Privatbanken: Vermögen steigen, die Margen schrumpfen
Die weltweiten Vermögen wohlhabender Privatkunden haben 2025 mit 98,3 Billionen Dollar einen neuen Rekord erreicht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 8,7 Prozent. Doch die Privatbanken profitieren davon kaum. In Europa sank die durchschnittliche Ertragsmarge im Private Banking von 76 auf 73 Basispunkte.
Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie «Too Rich, Too Thin? Richer Clients, Thinner Margins» des Londoner Beratungsunternehmens Anglo-Suisse Capital. Der 39-seitige Bericht stützt sich auf verschiedene Branchenstudien und eine eigene Untersuchung von 270 Privatbanken an neun internationalen Finanzplätzen.
Hongkong überholt die Schweiz
Hongkong hat die Schweiz 2025 beim grenzüberschreitend verwalteten Vermögen erstmals ganz knapp überholt. Laut den viel zitierten Zahlen der Boston Consulting Group (BCG) erreichte Hongkong 2,95 Billionen Dollar, während die Schweiz auf 2,94 Billionen Dollar kam.
Der Vorsprung ist zwar noch gering, doch das Wachstum spricht für den asiatischen Finanzplatz. In Hongkong nahmen die grenzüberschreitend verwalteten Vermögen um 10,7 Prozent zu, in der Schweiz um 7,6 Prozent.
Bis 2030 erwartet BCG für Hongkong einen Anstieg auf 4,6 Billionen Dollar. Für die Schweiz werden 4,0 Billionen Dollar prognostiziert. Auch Singapur soll mit einem erwarteten Volumen von 3,3 Billionen Dollar deutlich wachsen.
Interessantes Detail: In den beiden asiatischen Finanzplätzen sind jeweils 34 Privatbanken im Vergleich berücksichtigt, in der Schweiz sind es über 80. Damit ist das verwaltete Vermögen pro Bank in Hongkong mehr als doppelt hoch wie in der Schweiz. Auch gegenüber anderen Bankenplätzen kommen die einzelnen Institute hierzulande auf deutlich kleinere Vermögen.

Quelle: Anglo-Suisse Capital
Zahl der Schweizer Privatbanken fast halbiert
Der Strukturwandel auf dem Schweizer Bankenplatz setzt sich fort. Gemäss den im Bericht verwendeten Zahlen von KPMG ist die Zahl der Schweizer Privatbanken mit weniger als zehn Milliarden Franken verwalteten Vermögen in den vergangenen fünfzehn Jahren von 118 auf bloss noch 48 gesunken. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Institute mit mehr als 100 Milliarden Franken von vier auf acht.
Der wirtschaftliche Druck bleibt erheblich. Von 68 durch KPMG untersuchten Schweizer Privatbanken wiesen 32 eine Cost-Income-Ratio von mindestens 80 Prozent auf. Bei 18 Instituten lag sie sogar über 90 Prozent.
Anglo-Suisse Capital erwartet deshalb weitere Übernahmen und Fusionen. Bis Ende 2027 könnte die Zahl der Schweizer Privatbanken gemäss der Prognose des Unternehmens unter 75 sinken. Bereits 2025 wurden 13 Transaktionen mit Schweizer Privatbanken registriert.
Schweiz bei Kryptowährungen vorne
Eine eigene Erhebung von Anglo-Suisse Capital zeigt, wie zurückhaltend die Privatbanken bisher beim direkten Zugang zu Kryptowährungen agieren. Von 270 untersuchten Privatbanken ermöglichen gemäss öffentlich verfügbaren Informationen lediglich 19 ihren Kunden, Kryptowährungen direkt zu kaufen, zu verkaufen und zu verwahren. Davon entfallen 13 auf die Schweiz, drei auf Liechtenstein und drei auf Singapur.
In der Schweizer Stichprobe von 83 Privatbanken entspricht dies einem Anteil von 15,7 Prozent. Zu den Anbietern gehören Julius Bär, Syz, Bordier, Maerki Baumann und Reichmuth. Julius Bär ist laut Studie die einzige grosse Schweizer Privatbank mit einem entsprechenden Angebot.
Zehn der weltweit 19 identifizierten Anbieter arbeiten mit externen Partnern zusammen, darunter Sygnum, AMINA und InCore.
Private Markets als Wettbewerbsvorteil
Deutlich weiter ist die Branche bei nicht kotierten Anlagen. Von den 270 untersuchten Privatbanken bieten 172 einen Zugang zu Private Markets an. Allerdings ermöglichen nur 50 Institute ihren Kunden Direktinvestitionen oder Co-Investments. Weitere 122 beschränken sich auf Fondsprodukte.
Die Schweiz liegt bei direkten Transaktionen mit 22 Anbietern zahlenmässig an der Spitze. Gemessen am Anteil der untersuchten Privatbanken führt allerdings Singapur mit elf von 34 Instituten beziehungsweise 32,4 Prozent. In der Schweiz sind es 22 von 83 oder 26,5 Prozent. Zu den Schweizer Instituten mit entsprechenden Angeboten zählen unter anderem UBS, Julius Bär, Pictet, UBP, Syz, Bordier und Reichmuth.
Kunden verteilen ihre Vermögen auf mehrere Banken
Eine weitere Herausforderung ist die sinkende Kundenbindung. Während vor sieben Jahren noch 39 Prozent der vermögenden Privatkunden lediglich einen Vermögensverwalter nutzten, waren es gemäss der jüngsten Umfrage nur noch 19 Prozent, die auf einen einzigen Berater setzten.
Besonders ausgeprägt dürfte der Wettbewerb beim Generationenwechsel sein. Laut einer im Bericht zitierten Untersuchung planen 81 Prozent der befragten Erben, innerhalb von ein bis zwei Jahren nach einer Erbschaft ihren Vermögensverwalter zu wechseln.
Künstliche Intelligenz bringt noch kaum Einsparungen
Potenzial zur Verbesserung der Rentabilität sieht die Studie beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Allerdings klafft zwischen technologischen Möglichkeiten und messbaren Kostensenkungen noch eine Lücke.
Rund 80 Prozent der von KPMG untersuchten Schweizer Privatbanken setzen bereits KI in Teilen ihres Geschäfts ein. Gleichzeitig erwarten 76 Prozent innerhalb der nächsten zwölf Monate keine oder lediglich geringe Kosteneinsparungen von höchstens rund zwei Prozent.
Die Entwicklung dürfte vor allem kleinere Institute vor schwierige strategische Entscheidungen stellen. Das Londoner Beratungsunternehmen Anglo-Suisse Capital, das selbst Banken bei Übernahmen und Verkäufen berät, hält eine weitere Konsolidierung für wahrscheinlich.
«Jede Bankleitung steht vor derselben Frage: Wollen wir Käufer, Verkäufer oder Partner sein?», sagt CEO Charles Hancock.















