Warum Ranglisten im Banking dem Kunden nichts nützen

Bei der Wahl des richtigen Finanzberaters nehmen Kunden oftmals irgendwelcher Rankings in Branchenpublikationen zur Hand. Deren Aussagekraft ist jedoch beschränkt.

Die Wahl der richtigen Bank, des passenden Vermögensverwalters oder Beraters stellt im Leben eines Kunden wichtige Weichen: Beratung, Finanzplanung und Anlageperformance sind entscheidend für die zukünftige Lebensqualität.

Aber Anlageberatung sei ein wenig wie Fliegen, schreibt Mark Hurley (Bild), Chef und Gründer eines Netzwerks von Vermögensverwaltern, auf der Finanzwebsite «Marketwatch». Man wisse nicht, ob der Pilot tatsächlich fliegen könne, bis das Flugzeug abstürze.

Mark Hurley 160

Vielfalt von jährlichen Rankings

Bleibt den Kunden vielfach nur, auf Empfehlungen anderer Kunden zu vertrauen oder sich Rat aus Branchenpublikationen zu holen, um «ihren» Vermögensverwalter zu identifizieren. Nichts einfacher als das, gibt es doch eine Vielfalt von jährlichen Rankings der «besten Wealth Manager», welche von diesen Publikationen erstellt werden.

Man würde glauben, dass aufgrund der Expertise und Erfahrung der Autoren diese Rankings auch eine Aussagekraft hätten, schreibt Hurley. Dem sei aber nicht so. In Wirklichkeit seien nämlich mehr als 50 Prozent der genannten Banken und Vermögensverwalter bloss «kleine, unprofitable und nicht zukunftsfähige Organisationen, die kaum längere Zeit überleben».

Wie ein Admiral der Schweizer Marine

Hurley spricht hier insbesondere auf US-Rankings von unabhängigen Vermögensverwaltern an, wie sie jeweils vom Anlegermagazin «Barron's» erhoben werden. Diese seien wertlos, da solche Listen meistens auf Basis eines Kriteriums entstünden: Die Höhe der verwalteten Vermögen. Die Aussagekraft habe in etwa so viel Substanz wie der Titel eines Admirals einer Schweizer Marine: Ein grosser Titel und wenig dahinter, so Hurley.

Andere «Wealth Management»-Rankings könnten ebenso hinterfragt werden. Da werden die Banken und Vermögensverwalter in zig verschiedenen Kategorien bewertet: Beratungsqualität, Dienstleistungstiefe, Angebot von Anlageprodukten etc.

Das Fachmagazin «Euromoney» beispielsweise, dessen Ranglisten gerne auch von den Schweizer Banken zitiert werden, ermittelt die besten globalen Wealth Manager in mehr als 30 Kategorien. Mit dem Resultat: Jede Bank gewinnt irgendwann mal in irgendeiner Kategorie.

Erleichtert dies einem Kunden die Wahl? Nicht wirklich, so Hurley. Er rät, die Wahl auf der Basis folgender Kriterien zu treffen:

1. Gibt es eine einfache Gebührenstruktur?
Kein Kunde will mehr für Kommissionen, Kickbacks und Retrozessionen bezahlen. Und er will auch nicht eine hohe Gebühr bezahlen, in der die Bank solche Zahlungen versteckt. Ein Gebührenmodell muss einfach und transparent sein und sollte sich an der Dienstleistungstiefe und -intensität orientieren.

2. Ist dieser Vermögensverwalter überlebensfähig?
In Zeiten der Konsolidierung und des Regulierungsdrucks ist dies besonders relevant. Ein Anhaltspunkt kann die Besitzerstruktur bieten. Sind mehrere Partner beteiligt? Wie ist die Altersstruktur der Partner? Gibt es eine Nachfolgeplanung?

3. Wieviel Erfahrung und Expertise steckt in der Firma?
Insbesondere jüngere Vermögensverwalter und Private Banker sollten die relevanten Ausbildungsstandards und Diplome vorweisen können. Weiter zählt aber auch die Erfahrung im Beruf und an den Finanzmärkten. Einem jungen Finanzberater, der nur einen Bullenmarktzyklus mitgemacht hat, fehlt es möglicherweise an Weitsicht.

4. Ist der Vermögensverwalter profitabel?
Eine nicht unwichtige Frage, die zu klären ist. Nur nachhaltige Geschäfte überdauern die Jahre. Die tiefsten Gebühren und das günstigste Beratungsangebot sind wenig wert, wenn der Vermögensverwalter ständig um sein wirtschaftliches Überleben kämpfen muss. Handkehrum sollte man darauf achten, dass sich die Profitabilität eines Finanzberaters nicht in einem protzigen Auftritt manifestiert.

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