Finanzjobs werden knapper – diese Bereiche bieten noch Chancen

Für den Schweizer Finanzplatz eröffnen die geopolitischen Umwälzungen neue Chancen, für seine Beschäftigten hingegen wird das Umfeld anspruchsvoller.

82,5 Prozent jener, die an Berufsaussichten-Umfrage von finews, Swiss Finance Institute (SFI) und Communicators teilnahmen, rechnen mit weniger oder sogar drastisch weniger Stellen im Finanzbereich. Lediglich 4,8 Prozent erwarten einen Stellenzuwachs.

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Auch die Einschätzung der eigenen Berufsaussichten bleibt verhalten. 39,7 Prozent beurteilen diese als «gut/intakt» oder «sehr gut». Nur rund 15 Prozent bewerten sie allerdings tatsächlich negativ; der grosse Rest bewegt sich im Mittelfeld oder darüber.

KI ist im Arbeitsalltag angekommen

Ebenfalls deutlich manifestiert sich der Einfluss von künstlicher Intelligenz (KI): Für 49,5 Prozent der Befragten prägt KI den Arbeitsalltag bereits «sehr stark» oder «spürbar». Weitere 38,4 Prozent nutzen sie zumindest punktuell als Hilfsmittel. Damit haben fast neun von zehn Umfrageteilnehmern im Berufsalltag mit KI zu tun.

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Das schlägt auf die Karriereerwartungen durch: Fast die Hälfte (46,3 Prozent) nennt KI als einen der Faktoren, der ihre Karrierechancen am stärksten beeinträchtigen könnte. Nur die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland wird noch etwas häufiger genannt (46,7 Prozent).

Nicht mehr nur das Backoffice

Besonders gross ist die Sorge dort, wo sich Prozesse standardisieren lassen. 79,1 Prozent sehen Backoffice und Abwicklung durch KI unter Druck, im Retail Banking sind es 63 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass die Befragten inzwischen auch anspruchsvollere Funktionen als exponiert betrachten. 49 Prozent nennen Legal und Compliance, 47,8 Prozent die Informatik und 57,3 Prozent Marketing und PR.

Allerdings lässt sich aus diesen Zahlen weniger ein genereller Trend als ein Stimmungsbild ablesen. 

Family Offices als Karrierehoffnung

Dazu passt: Die besten Karrierechancen sehen die Befragten vor allem in Bereichen, in denen persönliche Beziehungen und individuelle Beratung eine zentrale Rolle spielen.

48 Prozent nennen Family Offices als besonders aussichtsreich. Dahinter folgen Private Banking und Wealth Management, digitale Produktinnovationen sowie Private Equity.

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Damit ergibt sich ein interessantes Muster: Während standardisierbare Tätigkeiten aus Sicht der Befragten stärker unter Automatisierungsdruck geraten, gewinnen betreuungsintensive und spezialisierte Tätigkeiten rund um vermögende und sehr vermögende Kunden an Attraktivität.

Der Mensch wird wichtiger

Die KI-Revolution könnte damit Fähigkeiten aufwerten, die Maschinen aktuell schwer ersetzen können. Sozialkompetenz und Veränderungsbereitschaft werden denn auch als wichtige Kompetenzen in Zukunft genannt.

Auch permanente Weiterbildung wird von mehr als der Hälfte als zentral angesehen. Gefragt sind insbesondere Angebote in Informatik und Fintech sowie im Risk Management. Bei Weiterbildungen spielt zudem deren unmittelbare Relevanz für den beruflichen Alltag eine wichtige Rolle.

Der erfolgreiche Finanzprofi der Zukunft dürfte deshalb nicht einfach möglichst viel Technologie beherrschen müssen. Gefragt ist vielmehr die Kombination aus technologischem Verständnis, Fachwissen, Anpassungsfähigkeit und ausgeprägten zwischenmenschlichen Fähigkeiten.

Auch bei Löhnen wächst die Skepsis

Die verhaltenen Berufsaussichten spiegeln sich in den Erwartungen an die Vergütung.

28,4 Prozent der Befragten erhielten zuletzt keinen Bonus. 2025 waren es 22,5 Prozent, 2024 noch 19,5 Prozent. Dieser Vergleich sollte wegen der unterschiedlichen Stichproben vorsichtig interpretiert werden.

Noch deutlicher ist die Skepsis beim Blick nach vorne: 46 Prozent rechnen damit, dass die durchschnittlichen Fixlöhne in den kommenden fünf Jahren leicht oder drastisch sinken werden. Nur 24,1 Prozent erwarten höhere Fixsaläre.

Bei den Boni gehen 56,8 Prozent von sinkenden erfolgsabhängigen Vergütungen aus. Lediglich 19,7 Prozent rechnen mit einer Zunahme.

Dubai verliert an Strahlkraft

Während die Beschäftigten skeptischer auf ihre Karriere blicken, könnte der Finanzplatz Schweiz von den geopolitischen Verschiebungen profitieren.

Besonders auffällig ist die Einschätzung Dubais. Nur noch 5,6 Prozent der Befragten nennen den Finanzplatz als besonders aussichtsreich. 2025 waren es 30,6 Prozent.

64,4 Prozent erwarten allerdings, dass mögliche Kapitalabflüsse aus dem Nahen Osten nicht an einen einzelnen Finanzplatz gehen, sondern sich international verteilen.

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Unter den potenziellen Profiteuren sehen die Befragten vor allem Singapur und Zürich. Singapur wird von 40,8 Prozent als besonders aussichtsreiches Finanzzentrum genannt. Zürich erreicht 18,8 Prozent.

Auch hier gilt: Aufgrund der kleineren und anders zusammengesetzten Stichprobe lässt sich aus der Veränderung gegenüber 2025 keine exakte Verschiebung internationaler Kapitalströme ableiten. Sie zeigt vielmehr eine deutliche Veränderung in der Wahrnehmung.

UBS-Wegzug gilt als wenig wahrscheinlich

Auch die Debatte über die künftige Regulierung der UBS beschäftigt die Branche.

54,2 Prozent der Befragten beurteilen die Gefahr, dass die Grossbank aufgrund schärferer regulatorischer Vorgaben die Schweiz verlassen könnte, als «eher gering» oder «sehr gering». 18 Prozent halten das Risiko dagegen für «eher gross» oder «sehr gross».

Über die Konsequenzen eines solchen Schritts herrscht deutlich mehr Einigkeit: 77,7 Prozent erwarten im Falle eines Wegzugs eher oder sehr negative Auswirkungen auf den Finanzplatz und die Schweizer Volkswirtschaft.

Homeoffice findet sein Gleichgewicht

Bei einem anderen grossen Umbruch der vergangenen Jahre scheint sich die Lage dagegen zu stabilisieren.

76,9 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten zumindest zeitweise im Homeoffice gearbeitet. Das Modell mit ein bis drei Tagen Arbeit von zu Hause hat sich damit aus Sicht der Befragten weitgehend etabliert.

Der Wunsch nach zusätzlichem Homeoffice scheint dagegen etwas nachzulassen. 60,7 Prozent möchten künftig regelmässig von zu Hause arbeiten.

Keine Bereitschaft für Lohneinbusse

Interessant ist zudem der Preis, den die Beschäftigten dafür zu zahlen bereit wären: 75,3 Prozent würden für mehr Homeoffice keinerlei Lohneinbusse akzeptieren.

Die Schweizer Finanzbranche bleibt damit aus Sicht vieler Befragter ein attraktives Berufsfeld – aber eines, in dem der Wettbewerb um die guten Jobs härter werden dürfte.


An der Umfrage 2026 zu den Berufsaussichten in der Schweizer Finanzbranche beteiligten sich rund 700 Personen. Die Umfrage wird seit 2012 jährlich durchgeführt.