ETF-Boom: Die Frauen treiben das Wachstum

Der Boom der Exchange Traded Funds (ETFs) setzt sich in der Schweiz fort. Mittlerweile investieren 35 Prozent der Schweizer Anlegerinnen und Anleger in börsengehandelte Fonds. Vor einem Jahr waren es erst 31 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um vier Prozentpunkte.

Dies zeigt die neue «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026» der Hochschule Luzern (HSLU), die im Auftrag des Finanzportals finanzen.ch erstellt wurde. Besonders verbreitet sind ETFs bei jüngeren Anlegern. Von den unter 45-Jährigen nutzen bereits 44 Prozent entsprechende Produkte, bei den mindestens 45-Jährigen sind es lediglich 26 Prozent.

Frauen sorgen für 70 Prozent des Wachstums

Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei den Frauen. Der Anteil der Anlegerinnen, die ETFs besitzen, stieg innerhalb eines Jahres von 21 auf 27 Prozent. Das entspricht einem Zuwachs um sechs Prozentpunkte. Bei den Männern betrug das Plus dagegen lediglich einen Prozentpunkt. Damit entfallen 70 Prozent des gesamten Zuwachses auf Frauen.

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Quelle: «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026» der Hochschule Luzern (HSLU)

«Der starke Zuwachs bei Frauen zeigt, dass ETFs in immer breiteren Anlegerkreisen Fuss fassen. ETFs sind auf dem Weg, klassische Anlagefonds als Standardprodukt in Schweizer Anlageportfolios abzulösen – insbesondere bei Jüngeren», sagt Studienleiter Brian Mattmann von der Hochschule Luzern.

Die Entwicklung spiegelt sich auch beim Finanzwissen wider. Der Anteil der Frauen mit mindestens grundlegenden ETF-Kenntnissen erhöhte sich von 38 auf 44 Prozent. Bei den Männern blieb dieser Wert unverändert bei 64 Prozent.

Die Wissenslücke zwischen den Geschlechtern hat sich damit zwar verkleinert, beträgt aber weiterhin «beträchtliche» 20 Prozentpunkte. Zur Ermittlung des Wissensstandes mussten die Befragten acht standardisierte Fragen beantworten.

FinFluencer beeinflussen eher die Frauen

Eine zunehmend wichtige Rolle bei der Informationsbeschaffung spielen FinFluencer, die über soziale Medien Finanz- und Anlagethemen vermitteln. Bereits 37 Prozent der ETF-Anleger hatten Kontakt mit entsprechenden Angeboten. Über sämtliche Anleger hinweg liegt dieser Anteil bei 22 Prozent. Unter ETF-Investoren unter 45 Jahren haben sich sogar 51 Prozent mit solchen Inhalten beschäftigt.

Dabei steht das Thema ETFs besonders häufig im Vordergrund. Von den ETF-Anlegern mit FinFluencer-Kontakt haben 74 Prozent entsprechende Beiträge wahrgenommen. Bemerkenswert ist vor allem der Einfluss auf Frauen. 77 Prozent der ETF-Anlegerinnen mit FinFluencer-Kontakt geben an, dadurch ihr Verständnis von Finanzanlagen verbessert zu haben.

Bei mehr als jeder zweiten dieser Anlegerinnen wurde nach eigenen Angaben auch ein Kaufentscheid beeinflusst. Unter den Männern liegt dieser Anteil bei 30 Prozent.

Neue Verantwortung für Finanz-Influencer

Mit dem wachsenden Einfluss steigen auch die Anforderungen an die Informationsqualität. «FinFluencer sind mehr als ein Randphänomen der Finanzkommunikation, sie vermitteln Wissen und können sogar Anlageentscheide beeinflussen», sagt Co-Studienautor Jürg Fausch.

Entsprechend wichtig seien fachlich korrekte Inhalte und Transparenz über kommerzielle Interessen. Das betrifft nicht nur die FinFluencer selbst, sondern auch Banken und Finanzunternehmen, die mit ihnen zusammenarbeiten.

Aktive ETFs werden zum Wachstumssegment

Parallel zur steigenden Nachfrage verändert sich das Produktangebot. Während ETFs traditionell vor allem mit passiven Indexstrategien verbunden werden, gewinnen aktiv verwaltete Produkte an Bedeutung.

Mittlerweile werden 13 Prozent der in der Schweiz verfügbaren ETFs aktiv gemanagt. Bei den neu lancierten Produkten entfällt bereits fast jeder zweite ETF auf eine aktive Strategie.

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Quelle: «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026» der Hochschule Luzern (HSLU).

Die grössere Auswahl bringt allerdings auch zusätzliche Komplexität mit sich. Von den Befragten, die sich gegen aktive ETFs aussprechen, nennen 43 Prozent mangelndes Verständnis des Produktkonzepts als wichtigsten Grund.

ETF-Sparpläne verwalten bereits 800 Millionen Franken

Erstmals hat die Hochschule Luzern auch den Schweizer Markt für selbstverwaltete ETF-Sparpläne untersucht. Bei den analysierten Anbietern bestehen inzwischen mehr als 110'000 solcher Sparpläne. Das darin angelegte Vermögen übersteigt 800 Millionen Franken.

Dennoch ist die Verbreitung gemessen am Interesse noch vergleichsweise gering. Erst 14 Prozent der Anleger nutzen für ihr frei verfügbares Vermögen einen ETF-Sparplan. Rund ein Drittel bekundet Interesse an dieser Anlageform. Besonders stark vertreten sind wiederum jüngere Kunden: 73 Prozent der Nutzer von ETF-Sparplänen sind jünger als 45 Jahre.

Mehr als 3'500 Personen befragt

Die Studie basiert auf einer vom Marktforschungsinstitut intervista durchgeführten Befragung von 3'572 Personen zwischen 18 und 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. Die Erhebung fand vom 28. Mai bis 9. Juni 2026 statt und ist hinsichtlich Alter, Geschlecht und Sprachregion repräsentativ.