So verändern ETFs das Schweizer Anlagegeschäft

ETFs verändern nicht nur die Produktauswahl, sondern zunehmend auch die Art, wie Schweizer Privatanleger investieren und sich informieren. Das zeigt die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025 der Hochschule Luzern (HSLU). Die repräsentative Untersuchung basiert auf einer Befragung von 3'460 Personen zwischen 18 und 75 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz. 

Verfasst wurde die Studie von Brian Mattmann, Karsten Döhnert, Jürg Fausch und Angelo Gattlen vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ). Insgesamt 628 der Befragten investierten zum Zeitpunkt der Erhebung bereits in ETFs. 

Zusätzlicher Baustein

Dabei ersetzen ETFs klassische Anlagen bislang nicht vollständig. 52 Prozent der ETF-Anleger haben weniger als ein Viertel ihres Anlagevermögens in ETFs investiert. Weitere 26 Prozent halten zwischen 26 und 50 Prozent ihres Vermögens in diesen Produkten. Lediglich 7 Prozent weisen einen ETF-Anteil von mehr als 75 Prozent auf. ETFs sind damit überwiegend ein zusätzlicher Baustein bestehender Portfolios. 

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Quelle: HSLU

Das eröffnet den Anbietern weiteres Wachstumspotenzial. Denn nicht nur neue Kunden können für ETFs gewonnen werden. Auch bei Anlegern, die bereits ETFs besitzen, besteht noch erhebliches Potenzial für eine stärkere Gewichtung dieser Produkte im Portfolio, heisst es dazu.

Vor allem online

Für Banken dürfte eine andere Erkenntnis noch wichtiger sein: ETF-Anleger nehmen ihre Investments besonders häufig selbst in die Hand. 64 Prozent verwalten ihre ETF-Anlagen selbst. Bei den Schweizer Anlegern insgesamt liegt dieser Anteil laut den von den Studienautoren herangezogenen Vergleichsdaten bei 42 Prozent.

Auch bei der Wahl des Finanzinstituts zeigt sich die Verschiebung. 49 Prozent der ETF-Anleger nutzen Online-Banken. Bei der Gesamtheit der Schweizer Anleger sind es lediglich 29 Prozent.

Für klassische Banken birgt diese Entwicklung das Risiko, einen Teil der Kunden im Anlagegeschäft zu verlieren. Beratung, Produktauswahl und Transaktion müssen nicht mehr zwingend bei demselben Anbieter stattfinden. Gerade jüngere und selbständige Anleger können sich anderswo informieren und ihre Investments anschliessend über einen digitalen Anbieter umsetzen.

Gleichzeitig zeigt die Studie eine bislang wenig genutzte Chance im traditionellen Beratungsgeschäft. 82 Prozent der bisherigen Nicht-ETF-Anleger wurden von ihrer Bank noch nicht auf ETFs aufmerksam gemacht. Gerade diese Gruppe ist häufiger älter und orientiert sich stärker an der klassischen Bankberatung.

Unterschiedliche Quellen

Besonders deutlich wird der Generationenunterschied bei der Informationsbeschaffung. 59 Prozent der ETF-Anleger sind jünger als 45 Jahre. Bei den jüngeren Anlegern erfahren 38 Prozent über Bekannte von ETFs, 35 Prozent über Finanzportale und 34 Prozent über Finanzblogs. Nur 19 Prozent nennen den Bankberater.

Bei älteren ETF-Anlegern sieht es anders aus: Dort steht der Bankberater mit 41 Prozent an erster Stelle für die Informationsbeschaffung. Knapp dahinter folgen die Presse und die verschiedenen Finanzportale. 

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Quelle: HSLU

Damit verschiebe sich für Banken und Vermögensverwalter auch der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Kunden. Während bei älteren Anlegern die persönliche Beratung ein wichtiger Zugang zu ETF-Anlagen bleibt, findet die Entscheidungsfindung jüngerer Kunden zunehmend ausserhalb der klassischen Bank statt.

Dass der Trend weitergehen dürfte, zeigen zusätzliche Ergebnisse der Studie: 87 Prozent der heutigen ETF-Anleger wollen ihr Engagement in den kommenden zwei Jahren ausbauen. Gleichzeitig plant rund ein Drittel der bisherigen Nicht-ETF-Anleger erstmals ein Investment in ETFs. 

Die nächste ETF-Anlegerstudie soll am 20. Oktober 2026 im Rahmen der Swiss ETF Awards in Zürich vorgestellt werden. Sie soll unter anderem zeigen, wie sich ETF-Nutzung und Wissen weiterentwickelt haben und welche Rolle Finfluencer, ETF-Sparpläne und aktive ETFs inzwischen spielen.