Rechtsrisiken: Der UBS und Credit Suisse droht ein dickes Ende

Credit Suisse am Paradeplatz Zürich

Credit Suisse am Paradeplatz Zürich

Zuletzt blieb es gespenstig ruhig um die Rechtrisiken der beiden Schweizer Grossbanken. Doch der Schein trügt. Vor allem die strauchelnde Credit Suisse soll extrem exponiert sein.

Die Ernte des ersten Jahresviertels hat es sowohl bei der UBS wie auch bei der Credit Suisse (CS) gründlich verhagelt. Schuld daran waren bei beiden Schweizer Grossbanken für einmal nicht Bussen und Prozesskosten, sondern die schwierigen Märkte sowie die Unlust der Kundschaft.

Doch die in den Hintergrund geratenen Rechtsrisiken könnten schon bald wieder für Schlagzeilen sorgen. Das jedenfalls erwartet Jeremy Sigee,der mit seinem Team bei der britischen Bank Barclays zu den einflussreichsten Banken-Analysten der Welt zählt.

Zu mehr Eigenkapital gezwungen

Sigee blickt in einer neuen Studie nach vorn und zwar bis ins Jahr 2018 – dasselbe Jahr übrigens, auf das CS-Chef Tidjane Thiam sein Dreijahres-Ziel einer Verdoppelung des Vorsteuergewinns von 2014 gesetzt hat. Glaubt man dem Barclays-Mann, ist dieses Ziel auf Grund drohender Rechtsrisiken nun noch ein Stück unsicherer geworden.

Mehr noch: Barclays-Analyst Sigee befürchtet, dass die CS gar gezwungen werden könnte, erneut Kapital aufzunehmen.

Rote Köpfe an der Börse

Das Analyse-Papier sorgt unter Börsianern bereits für allerhand Unruhe. Es «brodelt bei der CS», stellt etwa die Anlage-Publikation «Finanztrends» fest; die Aktie der Grossbank machte am Donnerstag denn auch das Schlusslicht im Schweizer Leitindex SMI.

Konkret rechnet Sigee damit, dass die Rechtskosten vor allem im Bereich Investmentbanking für die UBS und die CS (und auch die Deutsche Bank) in den nächsten Jahren noch deutlich steigen werden. Allein die Aufwendungen rund um die in der Finanzkrise toxisch gewordenen hypothekenbesicherten Papiere (RMBS) könnten für die Schweizer Grossbanken je noch 2 Milliarden Dollar betragen, so der Chefanalyst.

Jetzt zählt das Polster

Ingesamt erwartet er bei der UBS neue Rechtskosten von 5 Milliarden Franken für Bussen und Einigungen (siehe Tabelle unten). Bei der CS rechnet Sigee mit 3,2 Milliarden Franken an Zusatzkosten. Wird das mit den vorhandenen Rückstellungen verrechnet, schmilzt der Abstand gemäss der Barclays-Rechnung bereits. Dann drohen der UBS noch neue Rechtskosten von 2,1 Milliarden Franken, der Erzrivalin CS rund 1,6 Milliarden Franken.

Damit wird rasch klar: In den nächsten Jahren wird alles vom «Polster» abhängen. Angesichts der bereits soliden Kapitalisierung und der starken Ertragskraft könne die UBS «sehr gut» mit den erwarteten Rechtskosten kutschieren, findet Barclays.

BussenTab 500

Der Manövrierraum schwindet

Ziemlich anders sieht es nach Meinung Sigees bei der CS aus. Der zweitgrössten Schweizer Bank fehlten rund 5 Milliarden Franken zu ihren Eigenkapital-Zielen, sagt der Fachmann. Ausserdem seien die Erträge unter Druck. «Der Bank bleibt sehr wenig Manövrierraum», stellt Sigee lakonisch fest. Aus seiner Sicht hat das eine Herabstufung für die CS-Aktie und eine Kaufempfehlung für die Namen der UBS zur Folge.

Wie wenig Reserven blieben, liess auch der CS-CEO Thiam durchblicken, als er letzten März verstärkte Sparanstrengungen ankündigte. Dazu opferte er 2'000 weitere Stellen und fuhr die Investitionen, welche die Bank fürs Wachstum braucht, um eine halbe Milliarde Franken zurück.

Schrecken ohne Ende?

Sigees Fazit: Für die CS und die Deutsche Bank, die sich mitten in einer schmerzhaften Restrukturierung weg vom volatilen Investementbanking und hin zur Vermögensverwaltung befinden, macht dies den Turnaround noch schwieriger – und länger.

Anlässlich der Abschreiber in der Investmentbank hatte CS-Chef Thiam das Sprichwort bemüht, dass ein Ende mit Schrecken besser sei als Schrecken ohne Ende. Nun scheint der Schrecken für die Grossbank allerdings länger anzuhalten als ursprünglich erwartet.

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NEWS GANZ KURZ

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut dem Bericht ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

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