Credit Suisse in Kapitalnot?

Credit Suisse Üetlihof in Zürich

Credit Suisse Üetlihof in Zürich

Den scharfen Massnahmen der Credit Suisse haftet die Verzweiflung an: Die Bank muss Geschäfte abbauen und sparen – gleichzeitig muss sie Kapital aufbauen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit.

Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam fährt mit «seiner» Bank einen halsbrecherischen Kurs: Seine Strategieziele vom vergangenen Oktober waren viel zu optimistisch – vor allem was die Investmentbank und die Kapitalsituation betrafen.

Nach zwei schlechten Quartalen ist Thiam nun gezwungen, die Sparschrauben noch fester anzuziehen. Vor allem ist er aber gezwungen, das Eigenkapital der Bank zu bewahren. Das scheint dem Unternehmen in seiner aktuellen Verfassung nicht zu gelingen.

In der Mitteilung vom Mittwoch ist zwar davon die Rede, dass die «Kapitalposition stark bleibt». Doch praktisch jede der angekündigten Massnahmen scheint darauf abzuzielen, dass das Eigenkapital nicht weiter leidet.

Situation entschärft sich erst mit Börsengang

Auf Rosen gebettet war die Credit Suisse (CS) bereits Ende des vierten Quartals 2015 nicht mehr: Die Kernkapitalquote war wieder auf 11,4 Prozent gesunken, nachdem sie dank der von Aktionären eingeschossenen 6 Milliarden Franken im Herbst kurzfristig auf 12,2 Prozent gestiegen war.

Eine Kapitalerosion ist für die CS eine Katastrophe. Die Aktionäre erneut zur Kasse zu beten, ist schlicht undenkbar. Erst mit dem Börsengang der Schweizer Universalbank dürfte sich die Situation entschärfen und der CS wieder einige Milliarden Franken in die Kasse spülen.

Weitere Regulierungskosten

Doch dieses Geld könnte dafür gebraucht werden, bis 2019 die «Too-big-to-fail»-Anforderungen zu erfüllen. Um in einer «Stress-Situation» das Geschäft aufrecht erhalten zu können (going concern), war bei der CS ein Bedarf von 5,2 Milliarden Franken festgestellt worden.

Und der Börsengang ist erst 2017 – Thiam befindet sich in einem Wettlauf mit der Zeit. Er muss die Bank schneller redimensionieren als sie Kapital aufbraucht. Das lässt sich aus der Mitteilung klar herauslesen.

1. Ziel einer Kernkapitalquote zwischen 11 und 12 Prozent

Dieses Ziel lässt aufhorchen: Denn per Ende 2015 lag die CS mit 11,4 Prozent in diesem Zielband. Wenn nun verschärfte Massnahmen vonnöten sind, um das Ziel zu halten, spricht dies Bände für die aktuelle Situation. Die CS hat offenbar wieder Kapital verbrannt.

2. Die Investmentbank Global Markets absorbiert zu viel Kapital

Bereits mit der im Herbst angekündigten Redimensionierung des Handelsgeschäfts, vor allem im Fixed-Income-Bereich, hätte die Kapitalintensität des Bereichs Global Markets abnehmen sollen. Offenbar zu wenig: Denn nun kündigt Thiam an, dass erst mit den weiteren Massnahmen der Bereich weniger Kapital brauchen und widerstandsfähiger wird.

3. Jede zusätzliche Einnahme ist willkommen

Nicht nur die Bilanz wird weiter abgespeckt und die risikogewichteten Aktiven werden nochmals reduziert. Thiam will auch Geschäfte verkaufen: Das Ziel ist, durch die Veräusserungen von Vermögenswerten und Aktivitäten im laufenden Jahr 1 Milliarde Franken einzunehmen.

4. Bei den Investitionen wird massiv gespart

Die Knappheit des CS-Kapitals wird wohl nirgends so deutlich, wie in dieser Massnahme: Anstatt 1,5 Milliarden Franken für Investitionen und Wachstumsinitiativen ausgeben zu wollen, sind es nur noch 1 Milliarde Franken. Das Kostensparziel von 3,5 auf 4,3 Milliarden Franken bis 2018 zu erhöhen ist hart – 2'000 weitere Stellen werden geopfert.

Ausgaben zu kürzen, welche der Bank zu Wachstum verhelfen sollten, ist ein klares Indiz dafür, dass die CS zurzeit jeden einzelnen Franken braucht, um ihre Kapitalsituation nicht zu verschlimmern.

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NEWS GANZ KURZ

Valartis

Die liechtensteinische Finanzaufsicht und die Börse Hongkong haben den Verkauf ihrer Liechtensteiner Tochter der Valartis Gruppe an die Citychamp Watch & Jewellery Group genehmigt hat. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2016 abgeschlossen werden.

Swiss Life

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) gibt beim Warenhaus Manor auf. Er akzeptiert den Entscheid des Verwaltungsgerichts, dass das Manor-Gebäude an der Zürcher Bahnhofstrasse kein Warenhaus bleiben muss. Die Eigentümerin der Liegenschaft, die Swiss Life, will das traditionsreiche Gebäude umbauen und umnutzen.

WIR Bank

Die Genossenschaft-Bank hat den Halbjahresgewinn um 115 Prozent auf 17,2 Millionen Franken gesteigert. Zwar wurde das Ergebnis auch durch den Verkauf von nicht benötigten Immobilien begünstigt, doch auch ohne diesen ausserordentlichen Ertrag lag das Gewinnwachstum bei 44 Prozent.

Luzerner Kantonalbank

Die Luzerner Kantonalbank begibt eine 0,1-Prozent-Anleihe über 375 Millionen Franken. Die Laufzeit beträgt fünfzehn Jahre. Zeichnungsschluss ist der 12. September, die Liberierung erfolgt auf den 15. September 2016.

Allianz Suisse

Der Sachversicherer hat im ersten Halbjahr das Prämienvolumen um 1,9 Prozent auf rund 1,37 Milliarden Franken erhöht. Der Halbjahres-Gewinn kletterte um 12,2 Prozent auf 142 Millionen Franken. Damit setzt Allianz Suisse den positiven Trend fort.

Zürcher Kantonalbank

investiere.ch, die Schweizer Investitionsplattform für Startups, hat eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Franken abgeschlossen. Die Zürcher Kantonalbank hat sich dabei substanziell an der Kapital-Erhöhung beteiligt und ist neu Minderheitsaktionärin von investiere.ch.

Swiss Life

Corpus Sireo, eine Tochter-Gesellschaft der Swiss Life Asset Managers, kauft die Firmensitze der Zurich Deutschland in Köln und Bonn. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Was Corpus Sireo mit den Objekten vor hat, ist noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Behörden.

Bernerland Bank

Die Regionalbank hat im ersten Halbjahr 2016 den Reingewinn um 6 Prozent auf gut 2 Millionen Franken steigern können. Der Zinserfolg nahm um 1 Prozent auf 10,2 Millionen Franken zu. Trotz des anhaltend schwierigen Zinsumfelds erwartet die Bank für das Geschäftsjahr 2016 einen Reingewinn auf Vorjahreshöhe.

Zürcher Landbank

Die Zürcher Landbank hat im ersten Semester 2016 den Gewinn auf über 1 Million Franken gesteigert. Dies ist ein Folge des höheren Zinserfolges, der um 2,5 Prozent auf 4 Millionen Franken stieg. Die übrigen Erfolgspositionen sowie der Aufwand blieben stabil.

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