Sehen ab Fliessband

Anders kann es nicht sein. Das Samenkorn muss bereits in Emil Hohls Körper geruht haben seit seiner Jugend, gesetzt vom Vater wahrscheinlich, Seidenweber in Wolfhalden über dem Bodensee, der seinem Kind nur ein bescheidenes Zuhause zu geben vermochte, kein warmes Wasser, ein Plumpsklo, wo die Freunde doch ein Klo mit Spülung hatten.

Wir handeln die Welt

In dieser Preisklasse ist die Schweiz noch in Ordnung. Kronleuchter tauchen die Salons in mildes Licht, die Kellner sind flink und freundlich, und wie vor hundert Jahren schweift der Blick weit und unverbaut über den See zum eisigen Kranz der Alpen.

30 Minuten Mittagspause - Snack reinschieben am Parkplatz

7. und letzter Teil der Reportage «Banker unter Tage», von Hannes Grassegger.

Open Pit, die Sonne scheint, wirft Streiflicht im Staub. Die können noch so viel wässern mit ihren Trucks, es geht doch immer was in die Luft. Punkt zwölf die Explosionen. Dann kommen die Bagger. Zurück ins Office, Proben anschauen. Risk Assessment. Felsstürze. Neue Strassen auffahren, neuen Risikoplan anfertigen. Irgendjemand muss den Überblick bewahren. Primitiv ist das alles nicht. In der Mine fahren Caterpillar-Trucks, sieben Meter hoch, Ladung 500 Tonnen. Riesensteuerrad. Vier Millionen Dollar teuer. Vier-Meter-Reifen. Ein Reifen kostet über 30 000 Dollar. Das erste Mal in dieser Landschaft kommt man sich vor wie in einem Science-Fiction. Am Rand des Pits liegen die Gleise. Die Züge, die von hier Richtung Norden fahren, haben 234 Anhänger, sind 2,4 Kilometer lang. 112 Tonnen hochgradiges Eisenerz pro Anhänger. Verdienst pro Tonne 80–100 Dollar. Alle fünf Stunden fährt ein Zug.

Was nützen die paar hunderttausend Dollar, wenn einem die Frau des Lebens abhaut?

6. Teil der siebenteiligen Reportage «Banker unter Tage», von Hannes Grassegger.

Die Hintergrundmusik im Café hat sich zu einem anhaltenden Gitarrensolo gesteigert. «Natürlich ist unsere Demokratie bedroht», wütet Paul Cleary, «und natürlich hat dieser Fall internationale Relevanz.» Drei weltweit operierende Unternehmen hätten die Regierung der laut IWF dreizehntstärksten Volkswirtschaft der Welt ausgehebelt.

Und der Putsch sei nur ein Beispiel, sagt Cleary und erzählt vom 36 Milliarden schweren Breitbandnetzwerk, das der Staat baut, ohne auch nur eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht zu haben, von 8000 Dollar Monatsmieten für eine Wellblech-Donga in der Pilbara, von Minenindustrieangestellten, die in die Politik gehen und umgekehrt. Es gibt schon eine Sezessionsbewegung, die das reiche Westaustralien abspalten will. Jetzt, wo der Rest des Landes wirtschaftlich leidet und ein Stück vom Kuchen aus Perth haben will, werden diese Stimmen lauter. «Wir hatten zu viel Glück, und wir sind dabei, uns zu ruinieren», schliesst Cleary.

Die neuen Steuerrichtlinien mailte der Minenkonzern direkt an die Regierung

5. Teil der siebenteiligen Reportage «Banker unter Tage», von Hannes Grassegger.

Am Sonntag, dem 1. Mai 2010, als Kevin Rudd noch jener Premierminister und Vorsitzender der Laborpartei war, der als erste Amtshandlung das Kyoto-Protokoll unterzeichnet hatte, verkündete Rudd die Vorlage eines neuen Steuergesetzes für «Superprofite» in der Rohstoffbranche. Geplant im «Resource Rent Super Tax» waren 40 Prozent auf alle Gewinne über einem Grenzwert, der sich an den Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen orientieren sollte. Die Regierung hatte errechnet, dass sie in den letzten Jahren 35 Milliarden hätte einnehmen können, wäre sie am extremen Preisanstieg vieler Rohstoffe beteiligt gewesen. Das Geld sollte vor allem verwendet werden, um den Non-Rohstoffbereich der australischen Wirtschaft zu unterstützen. Eine klassische Umverteilungsstrategie, um die Verlierer des Booms ruhig zu halten.

«Australien hat die Holländische Krankheit»

4. Teil der siebenteiligen Reportage «Banker unter Tage», von Hannes Grassegger.

Für Paul Cleary ist dieses Land krank. Der Sonnenschein von Perth liegt 3300 km westlich. Es ist seit Wochen regnerisch in Sydney, der Sommer droht auszufallen, alle fragen sich, ob das denn jetzt der Klimawandel sei, und niemand scheint wirklich gute Laune zu haben.

Der Endvierziger mit dem schütteren Haar und dem trotzig vorgestreckten Kinn sitzt am Kaffeetisch vor dem gregorianisch gehaltenen Customs-House, dem ehemaligen Zollhaus, und hadert mit der viel zu lauten Hintergrundmusik an diesem Morgen. Vor ihm laufen chinesische Touristenpärchen freudig in Richtung der nahegelegenen Oper. Hinter ihm, über dem Eingang steht «Honi soit qui mal y pense» (Ein Schuft, wer Böses dabei denkt). Innen im Customs-House, dem ehemaligen Zollhaus, liegt Sydneys Stadtbücherei, und darin steht auch Clearys drittes, aktuelles Buch «Too Much Luck» über den Minenboom und Australiens Zukunft.

Einmal war Felix aus Perth zu Besuch in Frankfurt; die Armut dort hat ihn erschrocken

3. Teil der siebenteiligen Reportage «Banker unter Tage», von Hannes Grassegger.

Felix ist 22, ein schlanker junger Blondschopf mit Jeans und Karohemd, in der Hafenstadt Perth geboren, aufgewachsen, studiert. Seine Eltern wanderten aus Deutschland ein. Seit Felix laufen lernte, gab es in Australien keine Rezession, kein halbes Jahr mit sinkender Wirtschaftsleistung. Es ging bergauf. Und 2003, als Felix 14 war, begann der fünfte und bislang massivste Ressourcenboom des rostroten Kontinents.

Endlich werde Perth eine richtige Stadt, findet Felix. Eigentlich sei es ja eine Ansammlung von Vororten um ein kleines Wirtschaftszentrum mit ein paar Hochhäusern gewesen. Dass jetzt das Nachtleben blühe, dass die Kaffeequalität in Perth so gut geworden sei, sei alles neu, genau wie die Luxusbar 1907, die Dachbar Aviary, die Nobelläden auf der King’s Street – alles Folge des Rohstoffbooms. Jeder hier in Perth habe etwas mit dem Ressourcenbusiness zu tun, direkt oder indirekt.

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