Ein Jahr nach dem Frankenschock: Das dicke Ende kommt erst noch

Edvard Munch (Public domain), via Wikimedia Commons

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Vor genau einem Jahr hat die Nationalbank überraschend die Euro-Untergrenze aufgehoben, worauf der Frankenkurs steil anstieg. Die Bankbranche hat den Schock gut verdaut – bis jetzt. finews.ch nennt 7 Gründe, warum sich das ändern könnte.

1. Der Schock-Effekt entfällt

Mit der Aufhebung der Kursuntergrenze zum Euro löste die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 ein weltweites Börsenbeben aus. Die Kurse rasten talwärts, erholten sich aber in den Folgemonaten wieder. Besser hätte es für den Handel der hiesigen Banken nicht laufen können, wie sich im Nachhinein zeigte. Zahlreiche Institute kassierten deutlich mehr Kommissionen und Gebühren als üblich.

Darauf können die Banken nun nicht mehr zählen. Zwar herrscht an den Börsen zeitweilig eine nervöses Auf und Ab. Hält die Volatilität hingegen an, werden zahlreiche Anleger den Aktienmärkten fernbleiben.

2. Der Zinsmechanismus spielt nicht

Eigentlich sollten die Banken den mit der Loslösung vom Euro verbundenen Negativzins von 0,75 Prozent an alle Kunden weitergeben. Doch genau das tun die allerwenigsten von ihnen.

Mit der Folge, dass mit dem Entscheid der SNB vor einem Jahr unter den Bankkunden eine Zweiklassen-Gesellschaft entstanden ist: Hüben die Kleinsparer und treuen Firmenkunden, deren Zinsen die Institute künstlich hoch halten. Und drüben Institutionelle Grossanleger und schwerreiche Privatkunden, denen der Negativzins auf Cash-Einlagen berechnet wird.

Subventioniert werden die «Vorzugszinsen» zudem mit höheren Hypothekar-Zinsen. Doch das Spiel werden die Bank angesichts sinkender Margen (siehe unten) und höherer Absicherungskosten nicht ewig spielen können.

3. Die Freibetrags-Grenze rückt näher

Das Geld, mit dem die SNB Fremdwährungen kauft, um den Franken-Kurs zu schwächen, gelangt über die Banken in den Markt – und findet teils als Kundeneinlagen zu ihnen zurück. Das wiederum bringt die Banken der von der SNB installierten Freibetrags-Grenze näher: immer mehr Instituten drohen deshalb teure Strafzinsen auf ihren Einlagen bei der Nationalbank.

4. Negativzinsen bremsen Anleihen-Investments

Negative Renditen von Obligationen führen dazu, dass selbst das zu 0 Prozent verzinste Bargeld als attraktivere Anlage betrachtet wird. Die Folge: Obligationenbestände in den Depots der Kunden nehmen ab, die Kommissionserträge gehen zurück – ein Trend, der sich in den Erfolgsrechnungen der Banken bereits zeigt.

Eine Kehrtwende ist nicht in Sicht. Vielmehr dürfte sich die Lage an der Zinsfront weiter verschlimmern angesichts der Billig-Milliarden, welche die Notenbanken – namentlich die Europäische Zentralbank (EZB) – täglich ins System pumpen.

5. Lauerndes Zinsänderungs-Risiko

Die Folgen der Nullzinspolitik der Notenbanken wird zur ernsten Bedrohung für jene Banken, die hauptsächlich von der Zinsmarge leben – und das ist die grosse Mehrheit der hiesigen Geldhäuser. Denn die Marge bröckelt stetig und es gibt vorerst keine Anzeichen, dass in den kommenden Jahren eine Gegenbewegung einsetzt.

Zudem schliessen nun immer mehr Kunden zehnjährige Festhypotheken ab. Dies könnte die Banken in Bedrängnis bringen, wenn die Zinsen auf der Passivseite langfristig ansteigen. Die Kreditinstitute unterliegen somit einem nicht zu unterschätzenden Zinsänderungsrisiko.

6. Das Geschäft mit Firmen darbt

Gerade exportorientierte Schweizer Firmen wurden vom SNB-Entscheid hart getroffen. Ihre Margen schmilzen – entsprechend ist an Investitionen nicht zu denken. Das spüren die Banken je länger je mehr im Firmengeschäft, wo Kredite kaum noch nachgefragt werden.

7. Die «Strafsteuer» steigt

Es sind nicht nur die KMU aus der Industrie, welche den starken Franken im Export spüren. Gerade die auslandsorientierten Schweizer Vermögensverwalter ächzen aufgrund ihrer hohen Franken-Kosten unter den Währungs-Differenzen. Diese betragen bei Privatbanken derzeit bis zu 40 Prozent – mehr als beim Uhrenmacher Swatch – und dürften angesichts der Konjunktur etwa in der Eurozone noch steigen.

Aus Sicht von Julius-Bär-CEO Boris Collardi etwa wirkt dies wie eine Steuer, die das Swiss Banking gegenüber der ausländischen Konkurrenz benachteiligt.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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