UBS: Mehrwertsteuer würde Haushalte mit tiefen Einkommen stärker belasten
Über die Vorlage stimmt die Schweizer Bevölkerung am 29. November ab. Bei einer Annahme würde die Mehrwertsteuer per 1. Januar 2028 steigen: Der Normalsatz soll von 8,1 auf 8,5 Prozent angehoben werden, der Sondersatz von 3,8 auf 4 Prozent. Der reduzierte Satz bliebe bei 2,6 Prozent. Die zusätzlichen Einnahmen sollen zur Finanzierung der 13. AHV-Rente beitragen.
Die Mehrwertsteuer wirkt laut der UBS-Analyse einkommensregressiv. Zwar zahlen Haushalte mit hohen Einkommen in absoluten Frankenbeträgen mehr Mehrwertsteuer. Gemessen am verfügbaren Einkommen ist die Belastung für Haushalte mit niedrigeren Einkommen jedoch grösser. Bei Einpersonenhaushalten unter 65 Jahren mit einem Bruttoeinkommen von 50'000 Franken entsprechen die heutigen Mehrwertsteuerausgaben laut Studie rund 3,9 Prozent des verfügbaren Einkommens. Bei einem Einkommen von 150'000 Franken sind es 2,8 Prozent.
Unterschiede würden weiter verstärkt
Die geplante Erhöhung würde diese Unterschiede weiter verstärken. Für einen Einpersonenhaushalt unter 65 Jahren mit 50'000 Franken Bruttoeinkommen entspräche die zusätzliche Mehrwertsteuer 0,17 Prozent des verfügbaren Einkommens, bei 150'000 Franken 0,13 Prozent. Weil tiefe Einkommen wenig direkte Steuern zahlen, fällt der Unterschied gemessen an der Steuerlast grösser aus: Die Mehrbelastung entspricht dort 1,4 Prozent der heute bezahlten Steuern, bei hohen Einkommen 0,6 Prozent.
Im Durchschnitt aller Haushalte wirkt die Mehrwertsteuererhöhung etwa so wie ein Anstieg der Krankenkassenprämien um 1,7 Prozent.
Besonders deutlich zeigt sich die Wirkung bei der Sparfähigkeit. Für Einpersonenhaushalte unter 65 Jahren würde die zusätzliche Mehrwertsteuerbelastung im höchsten Einkommenssegment rund 0,4 Prozent der Sparfähigkeit ausmachen. Im zweituntersten Einkommensquintil wären es dagegen rund 3,4 Prozent. Haushalte mit tiefen Einkommen könnten deshalb gezwungen sein, ihren Konsum einzuschränken oder weniger zu sparen.
Alle Haushalte betroffen
Die Auswirkungen wären dabei nicht auf einzelne Bevölkerungsgruppen beschränkt. Nach den Berechnungen der UBS wären grundsätzlich alle Haushalte betroffen, allerdings in unterschiedlichem Ausmass. Die Studie weist zudem darauf hin, dass die 13. AHV-Rente für Rentnerinnen und Rentner mit begrenzten finanziellen Ressourcen zwar eine Entlastung darstellen dürfte. Gleichzeitig würden diese Haushalte aber eine besonders hohe Mehrwertsteuerbelastung im Verhältnis zu ihrer finanziellen Situation tragen.
Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft
Die Analyse betrachtet dabei ausdrücklich nur die direkten Effekte höherer Konsumentenpreise. Die UBS weist darauf hin, dass eine Mehrwertsteuererhöhung zusätzlich indirekte Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft haben könnte, etwa über die Beschäftigung oder die Lohnentwicklung. Solche Effekte sind in den Berechnungen nicht berücksichtigt.
Für die Berechnung hat die UBS Daten der Schweizer Haushaltsbudgeterhebung von 2018 und 2019 verwendet. Die Studie unterstellt unter anderem, dass die höhere Mehrwertsteuer vollständig auf die Konsumentenpreise überwälzt wird und die Haushalte ihr Konsumverhalten nicht verändern. Damit handelt es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine Prognose der tatsächlichen künftigen Ausgaben.
Die UBS sieht in der Mehrwertsteuererhöhung zudem nicht die endgültige Lösung für die Finanzierung der AHV. Selbst bei einer Annahme der Vorlage dürften zusätzliche Massnahmen notwendig werden, um die finanzielle Stabilität der AHV angesichts des demografischen Drucks langfristig zu sichern.












