UBS: Vermögensverwalter auf dem Prüfstand

Die UBS hat Vermögensverwalter mit unversteuerten Geldern ausgesiebt. Dennoch sind die verwalteten Vermögen angestiegen. Die Grossbank sieht sich unter den Marktführern.

Die unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz könnten Könige sein. Rund 70 Banken buhlen um sie als Kunden und bieten sich als Depotstelle oder Custodian an. Denn die Finanzintermediaries bringen Kundengelder – geschätzte 600 Milliarden Franken.

Manche von ihnen müssen sich im neuen regulatorischen Umfeld auch als Bettler vorkommen. Denn Banken trennen sich von riskantem Geschäft und von solchem, das ihnen zu wenig Umsatz bringt.

Vom Financial Intermediaries (FIM) Geschäft der UBS hört man, dass die Grossbank sich in den letzten Jahren von über einem Viertel oder rund 600 der bislang betreuten unabhängigen Vermögensverwalter getrennt hat. Karin Oertli (Bild), Leiterin Global FIM bei der UBS, will diese Zahl im Gespräch mit finews.ch nicht bestätigen. Sie stellt aber nicht in Abrede, dass eine Selektion stattgefunden habe.

Das beste Jahr seit der Krise

Vor rund drei Jahren habe die UBS im FIM-Geschäft ihren strategischen Fokus auf grössere Vermögensverwalter gerichtet. «Die Abflüsse, die wir im Zuge der Bereinigung hatten, wurden mehr als kompensiert», sagt sie nun. Die über FIM verwalteten Vermögen bei der UBS seien auf rund 90 Milliarden Franken gestiegen.

Ausserhalb der Schweiz wachse das Geschäft zweistellig, im Inland sei die Dynamik schwächer. «2013», so Oertli, «war das beste Jahr seit der Finanzkrise.

In der Bank, die sich vor allen anderen gezwungen sah, eine Weissgeldstrategie durchzusetzen, setzte relativ früh die Erkenntnis ein, dass auch das Geschäft mit unabhängigen Vermögensverwaltern gemäss der neuen Crossborder-Optik aufgestellt werden muss.

Gefahr im regulatorischen Dickicht

Kleine Vermögensverwalter würden geringe Überlebenschancen haben, sofern sie sich nicht den Anforderungen der neuen Welt des Private Banking anpassten. Die grösseren Vermögensverwalter würden Hilfe und Dienstleistungen benötigen, um im regulatorischen Dickicht nicht verloren zu gehen.

Oertli, seit 2009 die Chefin von UBS Global FIM, leitete vor knapp zwei Jahren in ihrem Geschäftsbereich eine Restrukturierung ein mit dem Ziel, die Dienstleistungen für die unabhängigen Vermögensverwalter und Family Offices vermehrt aus einer Hand anbieten zu können.

Dabei ging es insbesondere auch um Expertise und Hilfestellungen für den regulatorischen Übergang. Oertli wollte für die UBS einen Wettbewerbsvorteil schaffen, in dem sie Vermögensverwaltern einen sicheren Hafen bietet.

Beratungen durch unabhängige Juristen

Dies scheint die richtige Strategie zu sein. Zwar sind die Genfer Privatbanken Lombard Odier und Pictet auch gesuchte Anlaufstellen für unabhängige Vermögensverwalter. Auch weil sie flexibler agieren können als eine Grossbank. Aber zur Credit Suisse oder auch zur Julius Bär hat die UBS einen markanten Vorsprung aufgebaut.

Zum Angebot der UBS für unabhängige Vermögensverwalter gehören regelmässige Schulungsveranstaltungen und Round-table-Gespräche. Und auch juristischer Beistand, der laut Oertli jeweils «auf grosses Echo» stösst. Dabei schickt die UBS nicht ihre eigenen Juristen, sondern stellt dafür unabhängige Berater an. Das spricht sich in der Vermögensverwalterbranche herum, wie der Zuwachs an verwalteten Vermögen zeigt.

Tiefere Margen – weil Retros wegfallen

Mit ihrer Überprüfungs-Systematik, den regelmässigen Assessments und ihren Risikokontrollen signalisiert die UBS den FIM auch, dass die Einhaltung der regulatorischen Standards nur Vorteile bringt. «Für Vermögensverwalter soll es ein Gütesiegel sein, dass er die UBS als Custody-Bank hat», betont Oertli.

Der hohe Dienstleistungsstandard im FIM-Geschäft hat bei der UBS seinen Preis. Die Profitabilität ist gesunken, weil mit grösseren Kunden im Allgemeinen tiefere Margen erzielt werden als mit kleinen.

Zudem nutzt die UBS die unabhängigen Vermögensverwalter nicht mehr als zusätzlichen Vertriebskanal für eigene Produkte. «Der Markt, vor allem in der Schweiz, tendiert hin zu retrofreien Produkten», sagt Oertli. Hier spürten die Vermögensverwalter den Druck ihrer Kunden.

Ständig auf dem Prüfstand

Weiteres Wachstum von Kundengeldern ist darum die Bedingung, um das FIM-Geschäft profitabel zu halten. Mit ihrer Plattform sieht sich die UBS in der Ausgangslage, mit steigenden Vermögen die nötigen Skaleneffekte zu erzielen.

Dies bedeutet aber auch, dass ein unabhängiger Vermögensverwalter als UBS-Kunde ständig auf dem Prüfstand steht. «Die Grösse des Portfolios eines FIM und das Geschäftsvolumen, das er über die UBS bucht, sind ein Kriterium», sagt Oertli. «Genügt dies über einen längeren Zeitraum nicht, wird die Geschäftsbeziehung überprüft.»

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nacktfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

Der Todesstoss fürs Online-Banking

Der Bankkunde von heute nutzt das Internet und Apps. Aber wie lange noch?

Selection

Selection

Banken: Diese Jobs bringen richtig viel Geld

In welchen Abteilungen am meisten kassiert wird.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News