Einflussreiche Frauen in der Finanzbranche

Sie sind immer noch selten, aber jedes Jahr gibt es wieder neue Gesichter: Wer sind die Frauen, die den Schweizer Finanzplatz mitgestalten?

Über die Gründe, warum Frauen in den Chefetagen der Banken und Versicherungen ein Randdasein fristen, wurde schon viel geschrieben und philosophiert. Interessant indessen ist eine andere Frage: Welche Frauen haben es tatsächlich geschafft? Und wie weit geht heute ihr Einfluss?

Nachstehend hat finews.ch eine Liste von Frauen zusammengestellt, die wichtige Rollen spielen in der Branche und auf ganz unterschiedliche Weise dem Finanzplatz neue Impulse geben könnten – in einer nicht abschliessenden, also auch subjektiven Auswahl.

  • Fiona Frick

Frick-FionaFunktion: CEO von Unigestion

Einschätzung: Seit einem Jahr leitet Fiona Frick den Genfer Vermögensverwalter Unigestion. Dem Unternehmen hält sie seit mehr als zwei Jahrzehnten die Treue. Bevor Frick in die Finanzbranche einstieg, machte sie ein BA am Institut Supérieur de Gestion in Paris, promovierte in Literatur und Philosophie an der Universität von Dijon und bildete sich an der IMD Business School in Lausanne weiter. Bei Unigestion leitete sie vor ihrer Ernennung zum CEO zuletzt die Equity-Sparte. Sie entwickelte dabei diverse Investmentstrategien und initiierte 1995 unter anderem auch einen so genannten Minimum-Varianz-Ansatz, der auf langfristige Überschussrenditen bei geringer Volatilität abzielt. Fiona Frick findet zunehmend Beachtung in der Öffentlichkeit und nimmt in Interviews auch zu aktuellen Themen Stellung.

  • Mirjam Staub-Bisang

Mirjam_Staub_BisangFunktion: Verwaltungsrätin und geschäftsführende Partnerin, Independent Capital Management, Autorin

Einschätzung: Mirjam Staub-Bisang machte dieses Jahr mit ihrem Buch «Nachhaltige Anlagen für institutionelle Investoren» von sich reden. Das Werk, zu dem diverse Autoren beigetragen haben, leistet einen Beitrag zu einem Thema, das noch deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte. Hauptberuflich ist die Ehefrau des Bankers Martin Bisang Verwaltungsrätin und Partnerin der Asset-Management-Firma Independent Capital Management in Zürich. Zuvor arbeitete Staub-Bisang bei der Commerzbank, Swiss Life Private Equity Partners und Quadrant. Ihre Karriere startete sie im Investmentbanking bei Merrill Lynch. Staub-Bisang ist Rechtsanwältin und hält ein MBA der INSEAD. Sie profiliert sich über ihren angestammten Job hinaus und verleiht der Branche wichtige Impulse.

  • Marion Pester

Marion_PesterFunktion: Vorsitzende der Generaldirektion, DZ Privatbank

Einschätzung: Marion Pester hat kürzlich die Führung der DZ Privatbank in Zürich übernommen. Mitglied der Generaldirektion ist sie bereits seit 2006, wobei sie bisher für Handel/Treasury, Produkt- und Portfoliomanagement, IT und Operations zuständig war. Künftig verantwortet Pester die wichtigen Bereiche Private Banking Schweiz, Produkt- und Portfoliomanagement sowie Human Ressources. Vor ihrem Wechsel nach Zürich hatte sie langjährige Führungsfunktionen im Vertrieb, Consulting und Produktmanagement der DZ-Bank-Gruppe inne. Die genossenschaftlich organisierte Firma dürfte in den nächsten Jahren im Rahmen der Weissgeld-Strategie auf dem Schweizer Finanzplatz eine noch stark wachsende Bedeutung für deutsche Kunden erlangen. Marion Pester ist somit in einer Schlüsselstelle im Private Banking. 

  • Pamela Thomas-Graham

PTGFunktion: Konzernleitungsmitglied der Credit Suisse

Einschätzung: Mit Pamela Thomas-Graham sitzt seit bald zwei Jahren eine Frau in der Konzernleitung der Credit Suisse. Und: Der Verantwortungsbereich der Amerikanerin ist beachtlich. Er umfasst weltweit das Personalwesen, die Unternehmenskommunikation, die Markenführung und die Werbung. Thomas-Graham hat keinen finanztypischen Background. Sie arbeitete unter anderem bei einem Modeunternehmen, im Beratungsgeschäft und im TV-Business. Sie verfügt über beste Kontakte zu CEO Brady Dougan. Zumindest in der Schweiz ist Thomas-Graham allerdings noch kaum gross in Erscheinung getreten, sie hält sich sehr zurück: Diesen Bonus hat die Credit Suisse bislang nicht ausgespielt.

  • Marianne Wildi

Marianne_WildiFunktion: CEO der Hypothekarbank Lenzburg

Einschätzung: Die Bank ist ihre Familie, wie sie selber gerne sagt. Marianne Wildi arbeitet seit mehr als einem Vierteljahrhundert bei dem aargauischen Regionalinstitut. Die Hypothekarbank Lenzburg macht ausserhalb ihres Einzugsgebiets kaum von sich reden, zählt jedoch zu den stabilsten Finanzinstituten in der Schweiz. Mit der loyalen, bestens ausgebildeten Bankkauffrau Wildi hat das bodenständige Institut eine optimale Unternehmenslenkerin, die auch in turbulenten Zeiten einen kühlen Kopf behält. Sie entspricht damit auch durchaus dem Bild des typischen Schweizer Bankiers, der ohne grosses Aufheben, aber beharrlich und zielgerichtet seine Arbeit vollbringt. 

  • Anne-Marie de Weck

anne_marie_de_weckFunktion: Teilhaberin bei Lombard Odier & Cie

Einschätzung: Für Anne-Marie de Weck ist die ganze Frauen-Thematik unerheblich. Was zählt, ist das persönliche Engagement. Unter diesen Prämissen zählt die Genferin zu den wichtigsten Mitgestalterinnen auf dem Schweizer Finanzplatz. Neben ihrer angestammten Tätigkeit als Bankerin bei der Genfer Traditionsbank Lombard Odier engagiert sich de Weck auch in politischen Belangen für ihre Branche und beweist beispielsweise auch in Steuerfragen eine grosse Dossierkenntnis. Weitere Impulse liefert Anne-Marie de Weck auch der Vereinigung der Genfer Privatbanken und zählt entsprechend zu den letzten grossen Verfechterinnen des Schweizer Bankgeheimnisses.

  • anne_heritier_lachatAnne Héritier Lachat

Funktion: Präsidentin der Finma

Einschätzung: Sie übernahm in diesem Jahr das Präsidium der Schweizerischen Finanzmarktaufsicht (Finma) vom eher glücklos agierenden Eugen Haltiner. Die Wahl von Anne Héritier Lachat war eine Überraschung, weil im Vorfeld eine Nachfolgerin gefordert worden war, die Branchenerfahrung mitbringe. Das tut Héritier Lachat indessen nicht. Die Rechtsanwältin blickt zwar auf eine lange und vielseitige Karriere im Justiz- und Hochschulwesen zurück, hat aber nie in einer Bank gearbeitet. In ihrer neuen Rolle wirkte Anne Héritier Lachat bislang eher im Hintergrund, während sie die öffentlichen Auftritte mehrheitlich dem operativen Chef Patrick Raaflaub überliess, der die Finma als streng agierende Behörde positioniert hat. Mit Monika Mächler sitzt eine weitere Frau im Verwaltungsrat der Finma.

  • Sandra Lienhart

Sandra_Lienhart_3Funktion: Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Coop und Mitglied der Konzernleitung der Basler Kantonalbank

Einschätzung: Sandra Lienhart startete ihre Berufskarriere im Kommerz-Bereich bei der Schweizerischen Kreditanstalt und arbeitete sich erfolgreich nach oben. Im Sommer 2004 wechselte sie zur Bank Coop, die wiederum vom baselstädtischen Staatsinstitut übernommen wurde. In ihrer heutigen Funktion arbeitet sie einerseits für eine dynamische Kantonalbank, die allerdings in den letzten Monaten wegen ihrer Aktivitäten mit amerikanischen Offshore-Kunden negativ in die Schlagzeilen kam. Dies fällt umso mehr ins Gewicht als Lienhart – andererseits – in ihrer Hauptfunktion für die Bank Coop tätig ist, ein Finanzinstitut, das sich das Banking nach nachhaltigen Prinzipien auf die Fahne geschrieben hat.

  • Cecilia Reyes

Reyes_CeciliaFunktion: Chief Investment Officer der Zurich Financial Services Group

Einschätzung: Die schweizerisch-philippinische Doppelbürgerin stiess vor mehr als zehn Jahren zur Zürich-Versicherung, wo sie zunächst als Regionalmanager für Investitionsstrategien in Nordamerika verantwortlich war. Sukzessive arbeitete sich Cecilia Reyes in ihrer Domäne nach oben. Ihr Aufstieg kommt nicht von ungefähr. Vor ihrer Zeit bei der Zürich sammelte Reyes vielfältige Erfahrungen als Bankerin bei der Credit Suisse sowie bei ING Barings. Heute ist sie die Investmentchefin des Konzerns und nimmt entsprechend auch Einsitz in die Konzernleitung. Reyes studierte an der London Business School und an der Universität von Hawaii. In der Schweizer Versicherungsbranche ist Cecilia Reyes öffentlich noch kaum in Erscheinung getreten. 

  • Ann-Kristin Achleitner

Ann_Kristin_Achleitner_DFunktion: Verwaltungsrätin bei der Bank Vontobel

Einschätzung: Sie zählt zweifellos zu den einflussreichsten Frauen in der europäischen Finanzbranche. Ann-Kristin Achleitner ist nicht nur seit 2009 im Verwaltungsrat der Zürcher Vontobel-Gruppe, sondern zusätzlich in einer ganzen Reihe von Aufsichtsgremien deutscher Unternehmen vertreten. Darüber hinaus ist die Ökonomin in der Hochschulausbildung tätig und engagiert sich für eine Vielzahl von Institutionen, namentlich zu Fragen des Unternehmertums oder der Finanzwelt. Vontobel hat mit Achleitner eine hochkarätige Fachfrau an Bord. Dass sie mit Paul Achleitner verheiratet ist, dem designierten Präsidenten der Deutschen Bank, sei hier auch noch erwähnt.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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