozent der Schweizer Anleger wohl oder sehr wohl, wenn ihre Bank oder ihr Vermögensverwalter KI einsetzt. Die grössten Vorbehalte betreffen persönliche Daten. Für 31 Prozent ist der Datenschutz der wichtigste Grund für ihre Zurückhaltung. Weitere 26 Prozent zweifeln an der Genauigkeit der KI-Ergebnisse, während 16 Prozent die mangelnde Nachvollziehbarkeit automatisierter Entscheidungen kritisieren.
Damit zeigt sich ein Spannungsfeld: Viele Kunden begrüssen die Möglichkeiten neuer Technologien, wollen die Kontrolle über wichtige Finanzentscheidungen aber nicht vollständig an Maschinen abgeben.
Vermögensverwalter sehen sich gut vorbereitet
Auf der Anbieterseite fällt die Einschätzung deutlich optimistischer aus. 85 Prozent der befragten Schweizer Fachkräfte fühlen sich im Umgang mit KI-gestützten Anwendungen sicher. 83 Prozent erwarten, dass die Technologie innerhalb der nächsten zwei Jahre zu einem festen Bestandteil ihrer Arbeit wird.
Ebenso viele wie beim Sicherheitsgefühl, nämlich 85 Prozent, rechnen damit, dass KI eine stärker personalisierte Kundenbetreuung ermöglicht. Das grösste Potenzial sehen sie bei der Automatisierung administrativer Aufgaben, der Berichterstellung und der Aufbereitung von Informationen.
Zwei Drittel beklagen zu langsame Digitalisierung
Zwischen den Erwartungen und der technischen Realität besteht allerdings eine erhebliche Lücke. So erklären 65 Prozent der befragten Schweizer Wealth-Management-Fachkräfte, dass ihre Organisation bei der digitalen Transformation nicht schnell genug vorankomme. Noch grösser ist mit 68 Prozent der Anteil jener, die organisatorische Hindernisse als Bremse nennen. Das ist laut Avaloq der höchste Wert unter allen 21 untersuchten Märkten.
Hinzu kommt eine komplexe IT-Landschaft. Fast die Hälfte der Schweizer Fachkräfte arbeitet mit sieben oder mehr Systemen. Für 63 Prozent stellt der administrative Aufwand ein erhebliches Hindernis dar, um mehr Zeit für ihre Kunden aufzuwenden. 55 Prozent beklagen eine unzureichende Automatisierung.
«Kunden verfolgen beim Einsatz von KI einen pragmatischen Ansatz», sagt Christian Haux, Managing Director Schweiz und Liechtenstein bei Avaloq. Gleichzeitig müssten vielerorts erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, insbesondere bei der Systemlandschaft und der Datenbasis.
Anleger entscheiden zunehmend selbst
Die Untersuchung zeigt zudem eine Veränderung im Kundenverhalten. Inzwischen treffen 57 Prozent der befragten Schweizer Anleger ihre Anlageentscheidungen selbst. Im Vorjahr waren es erst 49 Prozent. Entsprechend sank der Anteil derjenigen mit einem Beratungsmandat von 51 auf 43 Prozent.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass vermögende Kunden zunehmend selbstständig agieren, ohne deshalb auf persönliche Beratung in komplexeren Situationen verzichten zu wollen.
Kryptowährungen gewinnen weiter an Bedeutung
Auch bei digitalen Vermögenswerten zeigt sich eine wachsende Offenheit. Bereits 42 Prozent der befragten Schweizer Anleger haben Kryptowährungen oder andere digitale Vermögenswerte im Portfolio. Im Vorjahr waren es 37 Prozent, 2024 erst 27 Prozent.
Kryptobörsen bleiben mit einem Nutzungsanteil von 87 Prozent der wichtigste Zugangskanal. Allerdings gewinnen klassische Finanzinstitute leicht an Boden: 32 Prozent der Anleger mit digitalen Vermögenswerten investieren inzwischen über eine Bank oder einen Vermögensverwalter, nach 27 Prozent im Vorjahr.
Gleichzeitig offenbart sich eine weitere Wissenslücke. Obwohl 83 Prozent der befragten Schweizer Fachkräfte eine steigende Kundennachfrage nach Kryptowährungen beobachten, fühlen sich lediglich 45 Prozent ausreichend informiert, um ihre Kunden dazu beraten zu können.
Studie mit 400 Schweizer Anlegern
Für den «Wealth Insights 2026 Report» befragte Avaloq im Februar und März insgesamt 4'256 vermögende Anleger und 480 Fachpersonen aus der Vermögensverwaltung in 21 Märkten. In der Schweiz nahmen 400 Personen mit einem investierbaren Vermögen von mindestens 250'000 US-Dollar sowie 40 Fachkräfte teil.















