Bankberater bleiben (noch) Nummer eins
Bankberater müssen ChatGPT und Co. noch nicht fürchten – zumindest wenn man die gesamte Schweizer Bevölkerung betrachtet. Eine repräsentative Untersuchung des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Finpension zeigt einen weiterhin deutlichen Vertrauensvorsprung der klassischen Beratung.
Für die Studie befragte das Marktforschungsinstitut Demoscope im Februar 2026 insgesamt 1'016 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Die Stichprobe ist hinsichtlich Alter, Geschlecht und Sprachregion repräsentativ.
Bankberater mit deutlichem Vorsprung
Bei konkreten Anlageempfehlungen erreichen Bank- und Finanzberater über alle Altersgruppen hinweg einen Vertrauenswert von durchschnittlich 3,7 von fünf Punkten. Finfluencer kommen dagegen lediglich auf 1,9 Punkte.
Auch bei der Beschaffung von Finanzwissen dominieren etablierte Kanäle. Klassische Medien werden von 51 Prozent als wichtig oder sehr wichtig eingestuft. Für gut die Hälfte gilt dies auch für Bankberater. Freunde und Familie erreichen 44 Prozent und die Websites der Banken 40 Prozent.
KI spielt in der Gesamtbevölkerung dagegen noch eine vergleichsweise kleine Rolle: 18 Prozent beurteilen sie als wichtige oder sehr wichtige Informationsquelle. Bei sozialen Medien sind es 15 Prozent.
Grosse Unterschiede
Der Durchschnitt verdeckt allerdings einen ausgeprägten Generationeneffekt. Bei den Babyboomern beträgt die Vertrauenslücke zwischen Bankberatung und den neuen Informationsquellen bis zu 2,4 Punkte. Bei der Generation X sind es noch 1,8 Punkte und bei den Millennials 1,7 Punkte.
Bei der Generation Z schrumpft die Lücke auf lediglich 0,7 Punkte gegenüber Finfluencern. Noch bemerkenswerter ist der Vergleich mit KI: Hier beträgt der Vertrauensvorsprung der Bankberatung gerade einmal 0,1 Punkte.
«Auffällig ist dabei vor allem, dass die Generation Z bei Anlageentscheidungen den KI-Anwendungen nahezu gleich viel Vertrauen schenkt wie dem Bankberater», halten die Studienautoren Andreas Dietrich, Reto Rey und Beat Bühlmann fest.
Rund 200'000 Anleger nutzen regelmässig Finfluencer
Auch bei Finfluencern zeigt sich eine deutliche Kluft zwischen den Generationen. Insgesamt bleiben sie zwar ein Nischenphänomen: 76 Prozent der Anleger haben sich noch nie über Finfluencer zu Finanzthemen informiert, weitere neun Prozent tun dies nur selten.
Lediglich fünf Prozent nutzen Finfluencer täglich oder mehrmals pro Woche. Hochgerechnet entspricht das laut Studie dennoch rund 200'000 Anlegern in der Schweiz.
Bei den Jungen sieht das Bild deutlich anders aus. Von den bereits investierenden Angehörigen der Generation Z haben sich 61 Prozent mindestens einmal bei einem Finfluencer informiert. Bei den Millennials sind es 32 Prozent, bei der Generation X 13 Prozent und bei den Babyboomern lediglich acht Prozent.
Wer bereits investiert, informiert sich stärker
Die Studie zeigt zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Geldanlage und Informationsverhalten. Anleger beschäftigen sich wesentlich häufiger mit Finanz- und Wirtschaftsthemen als Menschen ohne Wertschriften.
Ähnliches gilt für das Finanzwissen: Personen mit hohem Finanzwissen informieren sich deutlich häufiger. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Kausalität offenbleibt – also ob mehr Information zum Investieren führt oder Anleger sich aufgrund ihrer Investments intensiver informieren.
Unterschiede gibt es auch zwischen Geschlechtern, Einkommens- und Bildungsgruppen sowie Regionen. Frauen informieren sich laut Studie signifikant weniger aktiv über Finanz- und Wirtschaftsthemen als Männer. Mit Einkommen und Bildungsniveau nimmt die Informationsaktivität zu. In der Westschweiz ist das Interesse geringer als in der Deutschschweiz.
Banken stehen vor einem Generationenproblem
Für die Banken sind die Resultate damit zweischneidig. Kurzfristig bleibt ihre Ausgangslage komfortabel: Keine der neuen Informationsquellen erreicht über die Gesamtbevölkerung annähernd das Vertrauen der persönlichen Beratung.
Langfristig deutet die Untersuchung aber auf eine Verschiebung hin. Jüngere Anleger verteilen ihre Aufmerksamkeit stärker auf klassische, persönliche und digitale Informationsquellen.
Die Studienautoren formulieren es entsprechend: Der Vertrauensvorsprung der Banken sei zwar weiterhin eine «sehr gute Ausgangslage». Gerade die junge Generation zeige aber, «dass dieser Vorsprung nicht mehr selbstverständlich ist».















