UBS und CS: «Big Brother» in der Kundenberatung

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung: Beide Grossbanken wollen so ihre Kundenberatung revolutionieren. Die Software dafür wurde ursprünglich für Geheimdienste und Lauschattacken entwickelt.

Banken sind nicht gerade als «First mover» bekannt, was technologische und digitale Anwendungen in ihren Geschäftsmodellen betrifft. Dagegen sind vormals unbekannte Startup-Unternehmen in einem Jahrzehnt durch den Einsatz intelligenter Algorithmen in ihren Geschäftsmodellen zu neuen Corporate Giganten und Innovationsführern der Weltwirtschaft herangewachsen. Derweil verharrte die Bankenwelt im analogen Zeitalter und war mit Krisenbewältigung beschäftigt.

Erst seit kurzem stehen die Themen Digitalisierung und künstliche Intelligenz ganz oben auf der Prioritätenliste von Banken wie der UBS und der Credit Suisse. Beide haben inzwischen die Unternehmen und Technologien selektioniert, welche ihnen zum Sprung in die digitale Gegenwart verhelfen sollen.

Wissen, was der Kunde will

Denn Google, Amazon, Facebook etc. haben die Vision, wie sie von Google-CEO Eric Schmidt vor einigen Jahren formuliert worden ist, längst verinnerlicht: «Die Suchmaschine weiss immer schon, was der Kunde will, noch bevor er selber es weiss.»

Es ist wohl genau dies, was UBS und Credit Suisse mit ihren Anstrengungen im Aufbau einer digitalen Bank bezwecken: Mittels Einsatz von künstlicher Intelligenz sollen Private-Banking-Kunden personalisierte Dienstleistungen angeboten werden.

Sprich: Die Bank wird immer genau wissen, welche spezifischen Bedürfnisse ein Kunde hat, bevor dieser sie überhaupt gegenüber dem Kundenberater anbringen konnte. Natürlich hat die Bank immer die entsprechenden Anlagen und Produkte für den Kunden bereit.

Daten aus der Cloud

UBS und Credit Suisse setzen zwar auf verschiedene Unternehmen und Anbieter, aber diese bieten im Prinzip die gleichen Technologien an: Sie können aus der Big-Data-Cloud relevante Informationen der Bankkunden ziehen und daraus deren Wünsche und Bedürfnisse lesen.

Die UBS setzt auf das in Singapur ansässige Unternehmen Sqreem, die Credit Suisse auf das US-Unternehmen Digital Reasoning.

CIA als erster Investor

Und nun kommt der beängstigende Teil dieser Betrachtung: Die Technologien von Sqreem wie auch von Digital Reasoning sind wiederum sehr ähnlich denen, welche der US-Sicherheitsdienst NSA für seine weltweiten Schnüffeleien einsetzt.

Die CIA war denn auch der erste Investor von Digital Reasoning gewesen, kurz nachdem das Unternehmen im Jahr 2000 gegründet worden war. Die Dechriffierungs- und Decodierungssoftware wurde zunächst im Kampf gegen den Terror eingesetzt.

Zurzeit boomt das Unternehmen, weil Banken die Dienste von Digital Reasoning für die Überwachung ihrer eigenen Mitarbeiter nutzen – um weitere Skandale und Fehlverhalten zu verhindern, wie die offizielle Lesart ist.

Die Credit Suisse hat sich im Oktober finanziell an Digital Reasoning beteiligt, wie finews.ch berichtet hatte. Und sie setzt die «Big-Brother»-Software auch ein – bislang nur zur internen Überwachung. Aber das US-Unternehmen soll mit dem frischen Kapital das Geschäftsmodell erweitern. Ziel ist der Einsatz der Software im Kundengeschäft.

Algo-Trader als Mitgründer

Auch die Sqreem-Software war ursprünglich auch für Sicherheit und Überwachung konzipiert worden, insbesondere für die Analyse von Telekommunikationsdaten. Zu den Gründern gehört aber Rene Raiss, ein ehemaliger Algo-Trader an der Wall Street.

Das 2007 gegründete Unternehmen war der Sieger des «UBS Innovation Challenge» (finews.ch berichtete). Ein Vertrag winkt nun, die digitale Plattform im UBS Wealth Management zu revolutionieren.

Hoffnungen und Wünsche werden gelesen

Sqreem kann anhand der digitalen Spuren im Netz Nutzer- und Kundenverhalten herauslesen. Die Software ist zum Beispiel fähig, Verhalten und Interessen von Menschen sowie Produkte und Marken in einem geografisch eingegrenztem Raum zu einem Muster zu bilden. Sie soll sogar Ziele, Wünsche und Hoffnungen von Menschen herauslesen können.

Ein solches Instrument in den Händen von Banken bedeutet mehr den engeren Kundenkontakt, die bessere Kommunikation über digitale Kanäle oder eine bessere Nutzerfreundlichkeit der Bankdienstleistungen: Es bedeutet Macht, die Macht eines «Big Brothers», der für Kunden denkt und sie somit lenkt.

Die UBS beeilte sich gegenüber der Nachrichtenagentur «Bloomberg» zu versichern, Datensicherheit und Vertraullichkeit hätten in der Bank eine hohe Priorität. Die Software von Sqreem würde nie im direkten Kundengeschäft eingesetzt, nur für die Aufbereitung der eigenen Kundendaten.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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