Nun auch schon im Private Banking: Geiz ist geil

Nach Hypotheken und Versicherungspolicen ist jetzt die Vermögensverwaltung dran: Ein neuer Online-Vergleich will dort die Gebühren transparent machen. Damit beginnt die Schnäppchenjagd auch in der Königsdisziplin des Swiss Banking.

Schliessfächer©Shutterstock

Retrozessionsdebatte, Weissgeldstrategie: Die Zeiten, als im Schweizer Private Banking nicht über Gebühren geredet wurde, sind definitiv vorbei.

Doch jetzt geraten die Preise noch zusätzlich unter Druck. Der Zürcher Finanz-Vergleichsdienst moneyland.ch startet nämlich diesen Montag ein Online-Vergleichsinstrument für Private-Banking-Dienstleistungen. Dem Unternehmen zufolge soll dieses den Nutzern eine einfache Übersicht über die Schweizer Angebote in der Vermögensverwaltung und Anlageberatung verschaffen.

Gewaltige Unterschiede

So macht es das neue Instrument etwa möglich, die Kosten je nach Anbieter, Grösse des Anlagebetrags, Risikostrategie und Anlagehorizont und gar nach Anlageklassen zu kalkulieren. «Der neue Vergleich bringt mehr Licht in den dunklen Gebühren-Dschungel», so die kämpferische Ansage von Benjamin Manz, Geschäftsführer von moneyland.ch.

Manz zufolge sind im Private Banking die Kostenunterschiede unter den Anbietern extrem gross: Die teuersten Angebote kosten mehr als das Doppelte der Günstigsten. Wegen der Grösse der Vermögen – Private-Banking-Dienste setzen meist ab 250'000 Franken und mehr ein –, könne sich demnach das jährliche Sparpotenzial auf «mehrere zehntausend Franken» belaufen, so Manz.

Ein griffiges Argument also für all jene, die ihr Preisbewusstsein zum Gespräch mit ihrem Kundenberater mitnehmen wollen. Damit ist auch klar: Die «Geiz ist geil»-Bewegung greift künftig auch aufs Swiss Private Banking über.

Das Leben ohne Informationsvorsprung

Initiativen wie die von moneyland.ch wirken aber nicht nur auf den Preis, sondern auch die Beziehung zwischen Kunde und Berater. Letzterer hatte dort jahrzehntelang die Oberhand – weil nur er Bescheid über Anlagen und Preise wusste. Oder wie es Hans-Ulrich Meister, Co-Chef des Private Banking der Credit Suisse (CS) kürzlich an einer Konferenz ausdrückte: «Die Banken hatten den absoluten Informationsvorsprung.»

Doch damit sei es künftig vorbei, wie Meister nüchtern feststellte. «Kunden haben unabhängig und direkt Zugriff auf Informationen, Märkte und Produkte.»

UBS und Credit Suisse reagieren

Grosse Player wie die CS und die UBS reagierten bereits, indem sie die Beratungsqualität verbesserten und gleichzeitig die Preise transparenter gestalteten. Das Beratungsangebot «UBS Advice» enthält gar eine Flat-Fee. Daneben entstand sowohl in Zürich wie auch in Genf das Geschäftsmodell des «Gatekeepers». Dieser schaltet sich zwischen Kunde und Banken, und ringt diesen bessere Konditionen ab.

Unabhängige Internet-Vergleichsdienste dürften diesen Trend nochmals beschleunigen – und letztlich Opfer fordern. In Grossbritannien etwa, wo Online-Vermögensverwaltungsanbieter wie Nutmeg rasant Kunden gewinnen, ist dies schon absehbar. Dort geht die Branche davon aus, dass in der Vermögensverwaltung mittelfristig nur fünf grosse Player überleben werden.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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