Sunrise – zu viel Risiko für neue Investoren?

Der kürzliche Börsengang des Telekom-Anbieters Sunrise war hierzulande der grösste seit langem. Allerdings sollten Anleger bei dieser Aktie misstrauisch bleiben, sagt Laurent Bakhtiari von der IG Bank.

Am 6. Februar 2015 ging das Schweizer Telekommunikations-Unternehmen Sunrise an die Börse. Der Emissionspreis einer Aktie betrug 68 Franken, womit der Wert der Gesellschaft damals bei mehr als 3 Milliarden Franken lag. Dieses Initial Public Offering (IPO, also der Börsengang) kann durchaus als Erfolg gewertet werden, denn der Preis der Sunrise-Aktie stieg am ersten Handelstag auf 76 Franken und notiert heute um die 73 Franken.

Darüber hinaus konnte der Eigentümer von Sunrise, die Investmentfirma CVC Capital Partners (CVC), zusätzlich 5 Millionen Aktien verkaufen. Die Schweiz hat seit 2006 keinen so wichtigen Börsengang erlebt. Damals ging es um das IPO von Petroplus – mittlerweile sind die Aktien dieser erdölverarbeitenden Firma nicht einmal mehr an der Börse.

Bereits eine Dividende versprochen

Sunrise hat eine gute Position im Markt: Mit einem Anteil von 27,4 Prozent im Handy-Sektor und 14,3 Prozent im DSL-Bereich, ist das Unternehmen nach dem Riesen Swisscom der zweitgrösste Telekommunikationsanbieter in der Schweiz.

Mit dem Börsengang wollte Sunrise vor allem seine Schuldenlast mindern. Ziel ist es, die Verschuldung von derzeit 2,9 Milliarden Franken mittelfristig auf 1,7 Milliarden Franken zu verringern. Sunrise hat sich zudem dazu verpflichtet, 2016 eine Dividende «von mindestens 135 Millionen Franken» für das Jahr 2015 auszuzahlen. Dies können die Anleger durchaus als positiv werten.

Ein Abschied in Raten?

Doch ist Sunrise darüber hinaus ein gutes Investment? Meines Erachtens ist der Börsengang gar nicht so interessant, wie er zunächst erscheint, zumal CVC schon seit geraumer Zeit Sunrise verkaufen wollte. Wir erinnern uns auch an den gescheiterten Zusammenschluss mit dem französischen Orange-Konzern im Jahr 2010. Seitdem hat CVC mehrmals versucht, Sunrise abzustossen – aber ohne Erfolg.

Der Börsengang mutet vor diesem Hintergrund wie ein weiterer Versuch an, sich mittelfristig von Sunrise zu verabschieden. CVC besass zum Zeitpunkt des Börsengangs fast 90 Prozent an Sunrise. Ein Ziel des Investmentfonds könnte sein, nach und nach weitere Aktien zu verkaufen, um schliesslich eine so tiefe Beteiligung an der Gesellschaft zu haben, dass dies potenzielle Käufer motivieren könnte, bei dem Unternehmen im grossen Stil einzusteigen.

Weitere Preisschlacht erwartet

Nur zur Erinnerung: CVC hat bereits fünf Millionen zusätzliche Aktien veräussert. Andererseits sollte man auch daran denken, dass Xavier Niel, der umtriebige CEO der Firma Iliad, die Orange Schweiz gekauft hat, seine Erfahrung dazu nutzen wird, hierzulande die Preise weiter zu senken.

Vor diesem Hintergrund sollten Anleger bei der Sunrise-Aktie vorsichtig bleiben. Denn sie könnte sehr schnell an Wert verlieren, sollte sich CVC dazu entschliessen, weitere Anteile zu verkaufen. Allerdings könnte der Titel auch rasch an Wert gewinnen, sollte er zu einem Spekulationsobjekt für potenzielle Käufer avancieren, die auch bereit wären, bei einem Übernahmeangebot eine Prämie zu bezahlen.

Letzteres ist sicher eine für CVC interessante, aber auch riskante Strategie. Denn sollte sich am Ende doch kein Käufer finden, müssten die Aktionäre von Sunrise die Zeche für dieses Wagnis bezahlen.

MARKTANALYSEN - AUTOREN

Andreas Ruhlmann

Andreas Ruhlmann sammelte nach seinem Finanzstudium in Kanada zunächst berufliche Erfahrung bei der Saxo Bank und der National Bank of Canada, bevor er 2014 zur IG Bank wechselte. In der Schweiz verstärkt er nun mit seiner Expertise, speziell in den Forex- und Aktienmärkten, das Team für die Kundenbetreuung. Zusätzlich verfasst er Marktkommentare sowie makroökonomische Einschätzungen und bietet Ausbildungsseminare rund um die Themen Handel, technische Analyse und Handelspsychologie an. Twitter @ARuhlmann_IG


Laurent Bakhtiari

Laurent Bakhtiari verfügt über einen Masterabschluss in Finanzen von Audencia Nantes und einen Masterabschluss in quantitativer Mathematik des Imperial College London. In den vergangenen acht Jahren arbeitete er in den Handelsräumen von Merrill Lynch und der Credit Suisse. Von April 2014 bis Juli 2016 war er bei der IG Bank als Marktexperte und Premium Client Manager tätig.

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