Wird die UBS zur Bank ohne Menschen?

Industrialisierung, Technologisierung, Digitalisierung – die Umwälzungen verändern die Bankenwelt auf immer. Die UBS gehört zu jenen Instituten, in denen am intensivsten über die Zukunft nachgedacht wird. Auch über die Bank ohne Personal.

Zwei vollkommen verschiedene Ereignisse von vergangener Woche von zwei unterschiedlichen Grossbanken stehen in einem engen Zusammenhang: In der Deutschen Bank werden Massenentlassungen befürchtet, nachdem der neue CEO John Cryan im Back Office der Bank riesiges Sparpotenzial im Aufbau einer leistungsfähigeren IT sieht.

Daniel Ott 160In Zürich an der IT-Leistungsschau «ICT Skills 2015» sagte Daniel Ott (Bild), Chief Information Officer der UBS Schweiz: Die UBS arbeite an der Frage, ob man eine Bank ohne Menschen betreiben könnte.

Auto ohne Fahrer – Bank ohne Banker

Die Idee ist nur logisch: Wenn dank Einsatz von Big Data, der Cloud und smarten Technologien Google und Toyota Autos bauen können, die keinen Fahrer mehr brauchen, dann könnten Banken doch auch ohne Personal auskommen.

Will die UBS das wirklich? Ein Sprecher rückt die Aussage Otts ins rechte Licht. Mit der Frage der Bank ohne Menschen beschäftige sich der Think Tank UBS Y.

Ein uneingeschränktes Szenario

Dieser habe zur Aufgabe, sich mit den grossen Trends der nächsten 30 Jahre auseinanderzusetzen – unter anderem mit den Auswirkungen der Automatisierung auf die Unternehmenslandschaft. «Die Mitarbeiter von UBS Y stammen nicht aus der Banken-Welt und sollen als Think Tank die Strukturen grundsätzlich hinterfragen. Dabei sollen sie uneingeschränkt Szenarien durchspielen können», so der Sprecher.

Die automatisierte und durch intelligente Algorithmen geführte Bank – sie ist in Nischen bereits Realität: Online-Broker kommen mit einem Bruchteil des Personals aus. Robo-Advisor können mit einer Handvoll Programmierer Milliarden von potenziell Tausenden von Kunden verwalten. Fintech-Unternehmen und der Einsatz von Blockchain-Technologie würden ganze Geschäftsbereiche von Banken hinfällig machen.

Auslagern, automatisieren

Realität ist auch der Abbau von Personal, welches durch den Einsatz von IT und digitalen Prozessen ersetzt wird. Im August hat der Asset Manager GAM angekündigt, 15 Prozent seiner Mitarbeiter abzubauen.

Funktionen wie die Fondsbuchhaltung werden an State Street ausgelagert, wo die Prozesse weitgehend automatisiert sind. Dies seien die grösseren Trends in der Branche, sagte GAM-CEO Alex Friedman im Interview mit finews.ch.

Konkurrenz aus der Cloud

Gerade im Asset Management müssen hochbezahlte Fonds- und Portfoliomanager gegen die immer stärker erwachsende Konkurrenz passiver Anlageprodukte antreten, die ein Computerprogramm entwirft. Digitales Private Banking wie Truewealth, Nutmeg oder Wealthfront funktioniert im Prinzip genau gleich.

Die Asset Allokation wird auf Basis einer riesigen Datenmenge sowie vom Computer erstellten Anlegerprofilen vorgenommen. Der Einsatz von Personal ist noch minimal.

Kundenberater wird «niemals» ersetzt

Im Private Banking herrscht dagegen die Meinung vor: Vieles lässt sich digitalisieren, die Kundenberatung aber nicht. Die UBS als weltweit grösster Wealth Manager denkt zwar über die Bank ohne Menschen nach, doch seien auch die Spezialisten nach ihren Zukunftforschungen zum Schluss gekommen, «dass die Technologie den Kundenberater bei der Bank unterstützt, aber niemals ersetzen kann,» so der UBS-Sprecher.

«Der Berater wird Schlüsselement in einer Vermögensverwaltung bleiben.» Mit dem Angebot Advice macht aber auch die UBS vor, wie intelligente Software im Beratungsgeschäft unterstützend eingesetzt wird. Diese überwacht die Kunden-Portfolios täglich auf Risiken und nennt dem Kundenberater die Empfehlungen für Anpassungen, welche dieser mit dem Kunden bespricht.

Virtuelle Berater in der Filiale

Banking ist traditionell eine Branche mit relativ wenig menschlicher Interaktion. Der Einsatz neuer Kommunikationstechnologien hat dies noch verstärkt: Konten lassen sich (in der Schweiz noch nicht) digital eröffnen, Geld wird online investiert, abgehoben oder transferiert, Kreditgeschäfte werden übers Internet abgewickelt.

Die «smart branch», die intelligente Bankfiliale ist längst Realität: In manchen Geschäftsstellen der Raiffeisen werden Kunden inzwischen von virtuellen Beratern auf einem lebensgrossen Bildschirm empfangen.

Riesiges Potenzial für Maschinen

Dass Technologisierung ganze Wirtschaftszweige «entvölkern» kann, ist Realität. Vor rund 150 Jahre war in den heutigen Industrieländern noch über die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Jetzt sind es unter 5 Prozent, während die Produktivität massiv gestiegen ist.

Die Zukunft im Banking birgt – so hart es klingt – ein riesiges Potenzial, Menschen durch Computer zu ersetzen. Je nach Geschäftsbereich und Ausrichtung einer Bank sind bis zur Hälfte der Angestellten in reinen Verwaltungstätigkeiten beschäftigt, ohne Kundenkontakt.

Eine UBS ganz ohne Menschen – das ist vielleicht bloss ein Szenario, welches in einem Think Tank durchgespielt wird. Eine UBS – und nicht nur diese Bank – mit viel weniger Menschen, ist hingegen ein Szenario, das kein Spiel mehr ist. Die ist einer der grösseren Trends der Branche.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DOSSIER BANKEN

Dossier Banken

Dossier UBS Dossier Credit Suisse Dossier Bank Vontobel Dossier Julius Bär Dossier Zürcher Kantonalbank

Die wichtigsten Schweizer Banken auf einen Blick:

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
  • Erfindungen, die Leben retten
  • So sehen die Innovations-Labs der Banken aus
  • Die geschrumpften Banken auf einen Klick
mehr

SELECTION

Wo die grossen Vermögen lagern

Hier liegt das Geld

Ein virtueller Rundgang durch die Tresore der Schweizer Banken.

Selection

Selection

Grauenvolle Arbeitstage eines Investmentbankers

Die erschreckende Chronik eines 24-Stunden-Tages.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

weitere News