Banken: 10 Signale für den Totalumbau

Jetzt ist der Umbruch in vollem Gang. Es gibt bereits zahlreiche Indizien dafür, dass der Wandel in der Schweizer Finanzbranche unwiderruflich ist. 

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1. Der Privatbanken-Status verschwindet

Noch bis vor kurzem wäre es unvorstellbar gewesen, dass ausgerechnet die Aushängeschilder des Schweizer Bankwesens ihren einzigartigen Status der vollhaftenden Partner aufgeben. Doch schneller als man es je vermutet hätte, sind die Genfer Institute Pictet und Lombard Odier unter das Dach einer Kommandit-Aktiengesellschaft geflüchtet. Damit ist das scheinbar unverwüstliche Privatbanken-Modell am Ende – die verbleibenden Privatbanken sind bestenfalls noch Nebendarsteller im Swiss Banking.

2. UBS und Credit Suisse gehen getrennte Wege

Die Branche befindet sich nun im Trial-and-Error-Modus. Das zeigt sich daran, dass die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse unterschiedliche strategische Wege gehen. Während die UBS entschieden auf die Vermögensverwaltung setzt und dem Investmentbanking bloss noch eine Zulieferrolle attestiert, will die Credit Suisse nichts davon wissen. Neben ihrem Private Banking setzt sie auch weiterhin auf das Investmentbanking, das auch künftig einen signifikanten Ertragsanteil abliefern soll. Einzig in der Schweiz gehen die Konzerne noch ähnliche Wege und verstehen sich als Universalbanken.

3. Externe Vermögensverwalter müssen handeln

Die Luft wird dünn für die unabhängigen Vermögensverwalter. Seit dem Ende des klassischen Offshore-Banking in Europa erodieren die Erträge. Der verschärfte Wettbewerb verengt die Margen, und mit der zunehmenden Regulierung sind immer weniger External Asset Manager im Stande, allen Ansprüchen zu genügen. Das sich jetzt etwas ändert, zeigen verschiedene Initiativen für externe Vermögensverwalter: Die Credit Suisse will im Màrz eine Social-Media-Plattform für EAMs lancieren. Der Vermögensverwalter Reuss Private spannt ein Schweizer Haftungsdach auf, und die Zürcher WMPartners zeigen sich offen für übernahmewillige External Asset Manager. Weitere Projekte sind im Tun.

4. Neue Geschäftsmodelle sind neue Gebührenmodelle

Innovationen in Ehren. Am Ende des Tages entscheiden nicht neue Gadgets und Spielereien am iPad über die Zukunft der Schweizer Finanzbranche, sondern jene Geschäftsmodelle, die mit den steigenden Kosten und neuen Ertragsmöglichkeiten am besten umgehen können. Konkret wird es darum gehen, den Ausfall der Retrozessionen und Kick-backs mit neuen Honorarmodellen für die Beratung zu kompensieren. Jene Unternehmen, die solche Lösungen schon anbieten, sind in der «Pole-Position».

5. Heimmarkt auch für grosse Banken wieder wichtig

Je grösser eine Bank in der Vergangenheit wurde, desto mehr wandte sie sich vom Heimmarkt ab. Das offenbarte sich in den letzten zehn Jahren besonders bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse. Doch mit der Finanzkrise, den periodischen Unwägbarkeiten im Investmentbanking und dem Niedergang des europäischen Offshore-Banking haben die Schweizer Banken den Heimmarkt neu entdeckt. Bei der UBS ist das hiesige Bankgeschäft (wieder) der wichtigste Ertragspfeiler. Auch das ist ein unzweifelhaftes Signal für den epochalen Wandel in der Branche.

6. Der automatische Informationsaustausch vor der Tür

Lange war er Tabu und das Bankgeheimnis heilig. Davon ist man definitiv abgerückt. Mehr noch: Seit diesem Jahr wird sogar laut über den automatischen Informationsaustausch nachgedacht. Sowohl bei besonnenen Politikern, als auch bei Bankern ist das der Fall. Natürlich wünscht sich niemand den automatischen Informationsaustausch. Doch wenn er OECD-Standard wird, dürfte sich wohl auch die Schweiz danach richten müssen. Und laut nachgedacht wird vor allem deshalb, weil man bei solchen Vorstössen aus dem Ausland nicht – wie früher – auf dem linken Fuss erwischt werden möchte.

7. Kantonalbanken überdenken ihre Rolle

Jahrzehntelang brauchten sie sich nicht zu hinterfragen. Die Kantonalbanken existierten und verfolgten einen strammen Wachstumskurs. Spannend war dabei, dass sie sich höchst unterschiedlich entwickelten. Egal, ob sie noch ins Private Banking, ins ausländische Kreditwesen oder ins Investmentbanking einstiegen. Doch damit ist Schluss. Denn in den letzten zehn Jahren führte dieses Jekami auch zu allzu vielen «Unfällen», und der Bürger ist mittlerweile nicht mehr gewillt, für Bankprobleme zur Kasse gebeten zu werden. Daher überdenken die Kantonalbanken nun ihre Rolle; ein Indiz dafür: Es ist viel stiller geworden um sie.

8. Banken lernen ihre Kunden kennen

Solange die Geschäfte wie geschmiert liefen, kümmerten sich die Banken nicht wirklich um ihre Kunden. Viele Finanzhäuser sammelten zwar jede Menge Daten und Informationen über ihre Klientel. Doch damit hatte es sich. Wie zahlreiche Insider berichten, wurden die enormen Datenmenge kaum je kommerziell genutzt – bestenfalls noch als Daten-CD für ausländische Steuerbehörden! Nun haben die Banken haben ihre Daten nicht nur besser abgesichert, sondern sie sind nun auch daran, Konzepte zu erarbeiten, um das Wissen, das sie über ihre Kunden und deren Gewohnheiten und Interessen besitzen, wirtschaftlich zu nutzen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie künftig regelmässig von ihrer Bank mit Vorschlägen aller Art konfrontiert werden.

9. Toyota ist eingefahren

Lange war sie bloss eine Absicht, jetzt hat sie Gestalt angenommen: die Industrialisierung in der Bankenwelt. Was im Automobilsektor – mit dem Paradebeispiel von Toyota – längst selbstverständlich ist, dass nämlich grosse Teile der Wertschöpfungskette ausgelagert respektive von aussen bezogen werden, hat nun auch bei vielen Geldhäusern Einzug gehalten. Im Rahmen von so genannten Industrialisierungsprozessen dürfte sich die Branche wesentlich stärker verändern, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Damit geht selbstverständlich ein weiterer Arbeitsplatzabbau einher.

10. Eigenkapital ist matchentscheidend

Heute hebt jede Bank hervor, wie solid ihr Eigenkapital ist. Das war früher weniger der Fall. Der neue Ausweis der Stärke ist ein weiteres Signal dafür, dass mit den Erfahrungen aus der Finanzkrise nun auch noch andere Faktoren zählen.


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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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