Mai
17
2012
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Herbert.Braendli.quadratDie BVG-Regulatoren würden die Kontroll- und Verwaltungs-Kosten laufend erhöhen, sagt Vorsorgexperte Herbert Brändli.

Herbert Brändli ist Gründer und Verwaltungsratspräsident der B+B Vorsorge. Er schreibt regelmässig für finews.ch.

Der Wert von Pensionskassen zeigt sich im gelebten Kosten-Nutzenverhältnis für ihre Eigner, und ihre wahre Grösse sind die ihnen vermittelten Nettoerträge.

Die BVG-Regulatorien erhöhen jedoch die Kontroll- und Verwaltungskosten und verringern so die Erträge. Dadurch fallen kleine Vorsorgeeinrichtungen aus dem Rennen direkt in die Fänge grosser Versicherungssammelstiftungen.

Explodierende Kosten

Die Vorsorgeregulierung gestaltet die Verwaltung von Pensionskassen immer komplexer und anspruchsvoller. Die Sorge und der Aufwand der Versicherten, den gesetzlichen Rahmen einzuhalten, sind aufwändiger als ihre eigentlichen Führungs- und Verwaltungsaufgaben.

Die explodierenden Kosten verringern die Leistungskraft und die Daseinsberechtigung von kleinen Vorsorgeanbietern. Die staatliche Bevormundung geht mit einer schleichenden Enteignung der Pensionskassengelder einher. Nicht nur Linke rufen mittlerweile nach einer Eingliederung der beruflichen Vorsorge in die an Grenzen stossende AHV.

Bewusste Verdrängung

Die Vermutung liegt nahe, dass die Bundesverwaltung kleine Vorsorgeeinrichtungen bewusst verdrängen will. «Für gut versicherte Bürger und eine sicherere, erfolgreiche Anlage der zwangsgesparten Mittel braucht es weniger, dafür grössere und professionelle Pensionskassen», lautet das Fazit von CVP-Ständerat Bruno Frick, Mitglied der Kommission für Sicherheit und Gesundheit.

Das sei zwar kein Ziel, aber eine unvermeidliche Folge der Strukturreform. Nachfragen bei den entscheidenden Parlamentariern beweisen eine völlige Absenz, wenn es zu Sachproblemen der Pensionskassen kommt.

Schlichte Formel

Diese Unwissenden verordnen den Vorsorgeeinrichtungen nach Massgabe des BSV Amateure als Führungsorgane, geben ihnen anspruchsvolle Aufgabenkataloge, umfangreichen Verhaltensvorschriften und reduzieren ihren Kompetenzbereich, so dass eigenverantwortliches Handeln unmöglich wird.

Nach wie vor gilt, dass Fachkunde, Professionalität und Nutzen einer Pensionskasse nicht von ihrer Grösse abhängen. Die schlichte Formel «Je kleiner die Kassen, desto geringer die Renditen und desto höher die Verwaltungskosten» darf nicht verallgemeinert werden, wie viele Beispiele aus meinem früheren Wirkungskreis als verantwortlicher Experte zeigen.

Vom Joch befreit

So durften wir 1992 eine Vorsorgeeinrichtung mit heute 117 Versicherten vom Joch einer grossen Durchlaufstiftung eines Lebensversicherers befreien und eigenständig organisieren.

In erster Konsequenz konnten den Versicherten die Beiträge für die Verwaltungs- und Versicherungskosten nachhaltig um 30 Prozent gesenkt werden. Die Anlagestrategie des PK-Vermögens von 33,5 Millionen Franken betont die Realwerte Aktien und Immobilien.

Doppeltes Pech

Damit wurde über die vergangenen 18 Jahre soviel erwirtschaftet, dass den Versicherten im jährlichen Mittel 7,1 Prozent gutgeschrieben werden konnte. Zur Erinnerung: 1 Prozent Mehrzins erhöht die Altersrenten um rund einen Viertel.

Doppeltes Pech für diese kleine Pensionskasse, ihre Versicherten, Rentner und den Arbeitgeber: Der erfolgreiche Vermögensverwalter stammt aus den eigenen Reihen und sitzt als Arbeitgebervertreter im Stiftungsrat. Seine Unterschrift erscheint im Vermögensverwaltungsauftrag auf beiden Seiten und ist darum ein Dorn im Auge des Chef-Regulators Yves Rossier.

Persönlich suspekt

Weil ihm persönlich solche Geschäftsmodelle grundsätzlich suspekt sind, wollte er sie ohne gesetzliche Grundlage auf dem Verordnungsweg kurzerhand verbieten. Darauf haben die grossen Versicherungsgesellschaften gewartet. Gierig freuen sie sich, die abtrünnige Versichertengemeinschaft wieder bei sich aufzunehmen.

Sie werden die Beiträge für Kosten und Risiko wieder auf ihr gewohntes Niveau schrauben, die Verzinsung der Altersguthaben mit den zugehörigen Garantien von bisher 7,1 Prozent unter 3 Prozent und die Umwandlungssätze auf das tiefstmögliche Niveau drücken.

Kassieren Rentner zu viel?

Bundesverwaltung und Politiker können dann zu Recht über die Medien verbreiten, dass die Rentner viel zu viel kassieren und die Jungen die Alten aushalten.

Die Strukturreform des Bundes wird diesen Wandel beschleunigen. Mit dem institutionalisierten Tausch der Kultur des Vertrauens gegen eine Unkultur des Misstrauens werden tragende Beziehungen zwischen Pensionskassen und ihren Arbeitgebern zerstört.

Die Versicherten von kleinen Vorsorgeeinrichtungen handeln sich damit die Gewissheit ein, dass künftig, vom Staat kaschiert, mit ihrem Vorsorgebatzen in grossem Stil Missbrauch betrieben wird.

Kommentare 

 
#1 Edward Falger 2011-09-15 14:38
Es ist höchste Zeit, dass möglichst alles Geld, welches von staatlichen Töpfen fern gehalten werden kann, auch fern gehalten wird. Zuerst sind 3a Konti wo möglich in private Verwaltung zu überführen oder gar nicht mehr weiter zu führen. Die möglichen Renditen bei günstien Brokern machen ein Vielfaches der eingesparten Steuern aus. Damit würde der politische Druck erhöht, endlich im und für den Namen des Volkes zu handeln und nicht die Taschen der Protagonisten zu füllen.
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