Swiss Private Banking im Banne der Babuschka

Babuschka (Bild: Shutterstock)

Babuschka (Bild: Shutterstock)

Wie eine Babuschka des Schreckens nimmt sich derzeit der Skandal um das verschwundene Vermögen des schwerreichen Georgiers Bidzina Ivanishvili für die Grossbank Credit Suisse (CS) aus. Beinahe täglich taucht hinter der letzten unangenehmen Enthüllung die Nächste auf.

Und stetig steigt die Anzahl der Kläger wie auch der mutmasslich geforderte Schadenersatz.

Für das als Wachstumsmotor geschätzte Geschäft mit reichen Osteuropäern ist der Fall CS inzwischen zum Fall Swiss Private Banking mutiert. Kenner des «Russen-Banking» sprechen gar von einer Zeitenwende, die nun ihre Sparte erfasst habe – und einiges auf den Kopf stellen werde.

«Was wir erleben, ist ein Paradigmen-Wechsel», sagt ein ranghoher Private Banker am Platz Zürich, der ungenannt bleiben möchte. Dass die CS nun über einen Kundenberater stolpere, der ursprünglich gar nicht aus dem Bankfach stammte und dem trotzdem riesige Vermögen anvertraut wurden, sei symptomatisch.

«Wenn er nur gut Russisch sprach»

«Das sind die Nachwehen der 1990er-Jahre und der Jahrtausendwende, als alle nur Wachstum bolzen wollten und schnell einmal einer eingestellt wurde, wenn er nur schon gut Russisch sprach», sagt der Private-Banking-Veteran. Doch wie sich nun bei der CS so schmerzlich zeige, reichten solche Fähigkeiten heute bei weitem nicht mehr aus.

Das hat damit zu tun, dass sich Russland zu einem reiferen Markt fürs Private Banking entwickelt hat. Bestes Beispiel dafür sind die neuen Transparenz-Regeln, die seit Anfang 2015 für russische Bürger gelten.

«De-Offshorisation» heisst das Ziel, das die russischen Steuerbehörden verfolgen. Stark vereinfacht geht es darum, dass reiche Russen ihre Vermögensstrukturen im Ausland transparent machen. Damit soll der Steuerflucht ein Riegel vorgeschoben werden.

Die IT ist ratlos

Schon bei der Konzeption des Gesetzes war Russland von der Rezession bedroht. Konfrontiert mit fallenden Ölpreisen und westlichen Sanktionen hat der Flächenstaat heute noch mehr Interesse daran, den fatalen Kapitalabfluss einzudämmen.

Die Transparenzregeln verstärken einen weiteren Trend: Die Compliance-Abteilungen der Banken interessieren sich mit zunehmender Dringlichkeit für die über die Jahre oftmals wild gewachsenen Vermögensstrukturen der schwerreichen Klientel aus Osteuropa.

Und es stellt sich heraus: Die Kontrolleure sind den oftmals verschachtelten Konstrukten schlicht nicht mehr gewachsen. Insbesondere die herkömmliche Banken-IT sei in der Regel nicht in der Lage, solche Strukturen noch zu erfassen, sagt der Kenner des Geschäfts. Entsprechend müsse für teures Geld nachgerüstet werden, wobei Skaleneffekte kaum zum Tragen kommen – im Gegenteil. «Je grösser die Bank, desto unübersichtlicher die Strukturen», berichtet der Banker.

Ein nicht enden wollender Alptraum

Der Befund ist beunruhigend: Während das Schweizer «Russen-Banking» sich von der unkontrollierten Bonanza in einen «reifen Markt» verwandelt, manövrieren die Schweizer Private Banker praktisch im Blindflug. Und drohen wie im Fall der CS unversehens in Skandale zu stürzen.

Für die jeweils betroffenen Banker und Banken beginnt dann ein nicht enden wollender Alptraum, weiss der Veteran und sagt: «Auf Grund ihres immensen Vermögens können es sich diese Kunden leisten, einen Rechtsstreit über Jahre hinweg eskalieren zu lassen. Und die Klagesummen, die im Spiel sind, erweisen sich selbst für grosse Häuser als enorm.» Von der Reputation gar nicht zu sprechen.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Sachversicherer hat im ersten Halbjahr das Prämienvolumen um 1,9 Prozent auf rund 1,37 Milliarden Franken erhöht. Der Halbjahres-Gewinn kletterte um 12,2 Prozent auf 142 Millionen Franken. Damit setzt Allianz Suisse den positiven Trend fort.

Zürcher Kantonalbank

investiere.ch, die Schweizer Investitionsplattform für Startups, hat eine Finanzierungsrunde über 3,5 Millionen Franken abgeschlossen. Die Zürcher Kantonalbank hat sich dabei substanziell an der Kapital-Erhöhung beteiligt und ist neu Minderheitsaktionärin von investiere.ch.

Swiss Life

Corpus Sireo, eine Tochter-Gesellschaft der Swiss Life Asset Managers, kauft die Firmensitze der Zurich Deutschland in Köln und Bonn. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Was Corpus Sireo mit den Objekten vor hat, ist noch Gegenstand von Verhandlungen mit den Behörden.

Bernerland Bank

Die Regionalbank hat im ersten Halbjahr 2016 den Reingewinn um 6 Prozent auf gut 2 Millionen Franken steigern können. Der Zinserfolg nahm um 1 Prozent auf 10,2 Millionen Franken zu. Trotz des anhaltend schwierigen Zinsumfelds erwartet die Bank für das Geschäftsjahr 2016 einen Reingewinn auf Vorjahreshöhe.

Zürcher Landbank

Die Zürcher Landbank hat im ersten Semester 2016 den Gewinn auf über 1 Million Franken gesteigert. Dies ist ein Folge des höheren Zinserfolges, der um 2,5 Prozent auf 4 Millionen Franken stieg. Die übrigen Erfolgspositionen sowie der Aufwand blieben stabil.

Western Union

Der Zahlungsdienstleister Western Union und die SBB haben eine Smartphone-App lanciert. Sie ermöglicht Geldtransfers in über 200 Länder an mehr als 1'000 Billett-Automaten. Die Überweisung können entweder bar oder mit einer Bankkarte erfolgen.

Fondsmarkt

Das Vermögen der in der Statistik von Swiss Fund Data und Morningstar erfassten Anlagefonds hat im Juli dieses Jahres über 900 Milliarden Franken. Dies entspricht im Vergleich zum Vormonat einer Zunahme von 2,2 Prozent. Die Nettomittelzuflüsse betrugen rund 4 Milliarden Franken.

VZ Gruppe

Die Depotbank der VZ Gruppe hat einen neuen Digital Banking Hub der Zürcher Softwareschmiede Crealogix in Betrieb genommen. Der Hub erlaubt eine modulare Weiterentwicklung als Plattform für verschiedene Banking-Applikationen.

Moody's

Die Ratingagentur bescheinigt dem Schweizer Bankensystem einen «stabilen Ausblick». Die Einstufung reflektiere die Erwartung, dass die operativen Konditionen für die Banken in der Schweiz solide und stabil bleiben, so Moody's.

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