Junge Schweizer überholen beim ETF-Wissen

Das Finanzwissen der Schweizer Bevölkerung kommt nur langsam voran. Im aktuellen Finanzkompetenzindex von True Wealth wurden durchschnittlich 55 Prozent der Fragen richtig beantwortet. 2025 waren es gut 54 Prozent, 2024 knapp 52 Prozent.

Anders als man vermuten könnte, sind die Unterschiede je nach Alter eher klein. Die 16- bis 29-Jährigen beantworteten 53,9 Prozent der zehn Fragen richtig, bei den 30- bis 49-Jährigen waren es 54,6 Prozent und bei den 50- bis 74-Jährigen 56,1 Prozent. Zwischen der jüngsten und ältesten Generation liegen damit nur gut zwei Prozentpunkte.

Nur bei ETF’s weiss man etwas mehr

Geht es um ETF’s zeigen sich aber grosse Differenzen: Die Frage nach dem wesentlichen Vorteil von ETFs gegenüber aktiv verwalteten Anlagefonds konnten 38,2 Prozent der 16- bis 29-Jährigen richtig beantworten. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 26,1 Prozent gewesen. Eine Erklärung für den raschen Anstieg gibt es laut den Autoren nicht. Die Umfrage fand im Juni statt.

Eine HSLU-Studie vom April zeigte einen wesentlichen Generationenunterschied bei der Informationsbeschaffung. Jüngere Anleger orientieren sich häufiger über Finanzportale und Blogs, während ältere ETF-Anleger stärker auf Empfehlungen von Bankberatern setzen.    

Laut der True Wealth Umfrage legten die Jungen innerhalb eines Jahres um gut zwölf Prozentpunkte zu und überholten sämtliche älteren Altersgruppen. Die ETF-Frage war gleichzeitig die einzige Frage der Untersuchung, bei der sich das Wissen insgesamt klar verbessert hat. 

Über alle Altersgruppen hinweg kennen inzwischen 32,7 Prozent den wesentlichen Vorteil eines ETF. 2025 waren es 28,9 Prozent und 2024 29,3 Prozent. 

Noch grösser ist der Anlage-Graben

Stärker als das Alter trennt die Schweizer allerdings eine andere Frage, die in der dritten Ausgabe zum ersten Mal gestellt wurde: Investieren sie selbst oder nicht? Rund 57 Prozent der Befragten besitzen mindestens eine Finanzanlage, knapp 39 Prozent keine. Anleger beantworteten knapp 66 Prozent aller gestellten Fragen richtig, Leute ohne eigene Finanzanlagen lediglich rund 41 Prozent.

Der Unterschied von rund 24 Prozentpunkten ist grösser als der Wissensunterschied zwischen Männern und Frauen sowie zwischen Deutsch- und Westschweiz. Nur zwischen den niedrigsten und höchsten Einkommensgruppen fällt die Differenz noch grösser aus.   

Bei ETFs öffnet sich die Schere noch deutlicher: 45,9 Prozent der Anleger beantworteten die ETF-Frage richtig, gegenüber lediglich 16,1 Prozent der Nicht-Anleger. Wer selbst investiert, kennt den Vorteil von ETFs damit fast dreimal so häufig.

Neben Alter und Anlageerfahrung spielt der Wohnort eine Rolle. In der Deutschschweiz kennen 36,6 Prozent den abgefragten ETF-Vorteil, in der Westschweiz lediglich 21,2 Prozent.

HSLU findet ähnliches Wissensgefälle

Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt die «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025» der Hochschule Luzern (HSLU), für die 3'460 Personen zwischen 18 und 75 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz befragt wurden.

Ein Drittel der Schweizer Anleger investiert demnach bereits in ETFs. ETF-Anleger sind mehrheitlich jünger als 45 Jahre, häufiger männlich und verfügen im Durchschnitt über einen höheren Bildungsstand.

71 Prozent der ETF-Anleger verfügen laut HSLU über Fach- oder Expertenkenntnisse zu ETFs. Unter Personen ohne ETF-Investments fehlt dagegen 63 Prozent grundlegendes ETF-Wissen. 

Allerdings gibt es selbst unter ETF-Anlegern Wissenslücken. So überschätzen viele die Kosten. Unter den Nicht-ETF-Anlegern gehen 58 Prozent davon aus, dass ETFs mehr als 1 Prozent Gebühren kosten. Tatsächlich liegen die Kosten von Schweizer ETFs laut HSLU im Durchschnitt bei rund 0,30 Prozent.

Deutschland: Bekannt – aber nicht unbedingt verstanden

Ein ähnliches Phänomen zeigt sich international. In Deutschland haben laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag von Franklin Templeton 75 Prozent der Bevölkerung bereits von ETFs gehört.

Doch Bekanntheit bedeutet noch kein Wissen: Nur 12 Prozent schätzen ihre eigenen ETF-Kenntnisse als gut oder sehr gut ein. 56 Prozent halten ihr Wissen dagegen für unzureichend. 

Auch in Deutschland zeigt sich ein Generationeneffekt. Die 18- bis 34-Jährigen schätzen ihr ETF-Wissen höher ein als ältere Befragte. Und von den jungen ETF-Anlegern investieren mehr als 80 Prozent über einen Sparplan. Über alle Altersgruppen hinweg sind es rund drei Viertel.    

Junge Europäer setzen stärker auf ETFs

Der Generationentrend zeigt sich auch auf europäischer Ebene. Laut einer BlackRock-Untersuchung besassen 24 Prozent der europäischen Anleger zwischen 18 und 34 Jahren ETFs. Bei den Anlegern ab 35 Jahren waren es «nur» 19 Prozent. Dabei gewinnt der digitale Vertrieb an Bedeutung. Europaweit nutzen 75 Prozent der ETF-Anleger digitale Plattformen, bei den 18- bis 34-Jährigen sind es 80 Prozent.

Damit zeichnet sich ein struktureller Wandel ab. Beim allgemeinen Finanzwissen haben ältere Schweizer noch einen kleinen Vorsprung. Bei ETFs gilt das nicht mehr: Die jüngste Generation hat innerhalb nur eines Jahres deutlich aufgeholt und liegt inzwischen vorne.

Eine jüngere Anlegergeneration trifft damit auf einen Markt, in dem ETFs über Sparpläne und digitale Plattformen immer leichter zugänglich werden. Gleichzeitig spricht der weiterhin niedrige Wissensstand grosser Teile der Bevölkerung dafür, dass der ETF-Boom keineswegs automatisch mit entsprechendem Finanzwissen einhergeht.