Rolex-Unikate: Aus 4 Millionen werden über 40 Millionen Franken

Bei Rolex gab es bislang die ungeschriebene Regel, keine Einzelstücke anzufertigen. Diese hat das Unternehmen vor einiger Zeit gebrochen. Die Genfer hatten für ihre «Four Seasons»-Kollektion vier einzigartige Versionen der Cosmograph Daytona geschaffen – je eine für Frühling, Sommer, Herbst und Winter. 

Ursprünglich war offenbar vorgesehen, die vier Uhren als Set für rund 4 Millionen Franken an einen ausgewählten Rolex-Kunden zu verkaufen. Das Interesse übertraf jedoch die Erwartungen. Laut dem Uhrenportal Hodinkee wurden während der Watches & Wonders Messe in Genf mehr als 1'000 Namen möglicher Käufer eingereicht. Mehrere Interessenten signalisierten demnach sogar ihre Bereitschaft, 10 Millionen Dollar zu bezahlen. 

Rolex entschied sich schliesslich für einen anderen Weg: Die vier Uhren wurden am Montagabend bei Auktionshaus Phillips in London einzeln und für einen guten Zweck versteigert.

Der Unterschied zwischen dem ursprünglich kolportierten Preis und dem tatsächlichen Ergebnis ist beträchtlich: Statt rund 4 Millionen Franken für das gesamte Set kamen bei Phillips 37,3 Millionen Pfund zusammen – umgerechnet rund 41,1 Millionen Franken.

Sommer ist knapp am teuersten

Den höchsten Preis erzielte die «Summer Daytona» aus Everose-Gold mit Türkis-Zifferblatt und «Heart of Ruby»-Totalisatoren. Sie brachte 10,3 Millionen Pfund. Nur knapp dahinter folgte die «Autumn Daytona» aus Gelbgold mit Mookait-Zifferblatt für 10,2 Millionen Pfund. 

Die «Winter Daytona» aus Platin ging für exakt 10 Millionen Pfund an einen neuen Besitzer. Vergleichsweise günstig war die «Spring Daytona» aus Weissgold: Sie kam für 6,8 Millionen Pfund unter den virtuellen Hammer. 

Käufer bleiben unbekannt

Wer die vier Uhren ersteigerte, wurde nicht bekannt gegeben. Damit ist auch offen, ob vier verschiedene Sammler zum Zug kamen oder einzelne Käufer mehrere Modelle erwarben.

Bemerkenswert ist zudem, dass bei dieser Auktion ausnahmsweise kein Käuferaufgeld erhoben wurde. Der gesamte Erlös geht an die Roger Federer Foundation und an Re:wild, die von Schauspieler Leonardo DiCaprio mitgegründete Naturschutzorganisation. Phillips bezeichnet die 37,3 Millionen Pfund als die bislang wertvollste einzelne Einlieferung bei einer Charity-Auktion. 

Es geht noch teurer

Wer denkt, es geht nicht mehr teurer irrt. Die Daytona von Schauspieler Paul Newman brachte bei einer Versteigerung schon 2017 knapp 18 Millionen Dollar ein. Bei der teuersten Rolex «Daytona Ref. 6239» liegt der Wert weniger in aussergewöhnlicher technischer Komplexität als in ihrer Geschichte. Seine Frau Joanne Woodward schenkte ihm die Edelstahluhr 1968. Auf der Rückseite liess sie angesichts seiner Motorsportleidenschaft die persönliche Warnung «Drive Carefully – Me» eingravieren.

Fast 50 Jahre blieb die Uhr im Umfeld der Familie Newman. Als sie 2017 bei Phillips in New York versteigert wurde, erreichte sie 17,75 Millionen Dollar.

Ebenso legendär ist die Patek Philippe Henry Graves Supercomplication. Die goldene Taschenuhr wurde für den New Yorker Banker und Uhrensammler Henry Graves Jr. angefertigt und 1933 fertiggestellt. Mit ihren 24 Komplikationen galt sie damals als die komplizierteste Uhr der Welt. Zu ihren Funktionen gehören Westminster-Schlagwerk, ewiger Kalender, Sonnenauf- und -untergang sowie eine Himmelskarte von New York, wie sie von Graves' Wohnung an der Fifth Avenue zu sehen war. Nach seinem Tod wechselte die Uhr mehrmals die Hand. 

1999 kaufte Scheich Saud bin Mohammed Al Thani aus der königlichen Familie von Qatar das seltene Werk für 11 Millionen Dollar, damals ein neuer Weltrekord für eine Uhr.  Nach seinem Tod versteigerte Sotheby's das Meisterwerk an einer Auktion fünf Jahre später für 24 Millionen Dollar an einen anonymer Käufer. Natürlich war dies ebenfalls (damals) ein Rekordwert.

Die offiziell teuerste Uhr der Welt bleibt damit (noch) die Patek Philippe Grandmaster Chime Ref. 6300A-010. Das Einzelstück erzielte 2019 bei der Wohltätigkeitsauktion Only Watch in Genf nicht weniger als 31,19 Millionen Dollar. Der Erlös floss vor sieben Jahren in die Forschung zur Muskelerkrankung Duchenne.