Rentenranking: Weshalb die Schweiz hinter der Weltspitze zurückbleibt

Das Schweizer Rentensystem erreicht im diesjährigen «Marsh CFA Institute Global Pension Index 2026» insgesamt 73,6 von maximal 100 Punkten. Das sind 1,2 Punkte mehr als im Vorjahr. Im internationalen Vergleich bleibt die Schweiz dennoch auf dem elften Platz.

Der früher unter dem Namen «Mercer CFA Institute Global Pension Index» veröffentlichte Vergleich erscheint bereits zum 18. Mal. Untersucht werden inzwischen 55 Altersvorsorgesysteme weltweit, die zusammen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung abdecken.

Schwachpunkt Rentenhöhe

«Insgesamt wird das Schweizer Rentensystem als überdurchschnittlich gut bewertet», sagt Tobias Wolf, Partner und Leiter Marsh Investments and Retirement Schweiz. Wie schon in den Vorjahren kritisiere der Bericht allerdings die Angemessenheit der Rentenleistungen.

In dieser Kategorie erreicht die Schweiz lediglich Rang 28. Mit 68,4 Punkten liegt sie zwar über dem internationalen Durchschnitt von 66,5 Punkten, schneidet aber innerhalb der Spitzengruppe vergleichsweise schwach ab.

Ein wesentlicher Grund sind die im internationalen Vergleich eher tiefen Lohnersatzquoten. Diese zeigen, wie hoch die Rente im Verhältnis zum Einkommen vor der Pensionierung ausfällt.

Nachhaltigkeit als Stärke

Deutlich besser schneidet die Schweiz bei der langfristigen Nachhaltigkeit des Vorsorgesystems ab. Hier belegt sie Rang zehn und erreicht 72,8 Punkte. Der internationale Durchschnitt liegt bei lediglich 55,4 Punkten.

Die Bewertung berücksichtigt unter anderem die Finanzierung der Rentensysteme, die vorhandenen Vorsorgevermögen, die demografische Entwicklung und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

In der dritten Kategorie, der Integrität, kommt die Schweiz auf Rang 17 und 83,1 Punkte. Hier beurteilt der Index unter anderem Regulierung, Aufsicht, Transparenz und Führung der Vorsorgeeinrichtungen.

Verbesserungspotenzial sehen die Autoren insbesondere bei der Transparenz sowie bei der weiteren Professionalisierung der Leitungsgremien.

Niederlande verteidigen Spitzenplatz

International führen erneut die Niederlande mit 85,8 Punkten das Ranking an. Dahinter folgen Dänemark mit 84,1 Punkten und Island mit 84,0 Punkten. Ebenfalls die höchste Bewertungsklasse A erreichen Singapur, Israel und Australien. Insgesamt erfüllen damit sechs der 55 untersuchten Systeme die höchsten Anforderungen an Rentenleistungen, Nachhaltigkeit und Integrität.

Die Schweiz gehört mit ihrer Bewertung von 73,6 Punkten zur Kategorie B. Sie liegt damit hinter den sechs A-Ländern sowie Chile, Schweden, Finnland und Norwegen.

Bemerkenswert ist der Vergleich mit den Nachbarländern: Frankreich erreicht 70,3 Punkte, Deutschland 67,9 Punkte, Österreich 56,9 Punkte und Italien 57,4 Punkte. 

Alterung setzt Pensionssysteme unter Druck

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Berichts liegt auf den Folgen der alternden Bevölkerung. Sinkende Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung stellen die Finanzierung der Altersvorsorge weltweit vor zusätzliche Herausforderungen.

Der Index berücksichtigt deshalb neu bei der Beurteilung der Rentenhöhe nicht mehr nur die Leistungen beim Eintritt in den Ruhestand, sondern auch jene im Alter von 80 Jahren. Die Ersatzquote bei der Pensionierung wird dabei mit 75 Prozent und jene im Alter von 80 Jahren mit 25 Prozent gewichtet.

Die Autoren sprechen sich unter anderem für flexiblere Pensionierungsmodelle, eine breitere Abdeckung der beruflichen Vorsorge und eine stärkere Finanzierung künftiger Rentenleistungen aus.