Dominik Oggenfuss: «Ein erstes Ziel ist die Milliarde»

Am Dienstag rätselte der Finanzplatz: Die Finma hatte den ersten Schweizer Bitcoin-ETF bewilligt, den Namen des Anbieters aber für sich behalten.

Wie finews richtig vermutet hatte, steckt BIT Asset Management dahinter, die frühere Matrixport Asset Management: Das Unternehmen bestätigt dies am Mittwochmorgen in einer Medienmitteilung.

Die Zürcher Tochter der BIT Group aus Singapur hatte vor zwei Jahren das Asset Management von Crypto Finance übernommen, die 2021 mit dem «Crypto Market Index Fund» bereits den ersten Krypto-Fonds nach Schweizer Recht für qualifizierte Anleger aufgelegt hatte. Nun legt der Pionier nach.

Kurz nach der offiziellen Ankündigung empfängt Dominik Oggenfuss finews in den hellen Büros von BIT in der Zürcher City. Dem CEO ist die Freude über den Coup ebenso anzumerken wie der Tatendrang, das Produkt nun erfolgreich am Markt zu platzieren.


Herr Oggenfuss, wann haben Sie erfahren, dass die Finma Ihren Bitcoin-Fonds genehmigt hat?

Das war am Dienstagvormittag, und zwar über unseren Administrator PvB Pernet von Ballmoos. Er war technisch gesehen auch der Antragsteller.

Also gleichzeitig wie die Öffentlichkeit?

Ja. Das ist Teil des Prozesses. Das war meines Wissens schon beim «Crypto Market Index Fund» vor ziemlich genau fünf Jahren so.

Also gab es gestern eine grosse Feier?

(lacht) Nein, aber wir sind seither sehr aktiv in der Vorbereitung der Kommunikation.

Sie sind ein Pionier: Ihre Vorgänger-Organisation Crypto Finance hat bereits den «Crypto Market Index Fund» im Jahr 2021 lanciert.

Ja, deren Asset-Management-Aktivitäten hat die BIT Group vor zwei Jahren gekauft. Der Rest verblieb bei der Deutschen Börse. Der Transaktion lag die Überzeugung zugrunde, dass die Schweiz und Singapur sehr wichtige Standorte für Werterhaltung sind.

Wie lauten Ihre Erfahrungen nach fünf Jahren mit diesem Fonds, der ausschliesslich Institutionellen offensteht?

Es ist ein Produkt für Investoren, welche für ihr Krypto-Exposure eine Fonds-Struktur unter regulatorischer Aufsicht der Finma bevorzugen. Sie haben damit Zugang zu den zehn grössten Currencies. Also ein guter, diversifizierter Einstieg. Natürlich macht auch dort der Bitcoin den Hauptteil aus. In den letzten zwölf Monaten war es aufgrund der Marktentwicklung natürlich etwas schwieriger. Trotzdem ist der Fonds sehr stabil und generiert Interesse in der Family-Office-Community.

Jetzt zum neuen Fonds: Der ist «Bitcoin only» und auch für Retail-Anleger zugänglich.

Er wird erhältlich sein für jeden, der von seiner Depotbank als «eligible» eingestuft wird und bei der SIX handeln kann. Aus unserer Sicht ist es gleichwohl ein institutionelles Produkt, das den Bitcoin einer breiteren Investorengemeinde zugänglich macht. Wir denken vor allem an Privatbanken, Pensionskassen und Family Offices. Für Portfoliomanager ist es ein kostentransparentes Exposure anhand eines «End-to-End»- und Swiss-Made-Produktes.

Die Finma hat das Produkt in ihrer Medienmitteilung mit mehreren Warnhinweisen versehen.

Das finde ich sehr wichtig und auch sehr gut. Ich habe meine Karriere bei J.P. Morgan angefangen, von wo ich als Hauptcredo die «Fiduciary Duty» mitgenommen habe: «Third-Party-Capital» bedeutet eine unglaubliche Verantwortung. Es geht um die Ersparnisse von Leuten, die das ganze Leben lang gearbeitet haben. Ich finde, diese Philosophie sollte auch im Kryptobereich gelten und begrüsse den Weckruf der Finma, der sich ja auch an alle anderen Anbieter richtet.

«Es geht um die Ersparnisse von Leuten, die das ganze Leben lang gearbeitet haben»

Wie lange war der Bitcoin-ETF «in the making»?

Als ich vor einem Jahr dazustiess, stand er bereits in Grundrissen. Die operationelle Seite von Grund auf aufzubauen, war durchaus eine schwierige Herausforderung. Nun ist ein reiner Bitcoin-ETF zwar nichts Neues – jenseits des Atlantiks gibt es das schon länger. Aber NAV, Handel, «In-Kind-Subscription» … Das muss alles abgesichert sein. Wir haben hier auf bestehenden «Working Relationships» aufgebaut mit der Amina Bank als Custodian und PvB Pernet von Ballmoos als Administrator.

Was ist «In-Kind-Subscription»?

Wenn man Bitcoins bei einer regulierten und «compliant» Plattform hat, kann man eine Bankenbeziehung mit Amina eröffnen, wenn man alle Compliance-Kriterien erfüllt. Danach kann man BTC zu dem Fund Custodian transferieren und bekommt sie als Fondsanteil in sein Portfolio gutgeschrieben. Dafür haben wir im Prinzip auch keine untere Schwelle.

Blackrock war mit seinem Bitcoin-ETF schon vor fast drei Jahren am Start. Was ist der Zweck eines weiteren?

Im heutigen Umfeld ist es für Investoren immer wichtiger zu wissen, wo genau ihre Assets aufbewahrt werden. Die Schweiz spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Ich denke, die regulatorische Aufsicht und Robustheit, mit der die Schweiz die Digital-Asset-Landschaft aufgebaut hat, sind weltweit führend. Wir bieten auf dieser Grundlage ein «fully Swiss made» End-to-End-Produkt. Das ist der Hauptvorteil für Schweizer Anleger wie Privatbanken und Pensionskassen.

Warum sollten Privatbanken und Pensionskassen über Fonds in Krypto investieren?

Der bestehende Fonds fand vor allem bei Family Offices Anklang. Der neue hat meines Erachtens eine Daseinsberechtigung auf dem «Product Shelf» einer Privatbank. Auch Pensionskassen und Dritte-Säule-Sparpläne müssen je länger je mehr Digital Assets anbieten, um attraktiv zu sein für eine jüngere Generation. Ein kleines Exposure hat sich durchaus auch als Stabilisator im Portfolio während der geopolitischen Schocks zu Jahresbeginn erwiesen. Kaum ein CIO kann es sich erlauben, den Kopf in den Sand zu stecken und diese Asset-Klasse nicht anzusehen. Ich sehe uns als Begleiter auf dieser Reise.

«Kaum ein CIO kann es sich erlauben, den Kopf in den Sand zu stecken»

Manche Schweizer Investoren decken Krypto über ETPs ab.

Ja. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich alle Investoren der Tatsache bewusst sind, dass es sich dabei um «Debt Instruments» mit Emittentenrisiko handelt. Der ETF hingegen ist eine Fondsstruktur, in unserem Fall sogar eine schweizerische. Das ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.

Wie sieht das Pricing des ETFs aus?

Mit den internationalen Anbietern sind wir absolut kompetitiv. Das muss man in diesem Markt auch sein, sonst hat man keine Chance.

Laut Finma sind noch Genehmigungsverfahren für ähnliche Produkte pendent. Wie wollen Sie Ihren «First-Mover-Advantage» nutzen?

Die Gründer der BIT Group massen dem Standort Schweiz schon lange eine grosse Bedeutung zu. In der Schweiz die Ersten zu sein, brauchte damals grosse Visionen und Ambitionen. Das gibt jetzt eine hohe Medienpräsenz. An Anlässen in Genf und Zürich werden wir das Produkt unseren Kunden vorstellen und erklären. Natürlich werden wir unter meiner Leitung jetzt gezielte Sales-Aktivitäten entwickeln, Vertrauen aufbauen, erklären und den Kunden im passenden Moment zur Seite stehen. Wir haben zum Glück auch eine grosse Gruppe im Rücken.

Sind auch Verkaufsaktivitäten in Asien geplant?

Für den asiatischen Kunden kann es durchaus von Interesse sein, sobald es regulatorisch und compliancemässig überprüft und zugelassen ist. Den Aufruf der Finma nehmen wir ernst und vertreiben mit der notwendigen Vorsicht: für den richtigen Kunden das richtige Produkt.

BIT Asset Management verwaltet circa 6 Milliarden. Wie viel davon im bestehenden «Crypto Market Index Fund»?

Das ist ein sehr kleiner Teil. Das Produkt lebt vor allem aus dem Netzwerk der Crypto Finance, namentlich bei den Family Offices.

Wie sieht die volumenmässige Ambition beim Bitcoin-ETF aus?

Wir möchten sicher die Milliardengrenze überschreiten. Für jeden CEO, so auch für mich, natürlich lieber heute als morgen. Ich rechne aber schon mit sechs bis neun Monaten. Dabei kommt es natürlich auch auf den Markt an: Wie entwickeln sich die Geopolitik und die Währungen? Ich bin optimistisch, dass es gut anläuft.

«Wir möchten sicher die Milliardengrenze überschreiten»

Wann ist der erste Handelstag bei der SIX?

Wir hoffen gegen Mitte November. Aber dies wird dann entsprechend kommuniziert. Es hängt jetzt noch von der operationellen Umsetzung ab seitens aller involvierten Partner. Alle arbeiten daran.

Und dann gibt es eine Bell-Ringing-Zeremonie?

Ja, auf jeden Fall, und unsere Gründer der BIT Group werden sicherlich dabei sein wollen. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Gruppe und drückt auch unser «Long-Term-Commitment» in der Schweiz aus. Eine separate Kommunikation wird dazu publiziert.


Dominik Oggenfuss ist seit Oktober 2025 CEO von BIT Asset Management in Zürich. Das Unternehmen ist ein von der Finma beaufsichtigter Vermögensverwalter und gehört zur BIT Group aus Singapur. Zuvor war er Partner beim Energy-Transition-Berater Welsbach Holdings. In Singapur hatte er davor leitende Funktionen im Vertrieb und Business Development, unter anderem bei VI Asset Management, Incomlend und EFA Invest. Seine Laufbahn begann der studierte Politikwissenschafter 2003 bei J.P. Morgan in London und Genf. Später betreute er bei der UBS in Singapur Schweizer Family Offices und sehr vermögende Privatkunden (UHNWI).