Bankenregulierung: Widersprüche statt Wettbewerbsfähigkeit

An den wichtigsten Finanzplätzen weht ein Wind der regulatorischen Vereinfachung. Initiativen zur Optimierung und Entlastung schliessen sich aneinander.

Die Ansätze sind zwar unterschiedlich, das Ziel ist jeweils das gleiche: die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität der Finanzplätze zu erhalten. Modernisierung und Optimierung von nationalen und internationalen Finanzmarktregulierungen werden in internationalen Fachgremien, namentlich dem Financial Stability Board (FSB), diskutiert.

Von Brüssel bis Singapur: Regulierung soll schlanker werden

In der Europäischen Union sollen die aufeinanderfolgenden «Omnibus»-Pakete den administrativen Aufwand für die Finanzmarktakteure erheblich reduzieren. In Singapur gibt es ausgeprägte Tendenzen zur Optimierung von Prozessen, Bürokratieabbau und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In den Vereinigten Staaten wurde unter der Trump-Regierung eine umfassende Deregulierungsoffensive gestartet, und auch im Vereinigten Königreich haben die Behörden Massnahmen ergriffen, um die Finanzregulierung für die Institute einfacher, verhältnismässiger und kostengünstiger zu gestalten. 

Finanzdepartement setzte externe Arbeitsgruppe ein

Die Schweiz bleibt von dieser Aufbruchstimmung nicht unberührt. Das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) hat eine externe Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit der Optimierung der Finanzmarktregulierung befasst. Diese soll Möglichkeiten zur administrativen Entlastung und zum Abbau von Doppelspurigkeiten prüfen und diese allenfalls in der Regulierung wie auch im Bereich der Aufsicht beseitigen. Die Erkenntnisse fliessen in einen Bericht des EFD ein, der dem Bundesrat mit Empfehlungen für Folgearbeiten bis Ende 2027 vorgelegt werden soll.

«In der Schweiz haben sich neue Regeln so stark kumuliert, dass man die damit verbundenen Kosten nicht ausser Acht lassen darf.»

Die Banken haben diese Initiative positiv aufgenommen. Diese soll einer Branche, in der der administrative Aufwand und die regulatorischen Auflagen in den letzten Jahren stetig zugenommen haben, eine willkommene Erleichterung verschaffen. Dieser Ansatz ist in einem internationalen Umfeld sinnvoll, in dem konkurrierende Finanzplätze bestrebt sind, die regulatorischen Fesseln zu lockern: In der Schweiz haben sich neue Regeln in den letzten Jahren so stark kumuliert, dass man die damit verbundenen Kosten – die zum grössten Teil bei den Banken anfallen – nicht ausser Acht lassen darf. 

Der Credit-Suisse-Fall als Massstab für alle?

Dennoch hat der Bundesrat vor diesem Hintergrund am 12. August 2026 die Vernehmlassung zu den «Too big to fail»-Massnahmen eröffnet, von denen ein wesentlicher Teil für alle Banken gelten soll. Auszug der Themenfelder, um die es geht: Erweiterung der Instrumente und Befugnisse der Finma, insbesondere im Bereich der Frühintervention und der Sanktionen, neue Haftungsregeln sowie neue Anforderungen an die Vergütungen.

Für nicht systemrelevante Banken werfen diese Massnahmen eine grundlegende Frage auf: Auf welches Problem liefern sie eine Antwort? Ihr Nutzen für diese Institute wurde bislang nicht nachgewiesen. Zudem sei daran erinnert, dass die Krise der Credit Suisse hier der Auslöser war. Diese Krise mit ihren spezifischen Ursachen kann nicht als Rechtfertigung dafür dienen, eine allgemeine Verschärfung der Regeln für Institute zu begründen, die sich in ihren Risikoprofilen und Geschäftsmodellen grundlegend unterscheiden. 

Schweizer Erfolgsmodell nicht gefährden

Die Vielfalt unseres Bankensektors ist eine seiner zentralen Stärken. Global agierende Grossbanken agieren neben tief in den Regionen verankerten Kantonal- und Regionalbanken, die vor allem die lokale Wirtschaft finanzieren. Darüber hinaus umfasst die Branche spezialisierte Vermögensverwalter, traditionsreiche Privatbankiers sowie Ableger ausländischer Institute.

«Das neue Regulierungspaket droht die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes weiter zu bremsen.»

Diese Breite an Geschäftsmodellen, Grössen und Risikoprofilen darf nicht gefährdet werden: Werden regulatorische Massnahmen, die gezielt als Reaktion auf das Scheitern einer global systemrelevanten Bank entwickelt wurden, nun pauschal auf alle Institute angewendet, wird dies dieser wertvollen Vielfalt nicht gerecht.

Das neue Regulierungspaket droht die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes weiter zu bremsen, statt ihr den dringend nötigen Schwung zu verleihen. Das Ganze grenzt an ein Paradox: Während eine Arbeitsgruppe damit beauftragt ist, Redundanzen zu identifizieren, den administrativen Aufwand zu verringern und die Regulierung zu vereinfachen, werden gleichzeitig neue Regulierungsprojekte in die Vernehmlassung geschickt.

Es braucht mehr als nur Lippenbekenntnisse 

Der Schweizer Finanzplatz ist derzeit gegensätzlichen Kräften ausgesetzt. Einerseits wird versucht, die zu unübersichtlich gewordene Regulierung zu optimieren, andererseits treibt man eine neue Regulierungswelle voran. Bei diesen gegenläufigen Initiativen läuft das Bestreben nach Entlastung Gefahr, zur Farce zu werden.

In einem Umfeld, in dem konkurrierende Finanzplätze die Vereinfachung der Regulierung als Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit nutzen, darf die Schweiz nicht nur Lippenbekenntnisse ablegen, während sie in der Praxis den entgegengesetzten Weg einschlägt. Es ist an der Zeit, dass der Zeitgeist der Entlastung und Optimierung wirklich Oberhand gewinnt.


Die Vereinigung Schweizerischer Privatbanken (VSPB) zählt sieben Mitgliedsbanken, die weltweit rund 10'000 Mitarbeitende beschäftigen.

Der Hauptaufgabe der VSPB mit ihrem ständigen Sekretariat in Genf besteht in der Wahrung und Vertretung der beruflichen Interessen der schweizerischen Privatbanken. Die Vereinigung setzt sich für die Schaffung und Erhaltung optimaler Rahmenbedingungen für die private und institutionelle Vermögensverwaltung in der Schweiz ein.