Kursrutsch: Tech-Bubble lässt etwas Luft ab

Die Tech-Aktien kamen am gestrigen Donnerstag im US-Handel stark unter Druck. Aber auch Standardwerte gaben teilweise deutlich ab. Nach den Ergebnissen der US-Zwischenwahl mit dem Erdrutschsieg der Demokraten geht die Furcht vor den Folgen einer stärkeren Regulierung um. Das betrifft nicht nur AI selbst, sondern auch andere Energie- und Industriebereiche.

Der Nasdaq 100 sackte im Verlauf des gestrigen Handels um 6,36 Prozent auf 26’629,81 Punkte ab. Damit sachte er auf das Niveau von April zurück. Damit verschwanden 2,3 Billionen Dollar an Marktwert.

Erst im Oktober hatte der tech-lastige Index ein Rekordhoch erreicht. Seit Jahresanfang beträgt das Plus noch rund 5,5 Prozent.

Beim marktbreiten S&P 500 betrug das Minus 4,36 Prozent auf 7'353,73 Zähler. Hier war es der grösste Tagesverlust seit April 2025.

Spekulative Bewertungen

Die Analysten warnen nun schon seit einigen Monaten davor, dass sich die Aktienkurse von Unternehmen wie Nvidia, Seagate, Western Digital und Sandisk weit von normalen Bewertungen entfernt hatten. Allein Nvidia verloren gestern 9,3 Prozent. Aber auch die Papiere des Elektroautobauers Tesla gaben um 10,8 Prozent nach und die des Weltraum- und KI-Unternehmens SpaceX um 9,1 Prozent.

Korrektur, aber kein Platzen

Der massive Ausbau der künstlichen Intelligenz steht vor einer Korrektur, lautet die Einschätzung von Brian Levitt, dem Chief Global Market Strategist bei Invesco. Steigende Finanzierungskosten, politische Widerstände gegen neue Rechenzentren und überzogene Investitionserwartungen setzen die Branche unter Druck.

Er sieht darin jedoch kein Platzen der KI-Blase, sondern eine notwendige Bereinigung eines überhitzten Marktes.

Der KI-Investitionsboom bekommt Risse. Nachdem die Aktien vieler Unternehmen aus dem Umfeld künstlicher Intelligenz über Jahre hinweg zu den grössten Gewinnern an den Finanzmärkten gehörten, wächst die Skepsis gegenüber dem enormen Kapitalbedarf für den Ausbau der entsprechenden Infrastruktur. Der Markt sei reif für eine Korrektur gewesen.

Insbesondere die hohen Investitionen in Rechenzentren, Halbleiter und Speichertechnologien werfen zunehmend Fragen auf. Der Aufbau von KI-Infrastruktur erfordert enorme Summen, viel Energie und immer teurere Ausrüstung. Gleichzeitig haben höhere Zinsen im Verlauf des Jahres die Finanzierungskosten nach oben getrieben. Damit steigen die Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte.

Hinzu kommt, dass Unternehmen entlang der Halbleiter-Wertschöpfungskette ihre Kapazitäten massiv ausgebaut haben, um die erwartete Nachfrage nach Rechenleistung bedienen zu können. Doch zwischen langfristig wachsendem Bedarf und kurzfristigem Investitionsvolumen besteht ein entscheidender Unterschied. Aus Sicht von Levitt könnten einzelne Bereiche der Branche bei ihren Kapazitätsplanungen bereits zu weit gegangen sein.

Politischer Widerstand erhöht die Unsicherheit

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die politischen Entwicklungen in den USA. Wahlerfolge demokratischer Kandidaten, die einem weiteren Ausbau von Rechenzentren kritisch gegenüberstehen, könnten Bauprojekte verzögern. Betroffen sind unter anderem wichtige Bundesstaaten wie Texas, Ohio und Georgia. Auch auf lokaler Ebene wachse der Widerstand.

Das könnte den Ausbau der KI-Infrastruktur bremsen. Levitt misst diesem politischen Faktor allerdings eine geringere Bedeutung bei als den bereits zuvor gestiegenen Zinsen und dem gewaltigen Umfang der geplanten Investitionen. Diese beiden Faktoren hätten das Tempo der KI-Ausgaben aus seiner Sicht stärker gefährdet als die Wahlergebnisse.

Korrektur könnte den KI-Markt langfristig stärken

An der langfristigen Einschätzung des KI-Marktes ändert sich für Levitt wenig. Der Bedarf an Rechenleistung dürfte weiter steigen, und künstliche Intelligenz bleibe ein bedeutendes strukturelles Investitionsthema.

Was sich verändern könnte, sei vor allem die Geschwindigkeit des Infrastrukturausbaus. Ein langsameres und disziplinierteres Investitionstempo müsse dabei nicht negativ sein. Vielmehr könnte es dazu beitragen, die Finanzierung, die Profitabilität und die tatsächliche Nachfrage besser in Einklang zu bringen.

Dabei könne es auch zu einer Über-Korrektur kommen, etwa wenn Hedgefonds und andere fremdfinanzierte Investoren Positionen abbauen und es zu einer Kettenreaktion beim Verkaufsdruck kommt. Korrekturen könnten dadurch stärker ausfallen, als es die tatsächlichen Veränderungen der Geschäftsaussichten rechtfertigen würden.