Der neue Bizeps der Banken

Muskeln, Bild Shutterstock

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Für den Grossbankenvertreter, der einem in einer Bar nahe dem Zürcher Paradeplatz zufällig über den Weg läuft, gibt es nur ein Thema: Die abermals verschärften Eigenkapitalregeln kämen einem «Wachstumsverbot» gleich, ereifert er sich über seinen Espresso hinweg.

Das Wachstumsverbot – es findet sich in der Stellungnahme der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zur vom Schweizer Bundesrat geforderten Anpassungen der Eigenkapital-Bestimmungen. Und es ist nachzulesen in der «NZZ», die der von den Grossbanken empfundenen «de-facto-Grössenlimite» in einem Artikel nochmals viel Platz einräumt.

Erstarkte Lobby

Das alles lässt vermuten, dass das Swiss Banking – und allen voran die UBS und die Credit Suisse (CS) – keineswegs gewillt sind, die neuen Eckpunkte fürs Eigenkapital stillschweigend hinzunehmen. Das deckt sich mit einer weltweit entbrannten Diskussion um Banken-Regeln, die sich an einer pointierten Stellungnahme eines amerikanischen Notenbankers entzündete und nun immer grössere Kreise zieht.

Das Gefühl macht sich breit: Acht Jahre nach der Finanzkrise scheint die Banken-Lobby wieder stark genug zu sein, um den «Too-big-to-fail»-Regeln zur Verhinderung von neuerlichen Systemkrisen in aller Öffentlichkeit zu widersprechen.

Rundumschlag des Notenbankers

Das jedenfalls fürchtet Neel Kashkari, seines Zeichens Präsident der Federal Reserve Bank von Minneapolis (Bild unten). In einer bereits legendär gewordenen Rede mit dem Titel «Ending Too-big-to-fail» blickt er auf all die Zeit zurück, die er seit 2008 mit der Regulierung von Banken zugebracht hat.

Er stellt darin erstens fest, wie erbittert die Banken-Lobby jeglichen tiefgreifenden Wandel bekämpft. Zweitens tritt er den Argumenten entgegen, welche die Banken gerne ins Feld führen – auch jenem, dass Grössenbeschränkungen nur der ausländischen Konkurrenz helfen.

«Wenn andere Staaten ihr Finanzsystem extremen Risiken aussetzen möchten, können wir sie nicht aufhalten – aber es besteht kein Grund, das selber zu tun», findet Kashkari, der vor der Finanzkrise während vier Jahren für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet hat.

Schliesslich kommt der jetzige Notenbanker zu seinen eigenen Forderungen: Den Banken sei noch viel mehr Eigenkapital aufzuzwingen, sie sollten in Teile zerlegt und ihre Fremdkapital-Hebel besteuert werden.

Neel kashkari 501

Kritik an Grundwerten

Erwartungsgemäss hat Kashkari damit einen Proteststurm unter den Banken ausgelöst. Er rückte damit unversehens einen Kampf ins Licht, der hinter den Kulissen immer verbissener geführt wird. «Die Banken mögen Regeln – wenn sie diese selber wieder verändern können», brachte die Agentur «Bloomberg» die Vorgänge in den USA jüngst auf den Punkt.

Derweil zeigt in Deutschland eine neue Studie, dass mittlerweile selbst etablierte Eckpfeiler der Eigenkapital-Regeln zur Diskussion stehen. Die am Institut für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität Köln verfasste Arbeit kommt nämlich zum Schluss, dass das Konzept der Leverage Ratio (vereinfacht: Eigenmittel im Verhältnis zur Bilanzsumme) zur Berechnung der Banken-Kapitalisierung Fehlanreize setze, ja sogar Risiken noch verstärke.

Grundsatzkritik im Auftrag

Tatsächlich vertrauen die Banken-Aufseher mit der Leverage Ratio auf ein zuweilen krudes Instrument. Dennoch muss bei der Kölner Grundsatzkritik zumindest etwas stutzig machen: beauftragt wurde sie von der Deutschen Kreditwirtschaft.

Auch in der Schweiz ist es die Leverage Ratio, an dem sich nun der Zorn zumindest der Grossbanken entzündet. Bis 2019 müssen UBS und CS eine Eigenmittelquote von 5 Prozent erreichen; zudem soll die Zusatzvorgabe für Krisen-Wandlungskapital von 3 auf 3,75 Prozent erhöht werden.

Massives Geschenk

Ebenso enthält der Verordnungs-Vorschlag progressive Eigenmittelvorgaben. Diese fordern von den Grossbanken schneller mehr Eigenkapital, wenn sie über eine Bilanzsummen-Grenze von 1050 Milliarden Franken hinaus wachsen. Genau das schimpft die hiesige Banken-Lobby ein Wachstumsverbot.

Gerne verschwiegen wird von dieser Seite, dass die bundesrätlichen Anpassungen der Too-big-to-fail-Regeln auch ein massives Geschenk enthalten. Bis 2019 zählen eigentlich disqualifizierte Pflichtwandel-Anleihen nicht nur weiter, sondern dürfen gar wie Instrumente der höchsten Qualität verrechnet werden. Dabei geht es um enorme Summen, wie finews.ch berichtete.

Gefangene Pendler

Das alles zeigt, dass das Pendel acht Jahre nach der Finanzkrise allmählich zurückzuschwingen scheint. Nachdem die Bankenaufseher brachial auf damalige Verfehlungen des Banksystems reagierten, wagt es die Branche inzwischen wieder, schärferen Regeln vehement entgegenzutreten. Das birgt die Gefahr, das Regulator und Regulierte noch auf Jahre hinaus in dieser Pendelbewegung gefangen bleiben – anstatt gemeinsam eine sinnvolle Postkrisen-Strategie anzupacken.

Angesichts der Risiken, die von Zinswende, dem Strukturwandel und neuerdings von faulen Krediten drohen, wäre genau das eine dringende Notwendigkeit.

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NEWS GANZ KURZ

Valartis

Die liechtensteinische Finanzaufsicht und die Börse Hongkong haben den Verkauf ihrer Liechtensteiner Tochter der Valartis Gruppe an die Citychamp Watch & Jewellery Group genehmigt hat. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2016 abgeschlossen werden.

Swiss Life

Der Zürcher Heimatschutz (ZVH) gibt beim Warenhaus Manor auf. Er akzeptiert den Entscheid des Verwaltungsgerichts, dass das Manor-Gebäude an der Zürcher Bahnhofstrasse kein Warenhaus bleiben muss. Die Eigentümerin der Liegenschaft, die Swiss Life, will das traditionsreiche Gebäude umbauen und umnutzen.

WIR Bank

Die Genossenschaft-Bank hat den Halbjahresgewinn um 115 Prozent auf 17,2 Millionen Franken gesteigert. Zwar wurde das Ergebnis auch durch den Verkauf von nicht benötigten Immobilien begünstigt, doch auch ohne diesen ausserordentlichen Ertrag lag das Gewinnwachstum bei 44 Prozent.

Luzerner Kantonalbank

Die Luzerner Kantonalbank begibt eine 0,1-Prozent-Anleihe über 375 Millionen Franken. Die Laufzeit beträgt fünfzehn Jahre. Zeichnungsschluss ist der 12. September, die Liberierung erfolgt auf den 15. September 2016.

Allianz Suisse

Der Sachversicherer hat im ersten Halbjahr das Prämienvolumen um 1,9 Prozent auf rund 1,37 Milliarden Franken erhöht. Der Halbjahres-Gewinn kletterte um 12,2 Prozent auf 142 Millionen Franken. Damit setzt Allianz Suisse den positiven Trend fort.

Zürcher Kantonalbank

investiere.ch, die Schweizer Investitionsplattform für Startups, hat eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Franken abgeschlossen. Die Zürcher Kantonalbank hat sich dabei substanziell an der Kapital-Erhöhung beteiligt und ist neu Minderheitsaktionärin von investiere.ch.

Swiss Life

Corpus Sireo, eine Tochter-Gesellschaft der Swiss Life Asset Managers, kauft die Firmensitze der Zurich Deutschland in Köln und Bonn. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Was Corpus Sireo mit den Objekten vor hat, ist noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Behörden.

Bernerland Bank

Die Regionalbank hat im ersten Halbjahr 2016 den Reingewinn um 6 Prozent auf gut 2 Millionen Franken steigern können. Der Zinserfolg nahm um 1 Prozent auf 10,2 Millionen Franken zu. Trotz des anhaltend schwierigen Zinsumfelds erwartet die Bank für das Geschäftsjahr 2016 einen Reingewinn auf Vorjahreshöhe.

Zürcher Landbank

Die Zürcher Landbank hat im ersten Semester 2016 den Gewinn auf über 1 Million Franken gesteigert. Dies ist ein Folge des höheren Zinserfolges, der um 2,5 Prozent auf 4 Millionen Franken stieg. Die übrigen Erfolgspositionen sowie der Aufwand blieben stabil.

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