Wo Schweizer Banker noch freie Bahn haben

In Asien und Afrika wächst die Zahl der Millionäre rasant – und dort gelten keine OECD-Regeln. Das könnte die Schweizer Privatbanken wieder zu gewagten Spielchen verleiten.

Aktenkoffer © Shutterstock

Steuerstreit, schwarze Listen, Druck vom Gesetzgeber – das alles sorgte in den vergangenen Jahren dafür, dass sich das Schweizer Private Banking vom Geschäft mit unversteuertem ausländischem Geld verabschieden musste. Das Bankgeheimnis wurde durchlöchert. An seine Stelle traten Weissgeldstrategie und nun der Automatische Informationsaustausch (AIA) nach OECD-Standard.

Für die Privatbanker bedeutet das seither: tiefere Margen, Strukturkrise, drohende Arbeitslosigkeit. Und den Zwang, das Private Banking «Swiss Made» neu zu erfinden.

Grösstes Wachstum ausserhalb der OECD

Oder doch nicht? Wie sich zeigt, gibt es eine Zukunft, die nicht gar so düster scheint. In der Welt gibt es nämlich Regionen, wo die Vermögen rasant wachsen, und wo sinnigerweise die harten Standards der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) nicht gelten.

Dies jedenfalls lässt der Global Wealth Report 2014 vermuten, welche die Grossbank Credit Suisse (CS) am Dienstag veröffentlicht hat. Die Projektion der CS zur Zahl der Millionäre im Jahr 2019 ergibt ein interessantes Bild. Das stärkste Wachstum wird gerade für Länder erwartet, die nicht der OECD angehören, bei denen sich also die Steuerthematik (noch) gar nicht stellt.

Doppelt soviele afrikanische Millionäre

So soll Afrika gemäss der Credit Suisse in fünf Jahren 93 Prozent mehr Millionäre zählen – und nur Israel im Nahen Osten gehört der OECD an. Aus Sicht der Schweizer Privatbanken ist die Erschliessung des Markts schon in vollem Gange. So sind sowohl die UBS wie auch die CS bereits in Afrika tätig, während Julius Bär in der Golfregion sowie in Israel stark aufgestellt ist.

Chinas Millionärsschicht soll gemäss Projektion um 94 Prozent wachsen (siehe Grafik unten). Eine von Julius Bär und der Bank of China erstellte Studie kommt zum Schluss, dass die Kaste der Superreichen dort vermehrt Privatbank-Dienste in Anspruch nimmt. China ist dabei ebensowenig ein OECD-Land wie Malaysia, wo sich die Zahl der Millionäre der CS-Studie zufolge um 109 Prozent steigern könnte.

Run auf Schwellenländer

Das ist viel mehr als die immer noch beachtlichen Millionärs-Wachstums-Raten in OECD-Ländern wie Nordamerika (38 Prozent), Deutschland (65 Prozent) oder Frankreich (70 Prozent).

Das sehen auch die Schweizer Banken so. Dort hat der Run auf die Vermögen in den Schwellenländern bereits eingesetzt. Gemäss der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind die Guthaben von Kunden aus aufstrebenden Ländern bei Schweizer Banken seit Anfang 2010 von knapp 82 Milliarden Franken auf gut 109 Milliarden Franken gestiegen.

In der gleichen Zeit nahmen die Guthaben aus fortgeschrittenen Volkswirtschaften von gut 327 auf knapp 300 Milliarden Franken ab. Damit besteht für Schweizer Privatbanken zumindest die Verlockung, das «alte Modell» in aufstrebenden Ländern zu exportieren.

Gefährliches Unterfangen

Dies wäre allerdings ein gefährliches Unterfangen. Wie sich zeigt, kann in der Steuerthematik das Klima blitzschnell umschlagen. Viele hiesige Player haben das erkannt und konzentrieren sich nur noch auf ein Handvoll Länder, deren Recht- und Steuersystem sie begreifen.

Dort können sie einen Schweizer Trumpf ausspielen, der gerade in aufstrebenden Ländern immer noch sticht: Stabilität und Frieden.

Anzahl Millionäre 2014 weltweit und Schätzung für 2019

Wealth 4

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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