Fehlgeschlagene Zahlungen kosten Banken viele Millionen
Fehlgeschlagene oder verzögerte Zahlungen sind für Banken weit mehr als ein technisches Ärgernis. Sie verursachen zusätzliche Kosten, belasten die Kundenbeziehungen und können dazu führen, dass Kunden zu anderen Anbietern wechseln.
Wie die am Mittwoch veröffentlichte Studie «True Impact of Failed Payments 2026» von LexisNexis Risk Solutions zeigt, verlieren drei Viertel der befragten Finanzinstitute durch fehlgeschlagene Zahlungen jährlich bis zu fünf Millionen Dollar an Kundenumsätzen.
Für die Untersuchung wurden 150 Führungskräfte aus dem Zahlungsverkehr von Finanzinstituten in verschiedenen Weltregionen befragt.
Hohe Kosten für jede fehlgeschlagene Zahlung
Bei 37 Prozent der Finanzinstitute verursacht eine fehlgeschlagene oder verzögerte Zahlung Kosten von mehr als 20 Dollar. Über Gebühren lässt sich dieser Aufwand nur teilweise ausgleichen. Üblicherweise verrechnen die Institute pro gescheiterter Transaktion lediglich elf bis 15 Dollar.
Wie schnell sich die Kosten summieren, zeigt eine Modellrechnung der Studienautoren: Eine Bank, die täglich 10'000 grenzüberschreitende Zahlungen verarbeitet und eine Automatisierungsquote von 95 Prozent erreicht, muss dennoch 500 Transaktionen manuell nachbearbeiten.
Bei durchschnittlichen Kosten von 12,10 Dollar pro Fall entspricht dies einem Aufwand von gut 6'000 Dollar täglich beziehungsweise rund 2,2 Millionen Dollar im Jahr. Hinzu kommen mögliche zusätzliche Personalkosten sowie finanzielle Folgen durch unzufriedene Kunden.
Jede zehnte Zahlung scheitert beim ersten Versuch
Die Studie zeigt erheblichen Nachholbedarf bei der automatisierten Zahlungsabwicklung. Nur zwei Prozent der befragten Finanzinstitute erreichen bei grenzüberschreitenden Zahlungen eine sogenannte Straight-Through-Processing-Quote (STP) von nahezu 100 Prozent. Lediglich neun Prozent erzielen eine Automatisierungsquote von mehr als 95 Prozent. Vier von fünf Instituten sind mit ihren aktuellen Werten unzufrieden.
Besonders auffällig: Rund jede zehnte grenzüberschreitende Zahlung scheitert beim ersten Versuch.
Als wichtigste Ursachen identifiziert die Untersuchung fehlerhafte Zahlungsdaten. Bei 21 Prozent der gescheiterten Zahlungen sind falsche Angaben zum Begünstigten verantwortlich. Probleme mit Kontonummern und fehlerhafte Bankverbindungsdaten machen jeweils rund 15 Prozent aus.
Banken verlieren wegen Zahlungsproblemen Kunden
Die Folgen beschränken sich nicht auf die internen Kosten. Rund ein Drittel der befragten Finanzinstitute gibt an, wegen fehlgeschlagener Zahlungen zwischen zwei und fünf Prozent seiner Kunden zu verlieren. Gleichzeitig sind 90 Prozent überzeugt, dass hohe Automatisierungsquoten einen positiven Einfluss auf die Kundenbindung haben.
«Fehlgeschlagene Zahlungen führen zu finanziellen Verlusten, Reibung im Kundenverhältnis und operativer Nacharbeit», erklärt Vijay Nagarajan, Director of Market Planning, Payments Efficiency bei LexisNexis Risk Solutions.
Viele dieser Probleme seien vermeidbar. Eine bessere Prüfung und Validierung von Zahlungsdaten könne Fehler bereits bei der Auslösung einer Transaktion erkennen.
Europa liegt im internationalen Vergleich vorne
Die Leistungsfähigkeit der Zahlungsabwicklung unterscheidet sich je nach Weltregion erheblich. Europa schneidet dabei am besten ab: 92 Prozent der befragten Finanzinstitute geben an, dass weniger als fünf Prozent ihrer Zahlungen fehlschlagen oder sich verzögern.
Im asiatisch-pazifischen Raum erreichen 77 Prozent der Institute diesen Wert, in Nordamerika sind es 69 Prozent. Deutlich schlechter sieht es im Nahen Osten aus, wo nur rund 40 Prozent der Institute eine entsprechend niedrige Fehlerquote melden. In Lateinamerika sind es 26 Prozent, in Afrika lediglich 19 Prozent.
Als Ursachen nennen die Studienautoren unterschiedliche Clearing-Systeme, regulatorische Anforderungen, uneinheitliche Zahlungsdaten und eine teilweise fragmentierte Bankeninfrastruktur. Für die Schweiz enthält die Untersuchung keine separat ausgewiesenen Ergebnisse.
Bessere Daten statt aufwendiger Nachbearbeitung
Ein wichtiger Ansatz zur Verbesserung der Zahlungsabwicklung ist die frühzeitige Kontrolle von Empfänger- und Kontodaten. Von den Finanzinstituten, die bereits entsprechende Validierungslösungen eingeführt haben, berichten zwei von fünf über eine Verbesserung ihrer Automatisierungsquote um mehr als 25 Prozent.
Auch der internationale Nachrichtenstandard ISO 20022 soll dazu beitragen, Zahlungsinformationen strukturierter und vollständiger zu übermitteln. «Viele dieser Fälle gehen auf klar identifizierbare Mängel in den Zahlungsdaten zurück», sagt Robin LoGiudice, Strategic Advisor bei Datos Insights.
Für Banken ergibt sich daraus ein erheblicher wirtschaftlicher Anreiz, ihre Zahlungsprozesse stärker zu automatisieren. Denn die Kosten fehlgeschlagener Transaktionen bestehen nicht nur aus der manuellen Nachbearbeitung, sondern auch aus entgangenen Erträgen und dem möglichen Verlust von Kunden.















