Wall Street Journal: UBS erwägt erneut Wegzug aus der Schweiz
Die UBS prüft offenbar Szenarien für eine mögliche Verlegung ihres Hauptsitzes ins Ausland. Hintergrund sind geplante strengere Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken in der Schweiz. Wie das «Wall Street Journal» am Donnerstag unter Berufung auf Kreise berichtet, haben die Grossbank und ihre Berater entsprechende Notfallpläne ausgearbeitet. Zudem soll die UBS Anfragen potenzieller US-amerikanischer Geschäftspartner zu möglichen Transaktionen erhalten haben.
Zu den diskutierten Optionen gehören dem Bericht zufolge der Kauf eines US-Finanzinstituts mit anschliessendem Umzug, eine Fusion mit einem europäischen Wettbewerber oder eine Übernahme durch ein US-Unternehmen. Konkrete Verhandlungen sollen bislang nicht laufen. Auch formelle Schritte für eine Transaktion seien nicht eingeleitet worden.
Auslöser sind die geplanten Verschärfungen der Eigenkapitalanforderungen für Grossbanken, die nur die UBS betreffen werden. Die Schweizer Behörden wollen damit sicherstellen, dass der Staat im Falle einer erneuten Bankenkrise nicht wieder mit umfangreichen Hilfsmassnahmen eingreifen muss. Die Massnahmen stehen im Zusammenhang mit der Rettung der Credit Suisse durch die UBS im Jahr 2023.
Kosten von 16 Milliarden Dollar
Die UBS schätzt, dass die vorgeschlagenen Regeln zusätzliche Eigenkapitalanforderungen mit Kosten von rund 16 Milliarden Dollar nach sich ziehen könnten. Nach dem aktuellen Vorschlag hätte die Bank sieben Jahre Zeit, die neuen Vorgaben schrittweise umzusetzen. Die Gesetzesvorlage steht als nächstes zur Beratung im Nationalrat an.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter hält einen Wegzug laut früheren Äusserungen für unwahrscheinlich. Sie argumentiert, dass ein solcher Schritt für die UBS teurer wäre als ein Verbleib in der Schweiz.
Ein möglicher Wegzug hätte erhebliche wirtschaftliche und symbolische Bedeutung. Die Vermögenswerte der UBS belaufen sich auf rund 1,7 Billionen US-Dollar und entsprechen damit etwa 150 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung. Die Bank zählt zu den bedeutendsten Finanzinstituten des Landes und ist ein wichtiger Bestandteil des Schweizer Finanzplatzes.
Schweizer Inlandgeschäft beibehalten
Auch bei einem Wegzug des Hauptsitzes könnte die UBS ihr Schweizer Inlandgeschäft beibehalten oder dieses separat organisieren. Nach eigenen Angaben vergibt die Bank Kredite von rund 417 Milliarden Dollar an Schweizer Unternehmen und Haushalte und erzielt etwa ein Drittel ihrer Einnahmen im Inland.
Laut dem «Wall Street Journal» befürworten unterdessen einzelne Grossaktionäre, darunter Cevian Capital und Artisan Partners, eine Prüfung möglicher Alternativen ausserhalb der Schweiz. UBS-Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher soll ebenfalls zunehmend offen dafür sein, entsprechende Optionen zu untersuchen.
Eine endgültige Entscheidung sei bislang nicht getroffen worden. Die UBS könnte sich weiterhin für einen Verbleib in der Schweiz entscheiden, heisst es weiter. Die Auseinandersetzung um die Kapitalvorschriften dürfte jedoch die strategische Ausrichtung der Grossbank und die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes weiter prägen.















