«Als Krimiautor kann ich morgens Verbrechen begehen und nachmittags golfen»


In der Rubrik Backstage geben interessante Persönlichkeiten aus der Finanzwirtschaft und darüber hinaus jeden Mittwoch Einblicke in ihre ganz persönlichen Vorlieben.


Was tun Sie morgens als Erstes?

Die Katzen füttern. Unsere drei Maine-Coons haben eine klare Vorstellung von Prioritäten und Hierarchien.

Was ist das Beste an Ihrem Beruf?

Als Krimiautor kann ich morgens Verbrechen begehen und nachmittags golfen oder Ski fahren – ohne Angst zu haben, dass mir jemand auf die Schliche kommt.

Ein Moment, der Ihr Leben veränderte?

Als ich am ersten Schultag an der Kantonsschule Trogen meiner heutigen Frau gegenübersass. Es gibt Entscheidungen, die trifft man, und andere sitzen eines Morgens einfach vor einem …

Welche Autos besitzen Sie? Welches ist Ihr Liebstes?

Die Frage nach einer allfälligen Umsatzbeteiligung habe ich gleich nach England weitergeleitet, aber bislang keine Antwort erhalten.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 20-jährigen Selbst geben?

Hör nicht auf den alten Besserwisser und gehe deinen eigenen Weg.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Meine 20 Ironman-Medaillen. Im wahrsten Sinne des Wortes «hart erkämpft».

Was tun Sie, wenn Sie Zweifel haben?

Weiterarbeiten, weitermachen! Zweifel und Probleme werden selten kleiner, wenn man einfach vor ihnen sitzen bleibt.

Was ist Ihr Lieblingswein?

Einer, den ich mit den richtigen Menschen trinke. Bei einem schönen Wein aus der Region um Bolgheri oder Bordeaux betrachtet man die Tischgesellschaft allerdings sofort etwas wohlwollender.

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?

An meinem 9. Roman – dafür plane ich auch eine längere Schreibresidenz im Ausland. Schreiben hat eine unangenehme Eigenschaft: Kaum ist ein Buch erschienen, beginnt bereits das nächste im Kopf zu lärmen.

Was bewundern Sie an anderen Menschen?

Menschen, die Haltung zeigen, auch wenn sie dafür keinen Applaus bekommen.

Was wäre die grösste Überraschung für jemanden, der Ihren Job einen Tag lang übernehmen müsste?

Dass die Seite am Abend immer noch weiss ist, wenn man nichts geschrieben hat. Und das Schreiben zu einem erstaunlich grossen Teil aus Streichen, Verwerfen und Zweifeln besteht – und zu einem erstaunlich kleinen Teil aus Champagner und Buchvernissagen.

Welches ist Ihr persönlicher Antrieb?

Neugier und Wissensdurst. Ich möchte wissen, was hinter der nächsten Ecke kommt. Im Leben genauso wie in meinen Büchern. Wobei ich bei Letzteren zumindest gelegentlich Einfluss darauf nehmen kann.

Wovor fürchten Sie sich?

Für mich selbst bin ich erstaunlich furchtlos. Wenn einmal etwas nicht gelingen sollte, wäre es höchstens eine Enttäuschung – also das Ende einer Täuschung. Furcht im Sinne von «Angst haben um …» kenne ich nur, wenn es um andere geht.

Ihre Lieblingsuhrenmarke?

Mein zweiter Familienname ist portugiesisch. Die «Portugieser» von IWC war daher fast schon Pflicht.

Gibt es einen unerfüllten Traum, den Sie noch verwirklichen möchten?

Eine Romanverfilmung! Ich habe lange in einem angelsächsisch geprägten Umfeld gearbeitet. Davon ist mir zumindest eines geblieben: Man darf ruhig etwas grösser träumen.

Ihr bestes Investment?

Rückblickend warf die Zeit, die ich bewusst investiert habe, immer die beste Rendite ab: Zeit für die Familie, Zeit für den Beruf, Zeit für Aus- und Weiterbildung, Zeit für mich selbst.


Andreas Russenberger (1968) studierte Geschichte und Politologie an der Universität Zürich und absolvierte Weiterbildungen in St. Gallen und Stanford. Viele Jahre leitete er die globale Vermögensverwaltung einer Grossbank. Heute ist er Schriftsteller und Präsident des Verbands Autorinnen und Autoren der Schweiz. Seine Bücher wurden für Literaturpreise nominiert und stehen regelmässig auf den Bestsellerlisten. Russenberger lebt in Arosa. Im September erschien mit «Zürich City» sein achter Roman.