Vontobel und sechs grosse Fragezeichen

Die Zürcher Privatbank zeichnet sich auch im ersten Halbjahr 2014 durch Stabilität aus. Dies ist einer der wenigen Punkte, die wirklich positiv sind. Sonst dominieren Abstriche und Mängel. Das sind sie.

1. Gewinnschwäche

Vontobel weist gerne auf die gleichmässige Gewinnverteilung auf die drei Divisionsen (Private Banking, Asset Management und Investmentbanking) hin – so auch im Bericht zum ersten Halbjahr 2014. Schön und gut, aber im Jahresvergleich hat in allen drei Divisionen der Vorsteuergewinn abgenommen, wie aus der Präsentation der Ergebnisse am Mittwoch hervorgeht.

Im Private Banking sank er im Vergleich zum ersten Halbjahr um 3 Prozent auf 29 Millionen Franken, im Asset Management um 5 Prozent auf 44 Millionen und in der Investmentbank nach IFRS-Standard um 14 Prozent auf 36 Millionen Franken. Unterm Strich resultiert dadurch ein Gewinnrückgang von 3 Prozent.

Vontobel verweist darauf, dass im Vorjahr das Gewinnniveau eben hoch gewesen sei. Aktionäre sollten aber erwarten können, dass eine Bank selbst auf der Basis eines bereits hohen Gewinnniveaus weiteres Wachstum erzielen kann.

2. Neugeld: Eine schwarze Null

Eine Vermögensverwaltungsbank muss sich an den Geldern messen lassen, welche ihr von Kunden neu anvertraut werden. Bei Vontobel steht nach sechs Monaten in diesem Jahr eine schwarze Null auf dem Leistungsausweis– also kein Netto-Neugeld.

Für ein Geldhaus mit dem Ruf einer Vontobel und das mit seiner Besitzerstruktur eigentlich als Hort der Sicherheit und Beständigkeit gilt, ist das keine gute Werbung. Zumal bei anderen Instituten auf dem Schweizer Finanzplatz die Nettoneugelder für einen hohen einstelligen Zuwachs bei den verwalteten Vermögen sorgten.

Liegt es daran? Vontobel fehlt in der klassischen Vermögensverwaltung eine starke Präsenz in Asien, wo Privatbanken noch Wachstum generieren können. Die Kooperation mit der lokal stark verankerten ANZ-Bank soll nun immerhin Abhilfe schaffen.

3. Hohe Kosten

Vontobel verdient auf den verwalteten Vermögen zu wenig. Ihre Cost-Income-Ratio klebt an der Marke von sehr hohen 80 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie jetzt nochmals von 78,5 auf 79,4 Prozent gestiegen. Ende 2013 belief sich das Verhältnis gar auf 83,5 Prozent.

Mit einer Marge von 75 Basispunkten im Private Banking liegt Vontobel am unteren Ende im Vergleich mit der Konkurrenz. CEO Zeno Staub möchte das ändern und hat das Ziel gesetzt, bis 2017 eine Cost-Income-Ratio von 75 Prozent zu erreichen.

Ein Weg zu einem konkurrenzfähigen Kosten-Ertrags-Verhältnis wäre, das Lohnniveau zu drücken. finews.ch hatte anlässlich der Jahresabschlüsse 2013 aufgezeigt, dass die Bank Vontobel mit Abstand die höchsten Personalkosten pro Kopf hat.

4. Abflüsse im Asset Management

Im ersten Halbjahr verlor das Asset Management eine Reihe von Institutionellen Kunden, die ihre Gelder aus den Emerging-Markets-Fonds des hoch gelobten Managers Rajiv Jain abzogen – insgesamt 1 Milliarde Franken.

Grund für die Abflüsse ist die schlechte Performance der Emerging-Markets-Equity-Produkte im Jahr 2013 mit einem Minus von 5,5 Prozent. Im laufenden Jahr liegt die Rendite allerdings wieder bei 10 Prozent. Die Kunden sind aber nicht zurückgekehrt.

Hier tritt möglicherweise ein Problem zu Tage, welches Vontobel mit seiner Boutiquen-Strategie im Asset Management verfolgt. Einen Star-Investor wie Jain in den eigenen Reihen zu haben, zahlt sich in positiven Perioden überdurchschnittlich aus, weil er Kunden anzieht. In schlechteren Marktperioden macht sich aber auch der Rückzug eines Teils dieser Kunden überdurchschnittlich bemerkbar.

5. Die Investmentbank

Die Bank Vontobel betreibt eine Plattform namens Deritrade für Strukturierte Produkte. Zudem existiert eine Plattform für unabhängige Vermögensverwalter. Diese beiden Aktivitäten sind im Prinzip das Investmentbanking des Hauses. Denn sie sorgen für 84 Prozent der Erträge in dieser Division.

Zur Investmentbank zählt Vontobel auch das Brokerage, das einen Anteil von 11 Prozent an den Erträgen beisteuert. Das eigentliche Investmentbanking Corporate Finance und Transaction Banking betreibt Vontobel auch noch – ein ganz klein wenig.

Die Erträge im ersten Halbjahr 2014 aus diesen Aktivitäten sind bislang vernachlässigbar. Pläne, im Bereich Emissionen, Beratungen, Finanzierungen sind nicht bekannt. Dagegen will Vontobel den Führungsanspruch im Bereich Strukturierte Produkte mit der so genannten Multi Issuer Platform Deritrade weiter ausbauen. Ein wichtiger Kooperationspartner ist dabei die UBS, wie finews.ch schon früher meldete.

6. Schrumpfendes Eigenkapital

Das Ende der Kooperation mit der Raiffeisen-Gruppe kostet die Bank Vontobel knapp 270 Millionen Franken ihres Eigenkapitals. Es sinkt damit auf gut 718 Millionen Franken und die Tier-1-Kapitalquote auf rund 21 Prozent.

Das ist im regulatorischen Rahmen zwar immer noch mehr als komfortabel. Und die für den Rückkauf der Aktien gebrauchten Mittel kommen den Aktionären insofern zu Gute, als dass Vontobel die Aktien vernichten möchte, womit sich eine Gewinnverdichtung ergibt. Eine profitablere Vontobel könnte sich zwar am Kapitalmarkt weitere Mittel für eine Transaktion günstiger als bisher beschaffen. Aber ob dieser Umweg wirklich Sinn macht?

Die Zeit drängt. Denn wie bereits unter Punkt 2 erwähnt: Vontobel wächst nicht. Rund 270 Millionen Franken fehlen nun für Wachstumsinitiativen – auch akquisitorische. Obwohl man bei Vontobel schon lange von Übernahmeoptionen spricht, findet die Konsolidierung im Swiss Private Banking bislang ohne das Zürcher Geldhaus statt.

 

 

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