Kurt von Storch: Wir verwalten nur weisses Geld

Wenn die Geschäfte in der Schweiz gut laufen, will der deutsche Vermögensverwalter Flossbach von Storch bis in zwei, drei Jahren seine Mitarbeiterzahl hier verdoppeln.

Herr von Storch, der Schweizer Finanzplatz steht unter Druck, die Konsolidierung in der Branche läuft auf vollen Touren, und Sie bauen nun aus. Ist das nicht der falsche Zeitpunkt?

Nein, im Gegenteil. Was wir jetzt in der Schweiz erleben, sind sozusagen tektonische Verschiebungen, die uns neue Chancen eröffnen. Der Kern in der Schweiz ist absolut gesund. Das politische System sowie die Demographie sind stabil, die Volkswirtschaft floriert, und die Schulden sind gering. Das sind gute Gründe, das Geschäft zu forcieren.

Was verstehen Sie unter tektonischen Verschiebungen?

Zum einen sind die Rahmenbedingungen tatsächlich komplexer geworden, und die Behörden und Regulatoren könnten mit ihren Gesetzeswerken über das Ziel hinaus schiessen.


«Mehr Pragmatismus wäre angebracht»


Etwas mehr Pragmatismus wäre sicherlich angebracht. Aber gleichzeitig gibt es seit der Finanzkrise eine nicht zu unterschätzende Zahl an Kunden, die sozusagen ein neues «Zuhause» für ihr Vermögen suchen. Da wollen wir mit unserem Ausbau in der Schweiz ansetzen.

Wer ist Ihre Zielkundschaft?

Das gehobene Privatkundengeschäft, primär deutsche Mittelständler mit Wohnsitz Deutschland, die einen Teil ihres Vermögens geographisch diversifizieren wollen, und es darum in die Schweiz bringen und vor Ort betreut werden wollen. Das hat überhaupt nichts mit Steuerhinterziehung zu tun. Wir verwalten nur «weisses Geld».


«Wir werden keine Teams einkaufen»


Zudem betreuen wir Deutsche, die in der Schweiz wohnen – bei diesem Kundenpotenzial sehen wir ein enormes Wachstumspotenzial, und zunehmend kommen auch Schweizer zu uns, weil sie unser Research, unsere Anlagephilosophie sowie unsere Unabhängigkeit schätzen. Last but not least möchten wir künftig von Zürich aus das Geschäft mit institutionellen Kunden wie Pensionskassen und Versicherungen weiter ausbauen.

Das klingt ambitiös. Gehen diese Absichten mit einem weiteren personellen Ausbau einher?

Auf jeden Fall. Wir werden allerdings keine Teams einkaufen, sondern organisch wachsen und Leute engagieren, die zu uns und zu unserem Geschäftsmodell passen. Für diese Ausbauschritte werden insbesondere unsere beiden neuen Verwaltungsräte Matthias Frisch und Peter Wild zuständig sein.


«Die Schweiz war immer eine Alternative»


Als Schweizer kennen sie die hiesigen Usanzen durch und durch. Ausserdem verfügen sie über ein ausgezeichnetes Netzwerk. Wenn sich alle drei Geschäftsbereiche gut entwickeln, dürften wir in zwei bis drei Jahren – ganz bescheiden gerechnet – unser Mitarbeiterzahl in der Schweiz mindestens verdoppelt haben.

Warum sind Sie als erfolgreicher Vermögensverwalter in Deutschland eigentlich in die Schweiz gekommen?

Die Schweiz war für uns immer so etwas wie eine Alternative. Nicht in Bezug auf ein allfälliges Scheitern, sondern aus Gründen der Diversifikation.


«In der Schweiz sind wir seit 2007 profitabel»


Sollte einmal unser Geschäftsmodell in Deutschland auf Grund von politischen Veränderungen, oder durch Gesetzesänderungen und neuen Auflagen allzu komplex oder nicht mehr sinnvoll praktizierbar sein, haben wir als Unternehmer Optionen.

Obschon es für viele kleinere Asset Manager hierzulande immer schwieriger wird?

Tatsächlich werden nun auch in der Schweiz neue Regeln und Bestimmungen im Finanzsektor mit «Überschallgeschwindigkeit» eingeführt. Teilweise schiessen diese Auflagen auch übers Ziel hinaus.

Ich traue den Schweizern zu, dass sie früher oder später wieder zu einem gewissen Pragmatismus zurückfinden und sich auf ihre Sonderstellung in Europa besinnen.

Mit zehn Mitarbeitern und einer Milliarde Franken an Privatkundengeldern hat Flossbach von Storch in der Schweiz kaum die kritische Grösse. Wie wollen Sie überhaupt profitabel sein?

In der Schweiz schreiben wir seit unserem ersten vollen Geschäftsjahr 2007 schwarze Zahlen. Natürlich verstehe ich Ihren Einwand der kritischen Grösse. Doch der Schweizer Standort von Flossbach von Storch kann auch sehr viele Services, wie das Research oder das Anlagemanagement von Köln beziehen.


«Jedes Geschäft muss selbsttragend sein»


So lassen sich enorme Kosten einsparen, ohne dass der Schweizer Standort nun subventioniert würde. Das käme für uns gar nicht in Frage. Jedes Geschäft muss selbsttragend sein.

Wie häufig sind Sie, als Verwaltungsratspräsident der Flossbach von Storch AG, Schweiz, hierzulande anzutreffen?

Jeden Monat sind es sicherlich mehrere Tage. In meiner Funktion als Präsident des Verwaltungsrates habe ich einen engen Draht zum Geschäft und bin in operative Angelegenheiten involviert. Mit unseren Kunden tausche ich mich über unsere Anlagephilosophie und den Unternehmergeist aus.

Lesen Sie dazu auch: «Deutscher Vermögensverwalter holt sich drei Schweizer Top-Banker»

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Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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