Altersvorsorge: Die Schweiz bleibt Spitze – mit einem Schwachpunkt
Die Schweiz belegt im diesjährigen Global Retirement Index von Natixis Investment Managers den vierten Platz. Mit einer Gesamtbewertung von 79 Prozent bleibt sie in der Spitzengruppe der 44 untersuchten Länder, fällt gegenüber dem Vorjahr aber um einen Rang zurück.
Norwegen führt die Rangliste mit 83 Prozent vor Irland mit 81 Prozent an. Die Niederlande ziehen an der Schweiz vorbei vom sechsten auf den dritten Platz. Dass beide Länder mit 79 Prozent ausgewiesen werden, liegt an der Rundung der veröffentlichten Werte.
Materielles Wohlergehen fällt zurück
Hinter dem guten Schweizer Gesamtergebnis stehen unterschiedliche Entwicklungen. In drei der vier untersuchten Bereiche erreicht das Land eine Top-Ten-Platzierung: Rang zwei bei der Gesundheit, Rang drei bei den Finanzen im Ruhestand und Rang acht bei der Lebensqualität.
Beim materiellen Wohlergehen rutscht die Schweiz hingegen um acht Plätze auf Rang 15 ab. Dieser Bereich bildet damit den grössten Schwachpunkt im Schweizer Ergebnis; die Mitteilung nennt keine konkreten Ursachen für den Rückgang.
Bei der Gesundheit verbessert sich die Bewertung dagegen von 91 auf 93 Prozent. Die Schweiz weist laut Index zudem die höchste Lebenserwartung unter den untersuchten Ländern auf. Die Bewertung der Lebensqualität steigt von 80 auf 82 Prozent, jene der Finanzen im Ruhestand verharrt bei auf Prozent.
Mehr als ein Vergleich der Rentensysteme
Der gemeinsam mit CoreData Research erstellte Index untersucht die Rahmenbedingungen für finanzielle Sicherheit im Alter. Er ist damit kein reiner Leistungsvergleich von Pensionskassen oder staatlichen Rentensystemen, wie es in der Mitteilung vom Mittwoch heisst.
In die Bewertung fliessen 18 Indikatoren ein, verteilt auf die Bereiche Finanzen im Ruhestand, materielles Wohlergehen, Gesundheit und Lebensqualität. Die Analyse für die Ausgabe 2026 erfolgte zwischen März und Mai dieses Jahres.
Längeres Leben, höhere Finanzierungslast
Natixis sieht die Altersvorsorge weltweit unter zunehmendem Druck. Eine alternde Bevölkerung trifft auf hohe Staatsschulden und in vielen Ländern auf anhaltende Inflation. Gleichzeitig müssen Ersparnisse einen längeren Ruhestand finanzieren.
Viele Vorsorgesysteme beruhten noch auf den wirtschaftlichen und demografischen Voraussetzungen des vergangenen Jahrhunderts. Veränderte Erwerbsbiografien und eine höhere Lebenserwartung machten Anpassungen notwendig.
Sophie Courmont, bei Natixis Investment Managers verantwortlich für die Schweiz, Liechtenstein und Israel, sieht sowohl Politik als auch Einzelpersonen in der Pflicht. Die Politik müsse den Zugang zu Vorsorgelösungen erleichtern und langfristiges Sparen fördern. Zugleich bleibe der frühzeitige, regelmässige Vermögensaufbau ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Absicherung.
Vier von zehn Anlegern fürchten eine Vorsorgelücke
Wie ausgeprägt die Sorgen sind, zeigt eine ergänzend herangezogene internationale Anlegerbefragung von Natixis. Dafür wurden im Februar und März 2025 insgesamt 7’050 Privatanleger in 21 Ländern befragt.
40 Prozent befürchten, im Ruhestand nicht genügend Geld zur Verfügung zu haben, um diesen geniessen zu können. 38 Prozent sorgen sich, dass die Inflation ihre Ersparnisse aufzehrt. Ein Drittel rechnet mit möglichen Leistungskürzungen.
43 Prozent meinen sogar, für einen finanziell abgesicherten Ruhestand brauche es «ein Wunder». Diese Zahlen beziehen sich auf die international befragten Anleger, nicht allein auf die Schweiz.
USA verlieren weiter an Boden
Unter den weiteren grossen Volkswirtschaften verbessert sich Deutschland um einen Platz auf Rang sieben. Das Vereinigte Königreich fällt auf Platz 15 zurück, die USA verlieren drei Ränge und liegen neu auf Platz 24.
Den stärksten Rückgang verzeichnet Finnland: Das Land fällt vom 23. auf den 35. Platz. Natixis führt dies auf eine Verschlechterung des materiellen Wohlergehens und eine hohe Arbeitslosigkeit zurück.
Für die Schweiz bleibt das Gesamtbild deutlich günstiger. Der Rückgang beim materiellen Wohlergehen zeigt jedoch, dass auch eine Spitzenposition nicht in allen Bereichen gleichermassen abgesichert ist.













