BNP Paribas macht ETFs zum Wachstumstreiber
BNP Paribas hat sich im ETF-Geschäft ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Zwischen 2026 und 2030 will der Konzern rund 100 Milliarden Euro Nettomittelzuflüsse gewinnen und mehr als 75 zusätzliche ETFs lancieren.
Das geht aus der im vergangenen März vorgestellten Strategie für das Asset Management hervor. Börsengehandelte Fonds sollen zu einem wesentlichen Wachstumstreiber der vergrösserten Vermögensverwaltung werden.
Viel Neugeld im Visier
Die Ausgangsbasis ist bereits beträchtlich: Ende 2025 verwaltete die ETF-Plattform bereits 58 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte sie 11 Milliarden Euro eingesammelt. Das Zuflussziel für die fünf Jahre bis 2030 entspricht rechnerisch durchschnittlich 20 Milliarden Euro jährlich. BNP Paribas müsste damit das Neugeldgeschäft gegenüber 2025 erheblich steigern.
Dabei geht es um zusätzliche Anlegergelder, nicht um einen Zielwert für das verwaltete Vermögen. Dessen Entwicklung hängt auch von Marktbewegungen ab. Diese Unterscheidung ist für die Beurteilung der Wachstumspläne wesentlich: Steigende Börsen allein würden das Zuflussziel nicht erfüllen.
Gut zwei Drittel mehr ETFs
Den strategischen Hintergrund bildet die Übernahme von AXA Investment Managers, die BNP Paribas am 1. Juli 2025 abschloss. Für die vergrösserte Asset-Management-Plattform nennt der Konzern per Ende 2025 insgesamt rund 1,6 Billionen Euro verwaltete Vermögen. Im europäischen ETF-Geschäft zählt sich die Gruppe zu den zehn grössten Anbietern.
Dies bietet neue Möglichkeiten: Das ETF-Angebot soll entsprechend breiter werden. In einer aktuellen Konzernübersicht nennt BNP Paribas einen Bestand von 110 ETFs und eine angestrebte Palette von mehr als 185 Produkten bis 2030. Damit würde die Auswahl um gut zwei Drittel wachsen.
Bemerkenswerte Zusammenarbeit
Seine bisherige Positionierung hat das Haus stark über nachhaltige und thematische Anlagen aufgebaut. Die Produktpalette umfasst unter anderem ESG- und Klimastrategien sowie Themen wie Kreislaufwirtschaft und Medizintechnik. Hinzu kommen Aktien-, Obligationen-, Rohstoff- und Immobilienexposures. Inzwischen verbindet BNP Paribas diese Ausrichtung mit einem breiteren Angebot passiver und aktiver Ansätze.
Wie die nächste Ausbaustufe aussehen soll, zeigte eine Lancierung vom Juni 2026. BNP Paribas brachte vier aktiv verwaltete Produkte auf den Markt: Easy Equity Premium Income, Easy European Equity Buffer, Easy Global Equity Long Short und Easy Managed Futures. Die Palette adressiert damit unterschiedliche Aufgaben im Portfolio – von laufenden Erträgen über die Begrenzung bestimmter Verlustrisiken bis zu alternativen Renditequellen.
Bemerkenswert ist dabei die Zusammenarbeit innerhalb des Konzerns. Für die neuen Produkte verbindet das Asset Management seine Strukturierungs- und Portfoliomanagementkompetenz mit quantitativen Strategien und Modellen des Geschäftsbereichs Global Markets. BNP Paribas nutzt damit Fähigkeiten aus dem Kapitalmarktgeschäft, um zusätzliche Anlageansätze im ETF-Format anzubieten.
Schweiz spielt stets wichtige Rolle
Die Long-Short-Strategie arbeitet beispielsweise mit positiven und negativen Aktienpositionen. Der Managed-Futures-Ansatz soll Trends über verschiedene Anlageklassen hinweg nutzen. Die angestrebte Diversifikation und Stabilisierung der Portfolios sind dabei Anlageziele, keine zugesicherten Ergebnisse. Für professionelle Käufer steigt mit solchen Strategien auch der Bedarf, Modelle, Derivateeinsatz und Verhalten in unterschiedlichen Marktphasen zu verstehen.
Alle vier Produkte wurden auf Euronext Paris, Xetra und an der SIX Swiss Exchange verfügbar gemacht. Die Schweiz ist damit unmittelbar in die Produkteinführung eingebunden. Für Schweizer Banken und unabhängige Vermögensverwalter verbreitert sich dadurch das Angebot an Portfoliobausteinen.
ETF-Geschäft als Schlüssel zu mehr Kunden
Die Wachstumsstrategie reicht zudem über die Produktentwicklung hinaus. BNP Paribas will ausdrücklich Wealth Manager, digitale Plattformen und Vermögensverwaltungslösungen als Vertriebskanäle nutzen. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit Global Markets. Der Konzern setzt damit darauf, bestehende Kundenbeziehungen für das ETF-Geschäft zu erschliessen und zugleich zusätzliche Käufer zu erreichen.
Für die B2B-Konkurrenz ist diese Kombination relevant. BNP Paribas kann Produktentwicklung, Kapitalmarktkompetenz und Vertrieb innerhalb einer grossen Bankengruppe verbinden. Ob daraus die angestrebten Zuflüsse entstehen, hängt jedoch davon ab, wie überzeugend die Produkte bei Fondsselektoren und Portfoliomanagern abschneiden. Eine grössere Palette allein schafft noch keine dauerhaft höheren Kundengelder.
Die nächsten Jahre werden deshalb zeigen, ob BNP Paribas seine vergrösserte Plattform in einen entsprechend stärkeren ETF-Vertrieb übersetzen kann. Mit dem Neugeldziel bis 2030 hat sich die Bank einen klaren Massstab gesetzt.












